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Der Orden Bne Briss · 1930-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1930-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Alfons Petzolp „Fragmente einer Von Br. Prof. Dr. Lude Man hat den vor Dichter Alfons Pet2o|d wohl dichtem gerechnet, insofern auf Petzold z arbeitenden Kreisen dis Volkes großen g Marx, hatte er allerdings nich ipi Gegenteil: Später sinnung hat er seine trlbe Verj angenheit, all das Ringen mit der Brutali ät des Alltags künstlerisch festgehalrtn ünd gewissermaßen mächtnis Lebenswerk, das einige und sehr aufgebaut schichten, Uns das Lied dec viele lyrische aus denen er interessiert hier sein \ Konfession“. Bruchsal. sieben Jahren verstorbenen tu den Arbeiter» Diese Bezeichnung trifft nur j, als er pus den untersten, stammt. Er gehört aber nicht zu de n dichten ien Arbeitern unserer Zeit, die auch nach de ■ Gewißheit ihrer dichterischen Bestimmung noch an der Werkbank stehen. Petzold hat später, durch Krankheit gezwungen, ganz seinem geistigen Beruf gelebt, der für ihn wahrhaft eine imere Berufung war. Damit vergessen, woher er kam, der ruhigen Selbstbeauf dem Dusein de* untersten Volksais heiliges Ver- Armen gesungen. Sein Romane und Erzählungen Gedichte umfaßt, ist ganz aufgestie gen ist. erhältnis zu Juden und Judentum. Der junge Petz Md war zuerst ein Anhänger Carl Luegers, des Fülrers der Christlich- Sozialen, gewesen. »hh glaub e«, so bekennt er später, »ir meiner jugendlichen Jnschuld und Verblendung ind in vollständiger Unkenntnis sozialer wie politischer . Tatsache n im Antisemitismus die Heilslehre fpr uns Arme: zu erblicken« Bald erkennt er die Unhaltbarkcit diese* »Heilslehre« und findet im Sozialismus di tjemge politische Richtung, die seiner Weltanschauung ennprad). Von entscheidenden Einfluß für diese Wandlung ist ein junger Freund, namens Artur Kellermanm ein Jude, gewesen. Petzold schreibt darüber folgendes: ' »Seine Eltern, eingewandelte polnische Juden, waren meirer oberflächlid en Me.nung nardi ziemlich wohlhaben ie Leute. Der Vater betrieb auf einer Hauptstraße ein Friseurg tschäft, das gut ging . . . Artur Keil trmann, so hi :ß mei 1 neuer Bekannter, der bald ein treuer Freund werden sollte, hatte noch zwei jüngere Brüc er, dsrbknochige, ernste Burschen, die gleich ihnn Metallarbeiter waren. Diese arbeitsame Judenfainilie zzrstörte in mir den Glauben, die Juden scheuten die körperliche Schwerarbeit und : eien nur für den Ht ndel geeignet, wofür Artur ind seine Ai gehör gen nicht die geringste Bega bung zeigten. Uetx trhaupt konnte sich mein Antisemitismus auf die IDauer im Verkehr mit dieser Jiidenfamilie nicit behaupten. Die Leute plagten sich von früh bis spät so wie ich un^J meine Mutter, ihre Arbeit, besonders die dejr Brüder, war nicht leichter als die meine/ nie hörte ich sie über ihre Nebenmenschen I schimpfen, im Gegenteil, ich wußte, daß «ie ein Bettler von ihnen zurüdegewiesen wurde/ selbst in ihrem Aeußern hatten sie wenig typisch die vielberüchtigte Mundschlauheit ve Jüdisches, und ermißte ich ganz an ihnen. Warum hätte ich sie meiden sollen? Ich kann die Menschen zählen, die mich 'in meinem Leben so freundlich behandelt hpben, wie diese uden all die Jahre hindurch«. Man spricht gerade in judengegnerischen Kreisen o gern vom jüdischen Einfluß im schlechten Sinne O^enn wir uns einmal fragen, we Quellen für Petzolds Freundschaft {ellermann und sein Urteil über ewesen sind, so werden wir fes: stellen können: v )ie Selbstverständlichkeit eines still en, arbeitsamen ].ebens, das ruhige zurückhaltende bestimmte Wesen dieser jüdischen Petzold so tief berührt, daß er in Vorbilder, gelebte Beispiele jener slchauung zu finden glaubte. Wäre beiter, der ihn zum ersten Mal ir sozialistischen Gedanken eingeführt hat, nur ein Mundheld gewesen und nicht ein t efer, innerlicher Mensch, dem es um seine Ideen ernst war, so I jsem Zwiespalt wäre Perzotd wahrscheinlich voiji di bgestoßen worden. Die Einheit von Denken und Leben, die Einheit von Reden und dies die letzten mit dem Juden dessen Familie und doch klar» Menschen hat ihnen lebendige neuen Weltander junge Arden Kreis der Handeln ist es, d e den Menschen zum Charakter prägt, sie ist es, de dem echten, ‘nicht verfälschten jüdischen Geist entspricht. Mit besonderer Vorliebe stellen die Judengegner das Vorlaute, das Negative, das Zersetzende als das Wesen der Juden hin,. Nein, gerade die Stillen, die Ehrfürchtigen unter uns sind es, die die Seele des Judentums weitertragen, jenes Judentums, das in der Bibel und den Psalmen seinen unvergänglichen Niederschlag gefunden Kat. Und wir sehen an dem Beispiel Petzo d-Kellermann wieder, daß es durchaus niht immer der Worte bedarf, um zu wirken, sonc e de5 Seins. Jene einfachen, bescheide n von Petzold mit so wohltuender sd ildert werden, haben sich sicherlid i nicht träumen lassen. daß sie durch ihr Wesen mit dazu beige» trageir haben, einen Dichter vom endgültig zu heilen. Und da jenes Bekenntnis Pefzolds sich in einem seiner besten Romane beern mehr noch nen Juden, die Wahrheit ge- 103 - i

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