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Der Orden Bne Briss · 1930-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 9 - September
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Erziehungsproblenfie in unserm Orden. Voh Dr. A. Gal 1 tuer, Frankfurt a. Main. An der Spitze aller Loj;enaufgaben steht die erzieherische Aufgabe, und das mit vollem Recht! Sie muß einet jeden andern voraufgehen, nicht nur zeitlich, Sondern auch in der Bewertung — die Tat, ohne i lie wir nicht existieren können, wird, muß mit natü -lieber Selbstverständlichkeit aus der erzieherisd len Leistung folgen. Deshalb will der Orden seine Mitgliedei- — und nicht nur diese — geistig und sittlich entwickeln und heben, will ihnen »die reinsten Grundsätze der Menschenliebe, der Ehr« und der Vaterlandsliebe einprägen«, um aus diesem so‘befruchteten Boden all die Werke, Förderung von Kunst und Wissenschaft, Linderung dir Not bei Armen, Dürftigen und Kranken,' h ilfe und Beistand für Verfolgte, Witwen und Wa sen, immer von neuem quellen zu lassen. Auf zwiefache Weise leistet der Orden seine Erziehungsarbeit, einmal durch seine "Existenz, seine Org; inisation, sein Wesen, zum andern aber auch durd seine besondere Stellungnahme zu den Bildung:;- und Erziehungsproblemen der Zeit. Die Erziehung durch die Loge selbst hat man immer sehr ernst genommen. Br. Kuznitzky hat in der Festschrift zum 20 jährigen Bestehen des Ordens treffende Worte über die gegenseitig fördernde und bildende Beeinflussung der Menschen des Ordens gefunden. - Wenn schon jede Gemeinschaft durch ihre Existenz ihre Mitglieder erzieherisch beeinflußt, so muß dies in tieferem Sinne da geschehen, wo ein engerer Kreis zu gemeinsamer Arbeit, zu gleichen Aufgaben aus freiem Willen sich schließt, wo Menschen »Brüder« sein wellen und sich bestimmten Formen, denen die Kraft von Symbolen innewohnt, anbequemen/ wo eine Organisation besteht, die man schon Organismus nennen könnte, da muß ein Jeder des Anderen Lehrer und Schüler zugleich sein. Wer sich dem iebendi jen Organismus unseres Ordens — nicht der äußeren Organisation nur, sondern seiner Wesenheit — einfügt, tut dies mit der Ganzheit seiner Person, tut es als Jude, als Deutscher, als Mensch, denn diese drei 'Sphären gehören zum Wirkungsberei h des Ordens Bne Briss, sind sein eigenstes Gebiet, sie bestimmen seinen . besonderen Charakter und seine besondere Erziehungsaufgabe/ und innerhalb jeder dieser drei Sphären wirkt er wiederum nach drei Richtungen: sozial, ethisch, kulturell, in der all dies zugleich Unsere Devise stellt das sozia le Moment in Wir haben keine Formel, Ausdruck käme. zum den Vordergrund: alle drei Worte find im wesentlichen sozialen Inhalts, gewiß*. « Sinne, und doch für die Gesamt* Ordensidee als zu enj; empfunden, eben darum im ner von neuem diskutiert und gedeutet, um der alten Form neuen Inhalt (zu geben. .1' . : Ipi Zentrum der Devise steht die Bruderliebe, der Zenfralbegriff der Ordensidee. Nicht nur durch Blut und Schicksal — gemäß dem »Kol jissroel achehem«—sondern darüber hfcausdurch freien Entschluß haben sich hier Menschen zur »Bruderschaft« zusammengeschlossen. AJ>er läßt eine »Bruderschaft« die Möglichkeit zu individueller Entfaltung? Hebt sie nicht durch die Macht der Organisation, durch die Strenge des Rituals, durch den Zwang der geschlossenen Gemeinschaft jede Individualität auf? Hier schon muß soll nicht ein schwerer Konflikt, der Konflikt zwischen Individualismus und Kollektivismus sich erfieben — die Erziehungsarbeit der Loge, einsetzen. Hier gilt es, eine Entscheidung oder einen — Ausgleich herbeizuführen. - Wären wir ein Orden im Sinne der alten Mönchsorden, so verlangte die Bruderschaft allerdings völlige Aufgabe unseres Eigenlebens, völlige Hingabe unseres ganzen Seins, der Kollektivismus müßfe zum Kommunismus führen. Gewiß verlangt auchj unser Orden die Hingabe an eine große Idee, verlangt, daß diese Idee erzieherisch auf uns wirkt und; unser Leben gestaltet, aber das »wie« überläßt I er jedem Einzelnen, es bleibt jeder frei in seinem privaten und beruflichen Leben. Die Ordensidee darf keine Fessel sein, sie muß vielmehr unsqr erdgebundenes Dasein befreien. Nur in dler Freiheit entfaket sich die Individualität, und ohne Individualität keine Persönlichkeit! i Und unser Orden braucht vor allem Person» 1 i c h k e i t e n. Die Krisis einer Loge ist zumeist eine' Führerkrise. ‘Es ist ein Mangel an Führernaturen, an gewinnenden, hinreißenden Menschen, an ijaszinierenden, »bezaubernden«: Persönlichkeiten. Ein'Orden, auch wenn er kein Geheimorden ist — j^, gerade weil er kein Geheimprden ist —, bedarf soldjer »Urkraft«, bedarf der zwingenden Gewalt geistiger, übersinnlicher Kräfte. Nur dann wird er die anziehende, werbende Macht besitzen, die für sein j Fortexistenz notwendig ist. So manche solcher Natluren stehen draußen, bleiben fern, sie scheuer» die Enge der geschlossenen Gemeinschaft. Es gilt, aud) sie zu gewinnen, gilt zu erwogen, ob unsere 148

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