Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nur in der Form und der Eigenart des Denkens liegen. Beiden ger leinsam ist die messerscharf^ Logik, der unbestediliche Wahrheitsdrang und vof allem: der MÄr, eit en Gedanken bis zu Ende zü denken. Beide sind Systematiker im höchsten Sinne des. Wortes, Analyt ker und Konstrukteure zugleich. Aber in der ^zwinge nden Folgerichtigkeit ihres Ge* dankenbaues entfernen sie sich niemals von der Erde und verlieren sich nicht, wie so manche nichts jüdische Wirtschaftsdenker, in nebelhafte metaphy* sische Regionen, wc das Beweisen aufhört und der Glaube anfängt. Nicht nur Ricardo, der in den natürlichen Marktge: etzen, in dem freien Spiel der Kräfte, in dem ungehemmten Ausrausch der War^ »Arbeit« einen vo lendeten Dauerzustand sieht; sondern auch der Sozialist, der Entwicklungstheoretiker Karl Marx le* trachtet die Dinge ga nz diesseitig. Auch er . hütet sich davor, ein tausendjähriges Rech zu proklamieren- I )ie Ausmalung des Z|u« kunftsstaates hat er seinen kleineren Schülern überlassen. Beide wollen nur sagen, was ist. Sie sind reale f etrachter und reale De n« ker. Da sie die Welt i nie versch iedenen A ug en ansehen, kommen sie za verschiedenen Ergc bnissen. Aber für be de' ist die Welt der Tai Sachen das Entscheidende. Die / romantischen Träume und Phantastereien ihrer Zeit-* genossen interessieren sie nicht. Wenn auch die englische Temperatu , in der beide Systeme enM standen sind, die geistige Haltung von Ricardo unef Marx mitbestimmt' I iahen mag, so kann man doch in dem Tatsachensinu einen Grundzug des jüdischen Wirtschaftsdenkens erblicken. Wie nun sieht pieses Wirtschaftsdenken in der Praxis aus? Die Jiden siod oft radikal in ihren Gedanken, aber selten radikal im Handeln. Auch das gehört zu dem Sinn für Realität, dem hervor»; ragendsten Merkma ihres Wesens. Liberalismus! und Sozialismus treffen sich hier in einem Punkt.! Beide stehen plötzlio vorderselben Entscheidung,! vor derselben Maue ‘ und vor derselben Einfahrts-| tür. Sie heißt: der i ändere. Beide, der Individualist und der Sozialist, bringen ihre Prinzipien mit: derj - Individualist den »sacro egoismo«, der Sozialist die’ wirtschaftliche Gleich lei? aller. Aber vor dem kon* David Ricardo.;. Englischer Voikswirtschaftler. Geboten 1772^ gestorben 1823. Begründer der Ereihandelslehte De* Lehrstuhl der volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität London führt seinen Namen Aus dem 4 Band des fünfbendigen jüdischen Lexikons (Jüdischer Verlag, Berlin W. 50L Nachdruck verboten. kreten Fall versagt oft das eine Prinzip ebenso wie das andere. Der jüdische Wirtschaftspakt! ter neigt dazu, ohne große prinzipielle Erwägunge 1 a»jj die Lösung des Einzelfalles heranzugehen. Wie wirde ich mit meinem Gegenüber, mit dem Anderen, fertig? Das ist der Maßstab für seine Taktik. In der Theorie ist er Logiker, in der Praxis ist er Psychologe. Es läßt sich nicht leugnen, dsß dieser Verzicht auf Prinzipiert oft zu Biegungen und Wegen - verleitet, die ein Prinzipienmen >ch nicht geht. Die realpolitische Anpassungsfähigkeit des Juden namentlich auf wirtschaftlichem Gebiet hat sicherlich nicht dazu beigetragen,. den Ruf der Juden zu heben. Der Jude »dreht und wendet sich«/ er beugt sich nicht so leicht, aber et ist biegsam. Das .verdenken ihm die Starrköpfe. Der Jude vermeidet den scharfen W rtsdiafts' kampf, den offenen Konflikt. Er sucht sich zu vergleichen, wo es nur geht, uni es gelingt-ihm häufig, weil er, dank sener Anpassungsfähigkeit, ein vorzüglicher Unterhändler ist. Die Kunst des Verhanc eins, die Kunst des Vermittelns ist infolge gen trationen », langer Uet ung geradezu eine jüdische Spezialität jeworden. Die Wirt>ch?ftsmethode des Juden ist unheroisch. Aber sie ist förderlich für alle Beteiligten. Auf den Außenstehenden macht geschickte Anpassungsfähigkeit leicht den Eindruck von Unzuverlässigkeit. Tatsächlich aber kann der Jude als.Kaufmann und als Vermittler den Ruf besonderer Zuverlässigkeit für sich in Anspruch nehmen. Es ist ja wohl kein Zufall, daß die Juden es in demjenigen Gewerbe am weitesten gebre cht haben, das die persönliche Vertrauenswürdigkeit aussetzung hat, nämlich als Bankiers. Die hervorragende Stellung, die sich einzelne Judei noch in der Ghettozeit des 17. und 18. Jahrhuiderts als Hofbankiers erworben haben, beruhte wie man irrigerweise vielfach annimmt, finanziellen Geschicklichkeit und Geschäfts tüchtigkeit. Die Fürsten nahmen sich jüdische Fin; inzagenten vor allem deshalb, weil die Juden ah korrekter und als weniger gewinnsüchtig galten, als ihre nichtjüdischen Konkurrenten. Das beste Beispiel dafür Karl Marx. Wissenschaftlicher .Hiuptbegründer des Sozialismus. Geboren 1818 in Tiier, gestorben 1881 in Londpn. Sein Hauptwerk: .Das Kapital“. — 170 — nicht nur, auf ihrer t