Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6727475-6029149-6074831--2419-4869012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ludwig Haas dahingeschieden. Im Alter von 55 ahren ist unse r verehrter und lieber Bruder Li dw'ig Haan dahingeschieden. Innerhalb der vielseitigen öffentlichen Aufgaben, die ihm als Politiker gestellt waren, hat er sich, soweit seine Zeit e > ihm irgendwie gestattete, dem Ordensgedanken min seiner Person und seinem Rate zur Verfügung gestellt. Er gehörje eine Zeit lang unserem Generalkonjitee an. Wenn wir seiner mund Frankel, der bei dem bayrii großep Erfahrung auf durften, — niemals hat letzten Jahren des Kriege düng der Darlehnskasse öffentlichem Gebiete be- |r sjch uns versa jr. In den hat er bei de r Begrünin Warschau soziale Be- . präsidenteil Grafen Her tlittr in stand, wies diesen darauf hin, welche Bedeutung der Regelung der Rechtsverh iltnis. e der jüdischen, lUvötkcrung Polens auch vom Standpunkt' der deutschen Verwaltung aus ieizun 'essen sei, und daß die deutsche Orthodox. Vermittlerin sei, Pie bay diese Anregung water, sie fand' i ei dem General- 'ohi, fallendste Aitfgouverneur v. Beseler die nähme. Räch kurzer Zeit Br, 17kdnkel mit vier anderen Herren, unter ivelchhi an'h ich in ich Betätigung mit tiefstem sozialen Verständnis verbunden, fand, in Warschau, Br. Fxj Reichstagsabgeordneter in jungen zeitweise Minister in seiner badischen Heimat, im Kriege Offizier, ausgezeidinet mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse, Anwalt und Verfechter des Rechtes auf allen ihm zugänglicher Gebieten, — so spielte sich sein Leben ab. In der Politik vertrat er, auch den jüdischen Gedanken seiner Lebensanschauung gemäß. Wenn man von der Politik sagt, daß sie den Charakter verderbe, — Ludwig Haas trug seinen Charakter in die Politik. Minis er haben am Grabe ihn einen greßen Patrioten genannt. Auch in unserem Kreise wird der Bruder in ihm unvergessen bleiben. A. Gdt. a ’ , w Nachdenkliches zur Erinnerulig an Ludwig Haas. Br Justizrat Max lpeuditwanger, Präsident der München-Loge, schreibt uns: Fs war nach der Einnahme von I!arschau im Jahre ttftßr Unser- Verstorbener l\r. Sigisahren — Leiter der Abteilung für jud, beim Generalgouvernement, vielfach dienstlich mit ' ihm sich von se.bst, dag wir Pi, •ustes in persönliche Beziei selbst hatte ihm Grüße tines des zu bestellen. Pies und kollegiale Interessen beachte und so haben wir uianche Stunde in angeregtem Gespräch beieinander gesessen einmal: 11 isseu Sie, wenn cheu Ministerhohem Ansehen hier die geeignete ischt\ Regierung gab r. Haas ti •ar damals sche\Angelegcnheiten hatten deshalb zu iuti, und es gab men außerhalb des ’eueigen träten. Ich gerne ins amen Freunögeiibfuderliche und uns einander näher, .Da sagte er mir h hier diese armen Juden mit, den Pejes -und nn Schubbez sehe, da zieht es mir oft das Ht rz zu. 'ammen. Jch denke mir, der l rahne von dem dort war vielleicht der nächste Nachbar von meinet, Ahnen. . Per eine konnte sich in der Heimat halten, der andere wurde von seiner Schofle : e •'trieben. Wäre es umgekehrt zugegangen, so würde \ich 'mit. Pejes und Schubbez'. in Warschau h?rumlaufen, und er. wäre Rechtsanwalt in harlsri, he. - Briefe an den O.B.B. Betr. „Erziehungsb^ratungsstelle“. Auf Ewald Böhms Anregung, eine Stelle zi schaffen, wo Eltern und Lehrer mehr Einsicht gewinnen können in die Zusammenhänge zwischen Erziehung und Neurosen, möchte ich folgendes erwidern: Die Erkenntnis, d^ß vorbeugende Fürsorge in unserem Zeitalter zunehmender Nervosität besonders auf erzieherischem Gebiete gerade bei uns Juden wichtig ist, hat die Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt i. M. veranlaßt, eine jüdische Erziehungsbfratungsstelle zi gründen. Durch das verständnisvolle Entgegenkommen der Gemeinde und der Verwaltung des jüdischen Jugendheimes konnte die Beratungsstelle schon am 6- Mai dieses Jahres in den Räumen des jüdischen Jugendheimes Eschergheimer Landstraße 65 eröffnet werden. . Wie notwendig eine solche Institution ‘ist, zeigt die ziemlich starke Inanspruchnahme den Beratungsstelle, die in der Zeit ihres kaum zweimonatigen Bestehens bereits eine große Anzahl Fälle zu behandeln halte. Die Sprechstunden linden vorläufig jeden Dienstag von #/j—6 Uhr nachm, statt. Sie werden von psychologisch und medizinisch geschulten Beratern geleitet, die auf diesem Gebieteschon einige Jahre, praktisch und theoretisch gearbeitet haben. Außerdem sind bei den Beratungen meist Pädagogen aus der Vereinigung Israelitischer Lehrer und Lehrerinnen,: »gegen, auf deren Veranlassung die Eltern, mit ihren Kindern die Beratungsstelle aufsuchen. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, daß jeder Fall durchaus diskret, auf Wunsch auch ganz ohne Zeugen, behandelt wird. In manefen Fällen genügt eine einzige Aussprache, um das Verhältnis zwischen Kind und Eltern zu bessern. Durch die größere Distanz des Beraters - 131