Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Volksbildung. Zum 25 jährigen Bestehen der Toynbee-Halle er auA allen Bilsein schöpferisches Von Br. M a x i m i I i ja n Stein. Vor kurzem j starb in Frankfurt ~a. M. der junge jüdisAe DiAter-Philosop einer der feinsten Köpfe und-iRealsten Charaktere, ein geistiger Wegbereiter des c eutsAen Judentums, ein Seher von nahezu proph :tisAer ErleuAtung. In seinen tiefen SAriften hat dungs- und Erziehung^Fragen Interesse geweiht: »das jüdisAe Bildungsproblem auf allen Stufen und in allen Formen« ist ihm »jüdisAe Lebensfrage«. Was er im Großen von ler jüdisAen Volks» AoAsAulbewegung voraussetzt das gilt im Kleinen j auA von unserer besAeidenen Volksbildungsstätte. AuA sie ist Kleinarbeit am Eau des allumfassen» jden Bildungstempels, der dem verklärten edlen Denker vor Augen stand. Reform des Lehrer¬ und Gelehrtenstandes auf den Höhen philoso» iphisAer ForsAung und Wissens Aa ft liAer Erkenntnis bedingt auA Auswirkung in den Niederungen. VielleiAt ist dies per reAte, AusdruA positiver Humanität: große j Gedanken zu zerkleinern, sie umzuwandeln in die Kleinmünze des [Verkehrs, sie aufzuteilen in die Bedürfnisse des Tages. Die Toynbee-Halle i;t aktuell, ihr Milieu ist Leben und Erleben, ihr: volkstümliAe Be* IraAtungsweise, die populärwi.sensAaftliAe Orienierung, die sie den Unwiss :nden Tbietet, ist ge» teinversfändliAe Enzyklopädie Die Idee der Toynbee-H »Ile ist von Professor Leon Kellner, Wien, aus England naA dem Kontinent verpflanzt worden. Arnold Töynbee und sein Mitarbeiter Leonhard Montelio 0, ein Großneffe von Moses Montefiore, beides junge Studenten der VoIkswirtsAaftsIehre und be de werktätige Men» sAenfreunde, sAufen die ursprüngliAen »Settlements« in London, eine EircriAtung für volksjümliAe Bildung und Unterhaltung. Die ersten Londoner Volksbildungsstätt :n erweiterten siA bald zu einem großzügig angeleg en Heim, das ' Vorlesungen, UntlerriAtskune und vielgliedrige soziale EinriAtungen für die armen SAiAten der Bevölkerung umfaßte, die erste »Toynbee-Halle« ). Während der 25 Jahre hat nahezq 2000 Abenden fast MensAen geistig belehrt, mit reiAen künstlerisAen Gaben unterhalten, gastfi eundliA bewirtet und damit zugleiA, im RahAen sammensetzung, die Teiln thmer . gesellig* vereint. Die Vorträge behänd :ln niAt allein Werte des Judentums, sondern Kunst, Literatur und Gest Lehrer, Prediger, Aerzte, Juristen, Ingenieure die Toynbee-Halle an eine Million bedürftige Wissen und Bildung, hi Ate im allgemeinen. nsAaftler, FaAgelehrte, Akademiker und Kauf- Äußer den SAätzen des Der von den Berliner jüdisAenToynbee-Halle wäre in einigen anderen Städten Logen begründeten l ähnliAe Institutionen vorangegangen. Sie darf den Ruhm fütf siA in AnspruA nehmen, die len Toynbee-Hallen t der Begründung unblieben ' zu sein. meisten anderen kontinent: iiberdauert zu haben, und se unterbroAen an der Arbei *> Ein besonderer Gedanke dei Dankes sei an dieser Stelle einen di Ifxpräs. Albert Joachim, gewl hne ft i efS* lerung und des in Pioniere, Br. und Hygieniker, Volkswissc Künstler und SAriftsteller, leute lösen einander ab. Judentums werden deutsAo DiAte» und. Denker dem Verständnis der Höre r nahegebraAt, Erfindungen und Entdeckungen, WrrtsAaftsprobleme und Fragen der Volksgesundheit erklärt,. kulturgesAiAt- IfAe, religionsphilosophisAe, naturwissensAaftliAe, teAnisAe Themen .besprod en, Reiseeindrücke gesAildert, und. neben Treue zum Judentum, Erkenntnis allgemeiner Bürgertugenden, EhrfurA)t vor derStaatsordnung, Verständnis für die VölksgenieinsAaft gelehrt AuA d£r künstlerisAe T^il zeigt hohes Niveau und zeiAnet siA in Musik, Gesang, Rezitation, in gesAlossenen Di ftter- und Komponistenabenden durA gediegene Mannigfaltigkeit aus. Das beste soziale Hrziehungswerk ist; die Verbreitung von Wissen. Bildung zivilisiert, Bildung niaAt frei, Bildung ist Entwicklung. Nur darf sre niAt lehrhaft im HisrorisAer Sterken bleiben,.sdndern muß in Beziehung steheft zum Leben der Gegen-: wart. Der Aufstieg der t reiten Volksmassen war nur dadurA mögliA, daß man jhneo Wissen zu«: leitete, daß man sie übet ihre Klasseninteressen f hinaus in die Sphäre allgemeinen Kulturbewußtseins,: in die Sphäre der Verantwo tung einbezog. Geistige: Unterernährung ist ebenso sAlimm wie leibliAe,j geistige Verarmung niAt tr inder verhängnisvoll wie ökonomisAe. Der Mensdi lebt niAt vom Brot; allein. Dem Organismus müssen auA geistige! Kräfte und Säfte zugeführt werdeti, soll er niAt. in Marasmus verfallen. Cer M’en$A_ brauAt äuA geistigen StoffweAsel. Bi düng ist niAt Luxus, sondern auA Arbeitsmittel, um tim Kampf ums Dasein bestehen zu könner. Sie ist das wirksamste Mittel .gegen sittliAe Ven* ährlösung. Der immer mehr an.Awellertde Zuzug naA der Großstadt birgt die Gef »hr einer, Proletarisierung weiterer Mengen und ShiAten, auA jüdisAet Kreise, in siA. Immer gröber wird die Gefahr, daf die ungünstigen wirtsAaf l’Aen Verhältnisse der 53