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Der Orden Bne Briss · 1930-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 4 - April
Date
1930-04-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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die Macht der Liebe. Die Kultur tendi schränkung de« menschlichen Liebeslebens. bestrebungen sei, die Mensdien zu groll sammenzuballen. Sie folge dem Zwange aber zur Ein- Eine ihrer Haupt' n Einheiten zuder ökonomischen Notwendigkeit, wenn «ie der Sexualität eilten großen Betrag der psychischen Energie entziehe, die siel selbst verbrauche. , Im größten Ausmaße biete die Kultur zielgehemmte Libido auf, um die Cemeinschaftsbande dcjrch Freundschaftsbeziehungen zu kräftigen. Zur Erfüllung dieser Absichten «erde die Einschränkung des Sexuallebens] unvermeidlich. Der Mensch sei nicht ein sanftes, liebebedürftiges Wesen, das sich, wenn angegriffen, auch zu verteidigen vermögt, sondern zu seinen Triebbegabungen gehötle auch ein starker Aggressionstrieb. Infolgedessen sei ihm det Nächste nicht nur möglicher Helfer und Scxualobjekt, sondern auch eine Versuchung, seine Aggression an ihm zu befriedigen, seine Arbeitskraft ohne Entschädigung auszunQtzen, ityt ohne seine Einwilligung sexuell zu gebrauchen, sich in Iden Besitz seiner Habe zu setzen, ihn zu demütigen, ihm schmerzen zu bereiten, zu martern und zu tötet;. Die Kultur müsse alles aufbieten, um dem Aggressionstrieb der K ensehen Schranken zu setzen, seine Aeußerungen duidi psychische Reaktionsbildungen niederzuhalten. Diesem Zweck: diene das Gebot der Nächstenliebe oder gar der Feindeslie >e. Mit der Aufhebung des Privateigentums entziehe ma i der menschlichen Aggressionslust eines ihter Werkzeuge,;ewiß ein starkes, aber gewiß nicht das stärkste. Der Aggr tssionstrieb sei der Abkömmling 4jnd Hauptvertreter des Tex estriebes, der sich mit dem Eros in die Weltherrschaft t< ile. Die Kulturentwicklung zeige uns den Kampf zwischen Eros und Tod, Lebenstrieb und Destruktionstrieb, wie er sich an der Menschenart vollziehe. Dieser Kampf sei der wesentliche Inhalt des Lebens überhaupt, und dann i sei die Kulturentwicklung kurzweg zu bezeichnen als der Lebenskampf der Menschenart. Und diesen Streit der Gigai iten wollten unsere Kinderfrauen beschwichtigen mit dem »Eiap< ipeia vom Himmel«! . Um die Aggressionslust unschädlich zu machen, werde sie von der Kultur introjiziert, verinnerlicht, gegen das eigene Ich gewendet. Dort werde sie von einem Anteil des Iths übernommen, das sich als Ueber-Ich dem übrigen entgegenstelle und nun als »Gewissen« gegen das Ich dieselbe strenge Aggressionsbereitschaft ausübe, die das I h gern an anderen fremden Individuen befriedigt hätte. D r <uns von außen auferlegte) Triebverzicht schaffe das G wissen, das dann weiteren Triebverzieht fordere. Das Si huldgefühl sei der Ausdruck des Ambivalenzkonflikts, des ewigen Kampfes zwischen dem Eros und dem Destruktioi oder Todestrieb. In der Familie äußere er sich im Oedipu komplex. Mit dem Entwicklungsgang der Kultur von der Fai nilie zur Menschheit sei die Steigerung des Schuldgefühls bis zu Höhen, die der einzelne schwer erträglich finde, unablösl ar verbunden. Der Preis für den Kulturfortschritt werde in der Glückseinbuße durch die Erhöhung des Schuldgefühls Bezahlt. Die Quelle des Schuldgefühls sei im Verzicht auf dii aggressiven Triebe zu sehen. Die Analogie zwischen dem Kuljurprozeß und dem Entwicklungsgang des Individuums lasse Isidt um ein bedeutsames Stück erweitern. Man dürfe narr lieh behaupten, daß i auch die Gemeinschaft unter dem Eind ude großer Führerpersönlichkeiten *gin Ueber-Ich ausbilde, unter dessen Einfluß sich die Kulturentwicklung vollziehe. .Die Ethik sei als ein therapeutischer Versuch aufzufassen, als Bemühung, durch ein Gebot des Ueber-Ichs zu erreichen, was bisher durch sonstige Kulturarbeit nicht zu erreichen gewes m sei. Das Gebot »Liebe deinen Nächsten wie dich se Abwehr der menschlichen Aggression Beispiel für das unpsychologische Vorgehen des Kifltuö-' Ueber-Ichs. Das Gebot sei undurchführbar, eine so groß, artige Inflation der Liebe könne nur nicht die Not beseitigen. . Eine rea bst!« sei die stärkste ind ein ausgezeichnetes ceren. Wert herabttizen, e Veränderung in den qch werde diese Einsicht dies idealistisches Ver-" Beziehungen der Menschen, zum Besi:z werde mehr Abhilfe bringen als jedes ethische Gebot, d bei den Sozialisten durch ein neuerl kennen der menschlichen .Natur getribt und für die Ausführung entwertet. Es sei die Frage aufzuwerfen, ot nicht manche Kulturen oder Kulturepochen unter dem Binflui der Kulturstrebungen »neurotisch« geworden seien. Eine Wertung. der Kultur könne man aber nicht geben, wenn n an sich bewußt sei,-daß die Werturteile der Menschen unbedingt von ihren . Glück wünschen geleitet würden, also ein Versuch, seien, sionen mit Argumenten zu stützen Menschenart scheine zu sein, ob uni in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen w :rde, der' Sjörang des Zusammenlebens durch den inenschli hen Aggression«- .und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden Dieser Vetsüch, die Grundgeda tkeri der Abhandlung Freuds wiederzugeben, soll nur dazu Werke <136 Seiten) selbst vertraut zt rigsten Gedankengänge sind mit einer an Schopenhauer erinnernden Folgerichtigkeit und Kk rhe/t entwickelt; Man mag Pteuds Ansichten scharf bekämpfen, man wird aber an seinen Fragestellungen, an den Prob emen,' gewiesen hat, nicht vorübergehen kön len Fritz Gold schm W,g i rird! d e Martin Buber. Sein Werk und über Religion und Politik von Hafi: Jakob Hegner, Hellerau 1930.. dll S, Die Aufgabe, Martin Bubers sein Werk und seine Wirkung in der als Bahnbrecher, als Mensch und als Führer da^zustellen, hat Hans Kohn in glänzender Weise gelöst. Buber doppelten Verwurzelung und Verflecfit Kräften und Strömen des Geistes^ gezeigt, die auf ihn einwirkten .und wie aus deutschen und euiopäisdien Mit knappen, aber scharfen'und wirft der Verfasser ein Bild der Tlntyrick Judentums, um zu zeigen, wie Aufkli ri in ihm dieselbe Rolle spielen wie Renaiss, in der mitteleuropäischen Menschheit zwei großen Mächten begegnet ist. Judentum daraus im 19. und 20, Jahrh|ui darin, eine Synthese zu finden Aufklärung und der religiösen Ver neue Judentum in den Prozeß der zureihen. Achad Haam und Moses gegangen, aber die Synthese vollzog Einheit nicht nur der Persönlichkeit, verschmolzen, hat erst Buber., Die einzelnen Stufen dieses sein bis zum Betreten des Reiches jüdische im ersten Teil seines Baches. Der zweite Teil erzählt uns von bei Buber in dem Jahrzehnt vor dem ihre tllu- Die Schicksalsfrage der anregen,, sich mit dem machen. Die schwieauf dii Ir hin* i d’ r <Spisoz^Loge> ieine Zeit. Öin Versuch Kohn. Verlag von in die jüdische Welt, Zeit, in der wir leben, Denker, als Lehrer und im vorliegende^ Buche uns hier in. seiner ung mit den großen jnd Kulturlebens aufsowohl aus jüdischen Duellen stammen. . prägnanten Strichen ent« tung des neuzeitlichen ung und Chassidismus ance und Reformation und wie Buber diesen Die Aufgabe, die dem ndert erwuchs; bestand ' den Elementen der nnerlichung, um dieses jüdischen Geschichte ein- Hess waren diejsen Weg n und Jene zu einer sondern auch der Lehre es Entwicklungsganges Mystik schildert Kohn ‘ ' :■ I dem »Dorchbfudi«, der Kriege erfolgte und ihn i heit 81

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