Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Organisation zu bessern, demokratischer zu ge« stalten wäre — haben doch selbst die Mönchsorden durch »Laienbrüder« die stärkste Förderung erfahren. So könnten auch wir solchen wertvollen, bedeutendepkMenschen W irkungsmöglichkeiten schaffen; um umserm Ordensleben neue, starke Impulse zu geben. Was tut unser Orden, um »Persönlichkeiten« zu gewinnen, heranzuziehen oder in seinen eigenen Reihen zu erzeugen?. Was meinen wir mit Persönlichkeit? Wenn ein Mensch sein individuelles Wesen nach eigenem Willen selbst gestaltet, wenn diese »selbstgewollte Selbstgestaltung« sich in der eigenartigen Geschlossenheit des seelischen Wesend, in der gleichmäßigen und selbständigen Stellungnahme zur Umwelt, in Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung, zugleich in unwandelbarer Selbsttreue kundgibt, dann sprechen wir von einer Persönlichkeit, und wenn sie von Natur ethisch so rein und stafk ist, daß aus ihrer Individualität die Gesetze und Formen guten Handelns quellen und das Leben gestalten, so erscheint die autonome, sittlich freie Persönlichkeit. Sie ist der eigentliche Träger der unbedingt geltenden Werte, der Wahrheit, der Schönheit, des Rechts, der Liebe, der Sittlichkeit, sie ist »eine Kraft neben anderen Kräften des Weltalls«. Aber bewußt und zielstrebig! Darum ihr Drang zu schöpferischer Tat! Ihre innere Geschlossenheit, ihre seelische Einheit ist Voraussetzung für den Erfolg ihres Wirkens. Innerlich zerrissene Menschen, Vielgeschäftige, in tausend Dingen Sjidi Zersplitternde sind keine Persönlichkeiten! Wohl können viele Interessen, mannigfache Werte die Seele erfüllen und bewegen, können das Dasein und das Schaffen befruchten — aber sie müssen alle einer gemeinsamen Idee sich einfügen, zu einer großen Einheit streben — dann erst entsteht die reiche und geschlossene Persönlichkeit. * Hier enthüllt sich die besondere Schwierigkeit der Aufgabe für unsern Orden. Die Einheit des jüdischen deutschen Menschen hat er zu fördern, die in unserer Zeit so häufig verkündete »Zerrissenheit der jüdischen Seele« hat er zu heilen. Wäre das Jude-sein, das Deutsch-sein, das Menschsein wirklich unvereinbar oder wäre auch „ nur Widerstreit zwischen den' drei Existenzen — so gäb' es unter uns keine Persönlichkeit! Wir wissen, daß dem nicht so ist! Wissen, daß wahrhaft große Persönlichkeiten aus dem Judentum hervorgegangen, in denen die Dreiheit zur Einheit zusammengeschmolzen war, wie Gabriel Riesser, Sigismund Stern, Hermann Cohen, Max Liebermann,-wissen, > daß wir auch in unserem Orden solche Persönlichkeiten besessen haben und nodi besitzen. Aber wir (taben allen Grund, unser Augenmerk auf dies Problem zu lenken und* gegenüber der Propagierung der »Zerrissenheit der jüdischen Seele« die Einheit unseres Seins, unseres Fühlens, Denkens, Handelns zu künden und damit die Erziehung zur Persönlichkeit zu fördern." Aber wie? Welche Mittel stehen der Loge für solche Erziehungsarbeit zu Gebote?* Die Belehrung, die Bildung, die sie vem ittelt, konzentriert sich zumeist in Vorträgert, in Vorträgen aus den mannigfachsten Gebieten der Wissenschaft, der Geschichte, der Philosophie, der K unst, des Judentums, und wenn auch oft die Beziehung zu Loge und Logengedanken in den Vordeigründ gestellt wird, so ist der bildende, erziehe ische Wert dieser Vorträge nicht allzu hoch anz jschlagen. Denn Bildung ist nicht gleichbedeutend riit Wissen. Man mag zu Zeiten wohl geglaubt I aben, daß in der Aneignung von Wissensstoff die eigentliche ,Menschenbildung bestehe. / fa" Aber der Bildungsbegriff hat im Laufe der Zeiten eine Wandlung erfahren. Daß Wissen schon Bildung sei, wird heute niemand, mehr behaupten wollen, dem es ernst ist mit der Lösung kulturpolitischer Aufgaben. Verlangt' doch schon Pestalozzi »allgemeine Emporbilaung aller innern Kräfte der Menschennatur zu deiner Menschenweisheit«, und alle Pädagogen, Philosophen, Kulturpolitiker unserer Zeit bekämpfen den alten Bildungsbegriff, nach dem Anhäufung* eines enzyklopädischen Wissens allein genügen sollte, utn Menschen fürs Leben zu rüsten/ sie ringen utfi so stärker nach einer neuen Auffassung und Formung, als heute — mehr denn je — die Grundlagen alles Wissens und damit unserer geistigen Existenz erschüttert sind. Alles ist schwankend geworden. Die Unzulänglichkeit des menschlichen Geistes gegenüber dem Uebermaß alles Geschehens]und den tausendfältigen Problemen des Lebens wird offertbar und wird mit tiefer Erschütterung empfunden. SoH diese Erkenntnis nicht zur Lähmung, zurm Fatalismus führen, so muß an Stelle ejes alten Bildungs* prinzips ein neues treten. . Es objektive Werte e(npfä und die Kräfte zu befähiget!, sc schaffen. Aktivierung darum die bedeutsamste Forderung, die an den heutigen Menschen gestellt werdein muß. In diesem Sinne deutet E d U a r d Spräjiger Bildung als »die lebendig wachsende Aufnahme aller objektiven Werte, die zu der Anlage j una dem Lebenskreis ' I 1 . 1 ' hlt, die Seele für Jglich zu machen Iche Werte zu der K r ä f t e ist 149 —