Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6727475-6029149-6074835--2458-4869049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

noch \mehr als heute bei uns in den Tagen ,der überfüllten Universitäten. Es vermochte nur aus« nahmsWeise das zum Leben notwendige Einkommen zu gewähren. Da trieben denn die Rabbinen eiii Handwerk, so wie später etwa Maimonides sich als j Arzt, Moses Mendelssohn als Buchhalter und Fa« j brikant derh Lebensunterhalt erwarben, Werk« J Studenten auf Lebenszeit und nicht nur für die j Dauer des Studiums.' Vielleicht gehört dieser alten, bei uns schon lange vergessenen Lebensform, dieser Vereinigung von Thorah und Erwerbsberuf, bald! wieder die Zukunft** Neben das Handwerk tritt in steigendem Maßej als Beruf der Handel Der Tajrnud zeigt uns den großen und den kleinen Kaufmann, im Bazar und auf weiten Reisen über See, den Waren» und den Geldhandel, die vorsichtigen und soliden, wie audj die riskanten und spekulativen Geschäfte jener Epoche. Sein Handelsrecht ist das dauernde Denk* mal der Auseinandersetzung zwischen Religion und Wirtschaft, der in Form des Gesetzes fixierte Ver» such, das Wirtschaftsleben nach religiösen Forj» derungen zu regeln und dem Streben des Menschen nach Gewinn im Namen des religiösen Gebotes Schranken zu setze n. Diesen fordernden religiösen Charakter zeigen vor allem die talmudischen Er» örterungen über dzs Zinsverbot Und über das Maß des dem Kaufmann erlaubten Gewinns <unaah>, beide im Traktat Baba mezia. Von einem Kaufmann aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert erzählt mit Humoi der Talmud <Pes. 113 a>: »Es sagte Rab zu sei lern Sohn: Ich habe mir Müjhe gegeben, Dich Ha achah zu lehren, aber es ist ipir nicht gelungen. K< >mm, ich will Dich jetzt den Kaiif* mannsberuf lehren. Solange noch der Staub!an Deinen Schuhen ist, verkaufe Deine Ware. A|les wird Dir leid tun, was Du verkauft hast, nur nicht Wein <weil er sauer wird). Mache Deinen Beutel zu und Deinen Sadt auf <zahle erst, wenn Du die W äre bekommen hast). Ein kleines Maß vom Bode 1 ist besser, als ein großes vom Söller.c <Nach 1er Erklärung: »Es ist besser, einen kleinen Gewinn in der Nähe zu machen, als einen großen in weiter Ferne, jenseits [des Meeres«.) Hier ersdieint also der verunglückte Student, der es in den Wissenschaften zu njehts gebracht und nun Kaufmann wird. Sein Vater, Rab, eine der großen Erscheinungen in der peschichte des wert enden Talmud, gibt ihm praktische Ratschläge für cen neuen Beruf, ebenso klug; und erfahren, wie vorsichtig. Sie werden wohl besser angeschlagen haben, wie die früheren Versuche einer Einführung in das schwierige Gebiet; der Halachah. Der Handel hat dem Kaufmant nicht die gleiche Sicherheit des Lebens gebote t» wie das Handwerk^ Der Kaufmann konnte iin Spiel des Lebens das gp-oße Los ziehen, aber ebenso gut konnte ihm Niete über Niete besdiiedon sein. Im allgemeinen ist der Blick auf das Wir schaftsleben im Talmud sorgenvoll. Unter Verzid t auf zahlreiche Belege für 'djese Behauptung wo len wir nur ein einziges Wort aus dem Talmud an’ühren, weil es eine ewig gültige Wahrheit ausspricht: »Schwer ist es, daß die Menschen alle sich enähren, wie die Spaltung des Schilfmeeres« <Pes. L 8a). Daß das Meer sich spaltete und die Stä nme Israels trockenen Fußes hindurchwandern konnten^ war ein unbegreifliches Wunder. Daß alle Menschen ihr tägliches Brot finden, ist kein geringer» Wunder, auch wenn es alltäglich ist. In eipem die talmudi<che Zeit mit Die Menschen von damals, wie die haben schwer mit ihren Sorgen zu känpfen. Ihre Ueberwindung ist nicht nur eine w rtschaftliche, sondern auch eine seelische Aufgabe ja, sie ist sogar in erster Reihe eine seelische Ai fgabe. Für sie waren allerdings die Menschen jene r alten Zeit besser ausgerüstet, als die der Gegenw irt. Wieso? Das erzählt uns der Midrasch Tan luma <zum Punkte ist der unsrige i verwandt. von heute, Abschnitt Tasria) in einer wunderbaren »Es geschah, daß ein Priester auswandern wollte. Da rief und sagte: Da die Leute und mir ihre Gebreste zeigen Dich unterweisen, damit Du die Diag kannst. Wenn Du am Haare eine: siehst, daß sein Quell vertrocknet er zu mi so ist daß dieser Mann krank ist. Denn für jedes ein zelne Haar hat der Heilige, gelobt sei besonderen Quell geschaffen, damit Ist dieser Quell versiegt, so verdorrt das Wenn jedem trinke. Haar. Da sagte zu ihm seine Frau einzelnen Haare der Heilige, gelobt s :i Er, einen besonderen Quell geschaffen hat, dam t es daraus trinke; ist es dann für Dich, der Du ein Mensch bist und von dem Deine Kinder sicli ernähren, nicht ganz gewiß, daß Gott für ' Dein tägliches Brot sorgt? Deshalb ließ sie es nicht ausser Landes ging.« Hier taucht der der zum Arzt geworden ist, aber Praxis nicht leben kann. Die Not treibt ihn zur Auswanderung, denn das alte Sprichwort sagt: »Wer seinen Ort verändert, verändert Stern.« Die Wirksamkeit des Priesters Geschichte: herun terkam und;eine Frau r kommen will ich nose stellen Menschen so wisse, Er, einen daraus es daß er ’riester auf, von seiner zu, Frau versagt, ausüben. So aber ärztliche Funktior en soll sich die Frau, Sprüchen Salomos dem Kauffahrteischiffe: gleicht und seinen wäre seiner die darf sie den m 168

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.