Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1930-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6727475-6029149-6074828--2370-4868965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aus Posen und Westpreußen ist eines der geschichtlichen Ereignisse unserer \ -eit. Wurden diese Menschen damit der deutsd en Judenheit auch erhalten, so waren ihre Gemeinden doch verloren. Die weitaus meisten hat zuc em die Großstadt aufgenommen, sie bot die mannigfaltigeren Wohnungs¬ und Erwerbsmöglichkeiten.'j Eine noch größere Gemeinde war nun da, aber kein Ersatz, weder dem Einzelnen noch der Gesamtheit, für die vielen kleineren Gemeinden.! ' , * ‘ Auf den R ü c k g a n g d e r Geburtenziffer, eine Folge der fortschreitenden Verstadtlichung, der schon vor dem Kriege die Sorge geweckt hatte, und die die Kriegs» und Nachkriegszeit hatte anwachsen lassen, hat diese Umschichtung dann weiter hingewirkt. Hin betrübendes Ergebnis weist die ^Volkszählung von 1925 auf. Die Zahl der Juden im Deutschen | Reiche beträgt danach 564 379, neun Tausendstel Ider Gesamtbevölkerung. Dies besagt für das dem Reiche gebliebene Gebiet zwar eine Zunahme ron 29 257 Seelen seit dem Jahre 1910, aber sie ist so gering, daß sie, bevölkerungspolitisch, eine Abnahme bezeichnet. Sie wird zu<|em noch durch di: Tatsache eingeschränkt, daß im Jahrzehnt zuvor ein, allerdings meist überschätzter, Zuzug aus Osteuropa erfolgt war.. Während des Krieges waren ostjüdische Arbeiter nach Deutschland gebracht worden, um leer gewordene Plätze auszufüllei,- die Wirren und Nöte der folgenden Zeit hatten dann andere noch, Menschen aller Berufe, rach dem alten Nachbarlande, mit dem sprachliche geistige und wirtschaftliche Beziehungen verbar den, geführt. Für die meisten ist Deutschland injr ein Durchgangsgebiet für wenige Jahre geworden. Einen Ausgleich des Verlustes haben sie nicht geben können. *-«.*' Zu all dieser Einbule ‘im Lande kam die an Weltgeltung. Seit dem zehnten Jahrhunderts, im Judentum, zteit letzten Drittel des aditdi »sem Beginn der neuen warejn in ihm die deutschen Juden, zumal wenn dieies Wort im Sinne des großen deutschen Sprach; {ef>ietes genommen wird, die führenden geworden, giösen Gedanken waren Die bestimmenden reli» von ihnen ausgegangen, ihre Theologie und Philosophie hatte den Weg zu den Juden aller Länder genommen, im sozialen und kulturellen Wirken für die Gesamtheit standen sie vornan. Die geistige Geschichte der Juden im neunzehnten JaJirhundert ist ganzwesentli :h eineGeschichte der deutschen Juden. Auch der deutschen Sprache war damit ein weitreichender Einfluß geoft einen Wohleigentlichen Träger währt, sie war die Sprache der Wissenschaft vom . Judentum geworden. In der Judenheit der alten und neuen Welt bedeuteten aie deutschen Juden weit mehr, als es ihrer Zahl entsprach. Die Niederlage Deutschlands hat vieles von dieser Geltung zunächst in Frage gestellt, au^ die Führung so manchen gemeinsamen Werkes mußte vorerst verzichtet werden. Der allgemein^ Verlust Deutschlands in seiner Stellung in der IWelt war so noch ein ganz besonderer Verlust, aen die deutschen Juden erlitten. I # * 1 Verschärft hat alles dieses!der Rückgang **und Niedergang der Vermögen, wie ihn die Jahre des Währungsverfalls dann brachten. In den jüdischen Gemeinden, in denen einerseits der alte feste Besitz, andererseits die Besitzlosigkeit selten war, hat er die breiten Schichten getroffen. Diese-, in denen herkömmlicher Fleiß, ererbte Sparsamkeit und reger Familiensinn | stand geschaffen hatten, waren die!der vielfältigen Leistung, die das Gemeindeleben ausmachte. Durch die Entwertung des Geldes, welche diese Kreise besonders heimsuchte, ist damit die Gemeinde in ihrem Können überall schwer beeinträchtigt worden/ viele, we che in der Fürsorge und im Wohltun immer cie Gebenden ge- 1 wesen waren, mußten jetzt Empfangende sein. Im Gefolge dieser Verarmung, die in ihrem Umfange den Außenstehenden wenig bekannt ist, trat bisweilen eine Verelendung ein. Eire Tatsache spricht hier deutlich. Während die jüd sehe ^Wanderfür» sorge sich vor dem Kriege fast a jsschließlich Ausländern zuwenden mußte, waren in diesen anderen Jahren unter denen, deren sie »ich anzunehmen , hatte, zu einem Drittel Personen deutscher Staatsangehörigkeit. Von den Gemeinden konnte ihre Aufgabe so bisweilen kaum erfüllt werden/ manche unter ihnen waren nicht einmal mehr in der Lage, einen Beamten angemessen zu besolden. Aber die Not zog ihren Kreis noch darüber finaus. Es war alte jüdische Auffassung, daß das Wohltun jedem einzelnen als Pflicht obliege, und di iß der Bedürftige einen religiösen Anspruch auf Hilft: habe. Infolgedessen erstreckten sich hier die fi eie Wohlfahrtspflege und die geordnete Liebestätigkeit recht weit, und eine stete Opferwilligkeit diente: ihnen. Neben ihnen stand als Angelegenheit der Gesamtheit dann auch die Fürsorge für d e theologischen Bildungsanstalten, für die Pflegestätjten der Wissenschaft des Judentums/ sie waren ein besonderer Stolz der deutschen Judenheit urd stellten einen Teil ihrer Weltgeltung dar. Audi sie, welche 86 I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.