Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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V Mittelstand zermürben, aus d:m sid) der größte Teil der jüdischen Bevölkert ng zusammensetzt. Dazu kommt, daß angesichts der antisemitischen Anfeindungen der Jude, und gtade der wirtschaftlich Jude, der Zufluchtsgeschützt und ge» schwache und umso wehrlosere statte bedarf, in der 6r sich borgen fühlt. In unserer Zeit der allgemeinen Depression ist es daher umso notwendiger, die Geister zu stärken, die Gemüter zu. erfri ichen, die seelische Widerstandsfähigkeit zu erhalt :n mit den Mittelri) mit denen sich auch die jüdisch« Toynbee-Halle im gegebenen Ausmaße betätigt. Unendliche Kultur- und Wirtschaftswerte sind im Gefolge der Kriegs- und Nahkriegszeit zerstört, unzerstörbar sind die Schätze von Kunst und Wissenschaft, unabsehbar die.Erfolge von Technik und Erfindung, die alles Ver orene wieder einzuholen streben. Das Spiel der Kräfte um p< litischen, wirtschaftlichen, sozialen Ausgleich, das Pingen der Nationen um Einfluß und Vorherrschaft und gleichzeitig um Völkerverständigung, das Auf :inanderstoßen von Partei-yjjnd Weltanschauungen fragen beruhen. Aber schon in mögen auf Macht» der Heiligen Schrift ist gesagt: »Nicht durch Mactt und nicht durch Geist werdet’ ihr ynbee-Halle »eine :ine Unterhaltungs- Gewalt, sondern durch meiner obsiegen1«. Man har die Tc Wärmestube, ein Lehrhaus uri4 Stätte zugleich« genannt, sie bl« ibt im wesentlichen eine, wenn auch bescheidene Pflege- und Arbeitsstätte des Geistes. Sie ist eine geisti \e Sendestation für die Uebertragung und Zuleiturg von Wissen/ sie übt und betätigt soziale Gesinnung, sie ist eine soziale Ausgleichsstelle en miniature, ein kleiner Ausschnitt und Querschnitt aus der alles bewegenden sozialen ist nicht nur eine Magenfrage iem Riesenkomplex rage. Sozialismus Auch Kopf und Herz, Seele und Gemüt sit d zu befriedigen. Güter sich restlos i jestellt sein Aber Inwieweit alle wirtschaftlichen sozialisieren lassen, mag dahin, alle Kulturgüter, Wisse.n, Kutjs :, Bildung sind zum Gemeingut zu machen Geistij es kann Kollektiveigentum sein. Von .seinem Ursprung ar hat das Judentum Wissen1 und Bildung gelehrt, gefördert und vermittelt. Schon in alter Zeit wa' bei den Juden der Unterrichtszwang "obligatorisch. war das einzige ift der Geschieh :e, das keine Analphabeten kannte. Ein paläs Sprichwort sagte: »Hast Du W ^sen erworben, was fehlt Dir? FehltDir Wissen, was Die alten Propheten und den Toren der Stadt, auf öffentlic ten Plätzen sprachen Das jüdische Volk inensisches Volkshast Du erworben?« Weisen lehrten vor sie zudejrMengje des Volkes. Allegroßen Gesetzgeber und Sdififtgelejirten in Israel haben sich die Bildung der Volksmenge angelegen sei i lassen. Die Rabbinen entstammten vielfach den einfachen Volksschichten und waten nebenher zum Z\?ecke des Broterwerbs *Kaufle'ute, Handwerker — Schuhmacher, Zimmerleute, Schmieqe, Gerber, Wasserträger, Holz» Schläger1— bis zum Tagelöiner. Sie waren mit den V<J>Ikshed|irfnissen , und Stimmungen verwachsen] | , Diebe lebendige Wechsel Wirkung, dieses Fluidum, dieser Unmittelbare Kontakt schlägt jedem Vortragenden;in der Toy tbee-Halle entgegen. Kein Lejtrsaal Und kein Konzertsaal hat so dank- , bare Höjer. Eifl tiefwurzelnces jüdisches Bildungsbedürfnis komm«1 den Veran Haltungen willig ent» gegen. I Weftn dje Einrichtung speziell den Bedürftigsten d :r Bedürftigen dienen will, den Mühseligen und Beladenen,| so entspricht au<h dies der alt» jüdischen! Uebeflieferung, di« die Armen als die Lieblinge und als die besonderen Schützlinge Gottes pries. »|Habt Acht auf die Armen«, so heißt es, »denn vön ihnenj ufid ihren Kindern geht die Lehre aus« Den Arqien den Weg zum Wissen ebnen, ihnen Freude , ünd Erholung bereiten, bedeutet, ihnen di^ rechte iLiebe erweis;n. Wahrer Humanismus ist angewandte Humanität/I Die Methodik der Volksbildung hat nicht nur einer Auslese von Intel ektuellen zu gelten, sondern auch der »Masse Mensch«, den Vielen, den Kie nen, Unwissenden und Anschlußlosen, den Sudtend^n und bedürftigen, d men, die im Schatten leben. Für ihrje geistige Hebung, künstlerische Unterhaltung ujid gastliche Erquickung ist die Toynbee-Halle begründet woiden. Sie erfüllt die Besucher mit fr'scjher Daseinsfreude, lehrt sie, durch Darbietiing von j Wissen* Kunst und geselliger Gemeinsjchaft, derfi Leben Wert wo es Entsagung und Entbehr Staat, Vereide und Verbände, politische Fach* und Berufsorganisationen wetteifern in der Verbreitung und dejr Pflege von 1 Volksbildung. Im Rahmen dieser Beiwegungen und Bestrebungen nimmt die Toyjnbee* Halle einen ehrenvollen Platz ein. Sie hat ’in weitesten, auch nichtjüdisd|eii Kreisen _ Beachtung und Anerkennung gefunden. Ein angesehener christlicher Musikpädagoge, der die Toynbee-Halje kürzlich wissenschaftshalber be» suchte, faßte seiften Eindruck io das Urteil zusammen | »Der Abend bedeutete für mich ein wahres Erlebnis, Ein sofdrts Beispiel ecller Wohltätigkeit, wo die {Spender bich mit den Armen gleichstellen, habe idtj nodj nic^t kennengelernt.« . >1 abzugewinnen, auch tng im Gefolge hat. — 54 —