Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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hältnisse ab, denn, »wenn die Gerste . im Krug ausgeht, zieht der Streit im Hause ein,«-sagt die täimudische Weisheit. <B. M. 59a > Unter diesen Umständen istdie Sorge um das tägliche Brot zugleich religiöse Pflicht, nicht nur wirtschaftliche Notwendigkeit. »Die Arbeit deiner Hände, wenn du sie genießest, heil dir und wohl dir!« sagt der Psalm <128,„>. Diese Pflicht wird erfüllt im Beruf. 1 ., So alt die Menschheit ist, so alt ist auch der ßeruf. Schon in der biblischen Urgeschichte tritt er uns in überraschender Mannigfaltigkeit und Verzweigung entgegen, in Adam, dem Gärtner, Kajin, dem Bauer, Abel, dem Hirten, Jubal dem Musiker, Tubal Kain, dem Schmied, in Noah, dem Winzer, in Abraham, I$ak und Jakob, den Herdenbesitzern, in Elieser, dem Knecht, in Esau, dem Jäger, in Josef, dem Verwaltungsbeamten, in Moses, dem Propheten und Volksführer, in Aharon, dem Priester, in Bezalel, dem Künstle/ und in ungezählten anderen. Und neben allen diesen Männern steht »escherh chajil«, das Weib der Kraft, das die Sprüche Salomos <ilM1> yns vor Augen stellen. »Sie ist wie ein Kaufmannsschiff. Aus der Ferne holt sie ihr Brot.« Bei all diesem Reichtum an Berufen herrscht in der biblischen Zeit doch aber einer vor, der Bauer. Und ein hohes Maß von Glück und Sorglosigkeit war der Menschheit in jener seligen Zeit ■ gewährt, in der »ein jeder in Sicherheit saß unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum von Dan bis Beerseba.« <1- Könige, 5,&>.i Unter seinem eigenen! Denn weit ist die biblische Zeit noch von der modernen Entwicklung entfernt, die jden Arbeiter und die Produktionsmittel von einander getrennt und damit das Proletariat im heutigen Sinne des Wortes geschaffen hat. Gewiß ruhen auch auf der Wirtschaft der biblischen Zeit schwere, dunkle Schatten. Zeugen dessen und Ankläger sind für alle Zeiten die Reden der Propheten. Im ganzen aber gilt trotz allem das beglückte, zuversichtliche Wort der Sprüche Salomos <12,tl> »Wer seinen Boden bebaut, wird des Brotes satt werden, wer' aber leeren Dingen nachjagt, dem fehlt es an Verstand.« In andere Verhältnisse führt uns der Talmud. Dieses zweite große Grund werk des Judentums ist in der tragischen geschichtlichen Epoche entstanden, in der die Judenheit den Zusammenhang mit dem Boden allmählich . verliert. Noch hat sie ihn zti Beginn, vor allem in Babylon,* dem heutigen Irak, damals dem Lande der jüdischen Massensiedlung. Noch gilt das Wort des R Eleasar: »Wer keinen Boden besitzt, ist kein Mensch« <Jeb 63 a). Misch» nah und Talmud geben uns ‘ein lebendiges Bild von dieser alten Landwirtschaft, von den großen Bewässerungsanlagen in Babylon, von der so^alen Gliederung in Besitzer und Pächter/von;den Nebengewerben, der Biertraueret der Salzgewinnung, von der Rechtsform, in der der Boden von den Besitzern vergeben wurde, der »Teilpacht«. Heitere Schilderungen . bezeu/en den Fleiß der Bauern, Samuel sagte: »Wer seine Aecktfr jedep Tag auf» sucht, findet einen Sela.« Rab Assi suchte seine Aedcer jeden Tag auf und sagte: »Wösind denn alle die Selaim, von denen Samuel gesprochen hat?« Eines Tages aber sah er, wie eine Rinne, die sein Feld bewässerte, 'geborsten war. Da nahm er seinen Mantel, rollte ihn zusammen, verstopfte die Bruchstelle und rief c ie Nachbarn herbei und diese dichteten die Rinne w »Jetzt habe ich alle d eder ab. Da sagte Rab Assi: 1 e Selaim auf einmäl gefunden, von denen Samuel gesprochen hat.« <Chyl.' 105a ) Aber immer geringer wird der Anteil der Juden an der Landwirtschaft, zumal in den Ländern der Diaspora, in denen s e. von Anfang ah nicht seßhaft waren. Immer m^hr treten neben derf Bauern und an seine Stelle Handwerk, Handel und die Anfänge der freien Berufe. .... Unter diesen neu en Zweigen der Beschäftigung ist einer, der noch in hohem-Maße dem Menschen Lebenssicherheit und Freiheit von Sorgen gewährt, das Handwerk. |»Wähle das Leben, damit Du lebest, Du und Deit e Nachkommen«, ruft Mose am Abschluß seines Lebens seinem Volke »zu. <V. B M. 30,,„>. Nt ch der Deutung des jerusalemischen Talmud <^eah 1) hat der dieses Wort erfüllt, der ein Hanlwerk erlernt hat.^ Rabban Gamliel verglich den der .ein Handwerk ausübt, mit einem ummauerten Weinberg, dessenTraüben vor Dieben und dessen Rebstöcke vor weidenden Tierpn sicher sind. <Tossefta Kid. l,u>. Das deutsche Sprichwort »Handwer c hat einen goldenen Boden« findet sein täimudische s Seitenstück in der Sentenz : »Sieben Jahre währet die Hungersnot, aber an dfe Türe des Handvderkei s kam sie nicht.« <Sanh. 29a). Die antike, täimudische Berufsberatung -rät deshalb entschieden zum Hat dwerk. »Wer seinen Sohn kein Handwerk lernen läßt, lehrt ihn Sozusagen das Räuberhand^erk« sagt der Talmud <Kid. 29 a>. Denn, wenn ihm kein anderer Weg bleibt, sich zu ernähren, wird der Sc hn. später jn der einen oder anderen Form tum iiäuber werden und mit List oder Gewalt sich nehmen, was er ,mit ehrlicher Arbeit nidit verdienen kann. Daß viele der Rabbinen, der Lehrer der Mischnah und des Talmud, Handwerker gewesen sind, ist bekannt, Das Studium war in iJiren Tagen weit verbreitet, wohl 167 —' r