Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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kennzeichnet. An diesen Aufstieg hatte auch das deutsche Judentum seinen tüchtigen Anteil. Der Jude, schon’seit langem vor allem in fcaufmänni:;<hen Berufen tätig, konnte ebenso wie seine Klassen gefahren nicht-jüdischer Abstammung in erheblichem Umfange Vmnögen erwerben. j Dieses Bürgertum afcer, aus dem dejn Orden die Kraft herkam, ist Zweifellos heute in einer Krisis begriffen. Das Judentum der nächsten Jahrzehnte wird eine ganz andere soziale Struktur haben. Neben den geistigen Berufen, die weiter in ihm vertreten sein werden, werden in hervorragendem Maße jüdische Angestellteseine Masse ausmachen, Angestellte mit beschränktem Einkommen, ohne die Möglichkeit, jemals zu großem Einkommen zu kommen. Dort, wo noch der Vater eine selbständige angesehene Handlung betrieb, wird der Sohn jglücklich sein, als Angestellter eines 'Konzerns oder einer Genossenschaft sein Brot zu finden. ' Dieser Sohn aber wird nicht in der Lage sein, die erheblichen Beiträge aufzubringen, die das bisherige Ordensleben erfordert. Bei einem Einkommen Von einigen hundert Mark im Monat ist man gewöhnt und verpflichtet, im Interesse seiner Familie mit jedem Pfennig zu rechnen. Und doch wird in diesen Kreisen der Angestellten immer mehr Möglichkeit sein, für den Orden zu werben, wenn _der Orden ihren Bedürfnissen entgegenkommt. Dazu aber wird er in seinen äußeren Formen mancherlei ändern müssen. Heute sind die wirtschaftlichen Anforderungen, die an den Einzelnen im Bruderkreise gestellt werden, erheblich/ wenn sie aufrecht erhalten werden, verschließt mar denjenigen^ die ich im Auge habe, den Zugang zu unserer Mitte. Man wende mir nicht ein, daß man stets, und im*ier geneigt war. Einzelnen, die dje äußete Last nicht aufzubringen vermögen, entgegenzukommen. Eine Klasse läßt sich licht als zweitrangig eingruppieren. Gleiche Pflichten und g eiche Rechte scheinen mir wirkliche Grundlagen wahrhafter .Brüderlichkeit zu sein: Also Herabsetzung des gesamten Aufwandes unserer Logen. Der kritische Beobachter sieht nancherlei, was ihn mit tiefer Besorgnis erfüllt, wenn er an die kommende Generation denkt. Verpflegungssätze, die für den einzelnen Tag in Logenheimen genommen werten, Eintrittspreise zu Sylvesterveranstaltungen, ja auch dir regelmäßigen Beiträge, die oftmals dazu dienen, kostspielige Häuser und Wohnungen zu unterhalten, stellen im Haushalt des Angestellten eine so erhebliche Summe dar, daß : ie den Eintritt in die Loge für jene Kreise von vornherein ausschließen. Gegenwärtig geht man überall da, wo die Mittel zur Deckung nicht ausreichen, den Weg der Beitragserhöhu igen: Vielleicht wäre es notwendig^, einmal die gesamte wirt thaftliehe Gebarung der Logen unter dem Gesichtspunkt grundsätzlicher Ersparnisse nachzuprüfen. Sicherlich werden wir lei einer derartigen Reform auf den Widerspruch manchen älteren Bruders stoßen, der gewöhnt ist, eine gewisse bürgert che Behaglichkeit im Logenkreise zu Aber so sehr w finden. Bruder räumen, so sehr müssen ir geneigt sjnd, gerade dem älteren das Recht auf Behaglichkeit im Logenkreise einzuwir aber auch an dje Zukunft denken und der Tatsache einge< erTiTTJIeibeh, daß eine Gemeinschaft nur dann bestehen kann, wenn sie sich aus dem Volke, aus dem sie hervorgegangen : st, ununterbrochenen, irischen Zustroms erfreut Dieser Zustrom aber, der an find für sich da ist und der zu uns kommen würde, verlangt, daß wir uns durchaus umstellen : ums eilen nach Einfachheit ulnd Schlichtheit. Vielleicht, dpß wi; bei dieser Umstellung das, wir materiell zu verlier :n fürchten, geistig vielfach zurüdrgewinnen. Bemerkungen d e r R ed a k t i c> n: Im Gegensatz zu dem Verfasser sind wir der Meinung, daß die Krisis der Loge nicht im Essentiellen, im Wesentliihen, im Sachlichen bedingt ist, sondern daß sie, s.ofern man i iberhaupt von einer solchen sprechen kann, auf's engste mit den wirtschaftlichen Verhältnissen und ihrem Drucke zusammen hängt Die Grundsätze des Ordens und der Logen bedürfen keiner Korrektur. Die Betätigungin sozialer Beziehung unterliegt gewissen Wandlungen» die mit den äußeren Verhältnissen Zusammenhängen. Das Wesentliche der Dinge abei, ihr innerer Kern, bleibt unberührt. Das Bestreben nach E nfachheir, Schlichtheit ist natürlich zu begrüßen. Der Wunsch, auf Mittelaufbringung bedacht zu sein, muß ai-ch auf Einfachheit bestehen bleiben, da gerade in und bis auf weiteres auch zukünftigen Ze it 1er Grundlage der der gegenwärtigen it durch materielle Mittel so mancherlei Leid gemildert werden muß, Neuaufnahmen, Es wird uns geschrieben: j Die von Bruder -l-cin dem »Propaganda« überschriebenen Brief (Nr. 12 des Jahrgangs 1929) gemachten Ausführungen fordern noch zu einigen Bemerkungen heraus, denn sie gehen allzu schnell über eine Frage hijiweg, die für das Logenleben und damit für die Zukunft d^s ganzen Ordens von größter Wichtigkeit ist. j Es wird immer davon gesprochen, naß uns jeder edeldenkende Jude willkommen sein soll. Aber1 selbst wennzu dieser Gesinnung noch überragende Befähigung ( und Leistungen auf-geistigem Gebiete kommen, die . ihn zu einem wertvollen Mitgliede der Loge machen könnten, sind ihm die Pforten des Tempels verschlossen, wenn er nicht in wirtschaftlicher Hinsicht alle Garantien dafür bietet,| daß aller Voraussicht nach ein Eingreifen der Loge ausgeschlossen ist. Beiinden wir uns denn wirklich in einer -r menschlich genommen — so glänzenden Position, daß wiriauf solche Mitarbeiter verzichten können? Müssen wir nicht im Gegenteil alles aufbieien, um Kandidaten zu werben,! die kraft ihrer sittlichen und geistigen Bedeutung eine Zierde für den Orden sein könnten, die sich aber wirtschaftlich nicht in völlig unabhängiger Lage befinden? | Ein Weg dazu wäre, wenn wir diese Brüder in jedem Jahre in der Loge 2 Vorträge halten licßen| und das dafür übliche Honorar auf den Mitgliedsbeitrag anrekhnen, vielleicht auch noch andere Logen für solche Vorträge interessieren würden. Allerdings müßte die Zustimmung zp einem solchen Vorgehen von der Verpflichtung .des Kandierten abhängig gemacht werden, sich auch sonst an der Logenarbeit eifrig zu beteiligen. Denn andernfalls würden wir neben der auch jedem Fremden gewährten Bezahlung der Vorträge noch weitreichende Verpflichtungen übernehmen, für die ein Ausgleich nicht vorhanden wäre. Oder könnte sich nicht dieser oder jener Bruder, dem es-roch immer wirtschaftlich gut geht, bereit finden, für eindh solchen Kandidaten die Beiträge mit zu bezahlen? Er würde im binne des Ordenigedankens «in überaus verdienstliches Werk tun. . Natürlich sind mir alle Einwendungen1 bekannt, die gegen ein solches Vorgehen angeführt werden Ikönnen: Minderung unserer Leistungen auf dem Gebiete der Wohltätigkeit, Bruder zweiten Grades, Unmöglichkeit jder Geheimhaltung der Aufnahmebedingungen usw. Ich verkenne gar nicht eine gewisse Berechtigung dieser Gründe, obwohl es doch eigentlich mit dem Logengedanken unvereinbar ist, daß die finanzielle Leistung graduelle Unterschiede schaßen sollte. 76