Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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greifen wir den »Deutschen« als Volksgenossen oder als Staatsbürger? Innerhalb unseres Bundes sind ohne Zweifel beide Anschauungen vertreten, um so gebieterischer erhebt sich die Forderung nach der Erziehung zur Gemeinschaft — die Auseinandersetzung zwischen den Richtungen im Kampf der Geister mag an anderer Stelle erfolgen, aber ein Kennenlemen, ein Erörtern dieser brennenden aktuellen Fragen ist auch innerhalb unserer Logen« arbeit nicht nur möglich — das haben manche geglückte Versuche z. B. in den frankfurter Logen bewiesen — sondern muß verlangt werden, wenn wir nicht nur nebeneinander hergehen, sondern miteinander leben und schaffen, miteinander fühlen, denken und handeln wollen. Die Gemeinschaft muß von innen heraus, vom Wesen des Judentums her eine Neubelebung erfahren, es muß zum Gemeingut und Gemeingeist Werden, was ein Franz Rosenzweig erschaut und erstrebt, daß innerhalb des Judentums wahre Bildung |allemal Ausdruck eines Religiösen werde, daß hier I— wie in der modernen Persönlichkeitsphilosophie J— die Einheit und Ganzheit des Menschen das höchste Ziel alles Strebens ist. Dann kann unsere ^tellung innerhalb unseres deutschen Volkes, mit dessjen Geschicken wir seit Jahrhunderten verknüpft, aus) dessen Gesamtkultur wir hervorgegangen sind, ja art dessen -Kultur auf allen Gebieten des Geistes und der Wirtschaft wir selber schöpferisch mitgearbeitet haben, keinen Schwierigkeiten begegnen. Wir haben - allen Grund, uns ünserm Volke verbunden zu fühlen und — unseren Ordensgrundsätzen gemäß — in echter Vaterlandsliebe unsere Kraft dem Wohle des Staates zu widmen. Die Erziehung zum r Staat ist gerade heute auch für uns eine* heilige Pflicht, eine unabweisbare,, gebieterische Not-; wendigkeit. Vor einer schädlichen! Uebersteigerung des Nationalen bleibet} wir bewahrt nicht nur durch unsere Organisator}, die ja auch In andern Ländern gleichen Zielen nachstrebt, sondern durch 'UnsereJ Grundanschauung vom, Wesen jde$ Menschen als einem Ebenbilde, der Gottheit. Lieber alle Trennungsschranken von Stand und Beruf, von , Nation und Religion hinweg i sei en wir das Ewige, das Göttliche in jedem Menschen. Darum geht unsere Arbeit über die Gtenzen der^Religions» . gemeinschaft und der Natioh hinaus und jst im letzten Grunde def Menschheit geweiht. So verbindet sich Individuum und Gemeinschaft Tn unserm Orden. Die Forderungen, die [er ah uns. stellt, sind an uns als Juden, als Deutsche, als Menschen zugleich gerichtet, eines schließt das . andere nicht - aus, sondern jedes verbindet, sim mit dem andern zu einer Ganzheit, zur einheitlichen Persönlichkeit i i An jeden Menschen ist n|it gleicher ■ Stärke das uns so wofd vertraute Wort c er Bibel gerichtet. »Werde vollkommen«! Werda ein-Ganzer, eine Persönlichkeit! Wi£ aber die'Gesamtheit nicht .der Persönlichkeit entr^ten kann,> < o bedarf auch die stärkste Persönlichkeit der Gesamtheit, für die sie wirkt, in der sie sich selbst erst verwirklicht. Denn nicht das Wissen entscheidet, sondern die Leistung! Und diese ist umso größer, je mehr sie erfüllt ist von dem Geiste der freudigen Opferbereitschaft, denn »Werkfreudijfkeit der Seele« führt auch zur »Durdiseelung des Werkes« imd damit zü einer Synthese dejs Ra'tidnalen* und Irrationalen. Diese Synthese aber Jst die Aufgabe unserer Zeit und darum auch die Aufgabe unseres Ordens. | Phantasie und Künstgeschmack. Von Anselm Bing. , Die Phantasie ist die Fähigkeit der Seele, aus vorhandenen Vorstellungselemejnten neue Vorstellungsgebilde zu schaffen. Die Fantasie hat mit: dem Vorstellungsvermögen das gemeinsam, daß sie ihre Bilder von innen heraus entwirft, während die Vorstellungsbilder nur wirklich Wahrgenommenes vergegenwärtigen, schafft die Phantasie das zu einem Bild, was noch jnie erlebt und geschaut wurde. Wenn wir irgend ein Phantasiege-k bilde äuf seine Elemente hin untersuchen,; so entdecken wir zwar lauter alte Bekannt?/ und damit kommen wir zum Wesentlichen, es ist‘.die kortibinierende Geistestätigkeit, die qie Phantasiekraft am stärksten voii allen anderen Gejstesfunktienen unterscheidet. Die Phantasietätigkeit [ist gebunden in Bezug auf ihr Material, i frei in der i Form ihrer^Komposition. Je nachdem [die Phantast Etätigkeit vom Willen beeinflußt scheint Oder nicht;, l at Wundt sie in aktive und passive Phantasie trennen wollen. Diese Unterscheidung ist!aber insofern irreleitend, als jedes 151