Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohen, dt m die geistige und religiöse Zukunft des deul sehen Judentums ernste Sorge bereitete, nahm ciese Anregung, die sich zum Teil mit ,seinen eigenen Wünschen berührte, freudig entgegen und ri:f zur Gründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums auf. Der Plan aber fand als Ganzes keine Billigung, der vorgeschlagene Lehrplan und die »Verkoppelung von Unterrichtsreform und Gälehrtensubventionierung« stießen allgemein auf Ablehnung. Unter anderen verwarf ihn Salo Adler als Schulmann, er befürwortete hingegen gleichzeitig warmherzig den Akademieplan und setzte sich im Kuratorium der Timendorfer-Stiftung nachdr idclich dafür ein, daß ihre Mittel der neuen Institution zur Verfügung gestellt würden. Darüber herrshte Einstimmigkeit, daß für die Zukunft der jüdis ch-wissenschaftlichen Forschung Sorge getragen, daß ihr Nachwuchs gesichert,♦> ihre Methode vtrfei'nert', ihr Problemkreis verjüngt werden müßten. Mit dieser Aufnahme seines Vorschlags fand auch der junge Autor sich ab, und, als nach wenigen Wochen eine zweite Auflage seiner Schrift notwendig geworden war, fügte er die Worte hinzu: »Den Akademie-Gedanken und die darin 'ingeschlossene Sdiatfung eines rein wissenschaftlichen Theologenstandes habe ich als die unerläßliche Grundlage jeder wie immer" gearteten Erneuerung des Religionsunterrichts dargestellt. Und zugleich war es einzig dieser Plan, den ich hervorhob als las, was allein zunächst Verwirklichung verlange und — erlaube. Wenn sich ihm, wie es augenb idclich den Anschein hat, ein tätiges^Bestreben der «deutschen Judenheit zuwenden möchte, so wäre der Weg. den das Schriftchen zeigen wollte, beschritten«. Aber auch damals wäre dem großzügigen Plan die Verwirklichung versagt geblieben,, wenn nicht Gustav Bradt, der Hermann Cohen freundschaftlich nahestand, den Weg zu seiner finanziellen Durchführung, auch ohne das von Rosepzweig geforderte Kapital, gewiesen und sich zur Aufnahme der ■ notwendigen : mühseligen Kleinarbeit bereit erklärt hätte. Mit jugendlicher Begeisterung ging Cohen ans Werk, während der Lebens erfüllte und erfreuie ihn der Organisationsplan der zu gründenden Akademie, dem alle, die er anging, ihre Forderung Rosenzweigs Vater die erste Stiftung zuwies. Der *> Bereits im Jahre 1910 Monatsbericht Nr. 11 S. 156 zw indischen Wissenschaft die Einri Instituten und die Schaffung jüdische Gelehrte angeregt, damit Schaft des Judentums widmen Distrikt hat auch von Anfang gefördert. letzten Wochen seines versprachen, dem Franz tat Br. F i n k e I in unserem ccks Förderung und Pflege der ihtung von Forschung s> von Arbeitsstätten für junge ie sich sorgenlos der Wissenkönnen. Unser deutscher an die Akademie tatkräftig Die Red. Gedanke jder Akademie im LSinne der in allen Ländern vorhandenen und bewährten allgemeinen Vereinigungen wissenschaftlicher Forscher sollte festgehalten werden, der Schwerpunkt der Arbeit bei den Mitgliedern der Akademie liegen/ in dr.ei Gruppen sollten sie; sich teilen: einige Senioren, Männer von Weltruf, cjlie ordentlichen Mitglieder der Akademie, diel Haup träger des Werkes, und die jüngeren Mitglieder, die in der Zusammenarbeit mit diesen in die Au'gäbe hineinwachsen sollten. Als Hermann Cohen im April 1918 unerwartet starb, najim Gurtav Bradt die Vorbereitungsarbeit mit verstärkter Energie in die H«nd/ Leopold Landau, dessen Seele stets für alles Jüdische erglühte und dejvon Cohen für den Gedanken gewonnen war, und Benzipn Kellermann, einer von Cohens geistigen Erbenj — ich nenne hier absichtlich nur .die bereits Verstorbenen — traten i^i die Bresche, während d|es Sommers 1918 wurdet unter eifrigem ßtudium alles vergleichbaren Materials, ein Organisaiionsplan für die Akademie entworfen. Im Herbst kam dann der Zusammenbruch Deutsch larjds, der Iso manche schöne Hoffnung begrub, und de' tlmstufz,, der zugleich zur Umwälzung in der Organisation der noch nicht gegründeten Akademie führte. Der alte Plan wurde fallengelassen, die Gründung der Akademie seihst in eine ferne Zukupff verschoben und als Keimzellte für die Akademie ein Forschungsinstitut ins Leben gerufen, das mit einigen wenigen Neulingen in der Wissenschaft beginnen, mit ihnen neue kritische Methoden füt die Bearbeitung der Quellen , erproben, neue . Problemstellungen und Lösungen herausbilden wellte. Dias war' nicht das, wa|s Franz Rosenzweig erwajrtet hatte, nicht die Ve W ssenschajft, die Sicherung ihrer das jüdiSchte Leben. Sicher wird lebendigung der Einwirkung auf in temperaer mehtvollen |Protesten seiner Meinu ng Ausdruck gegeben habejn, die im Nachlaß von Bradt, der alles getreulich aufzeichnete und verwahrte, zu finden sein werdep. Ich habe noch heute lebendig die Szene vorjAugen; als im Frühjahr 1919 Rosenzw^ig in qradts Hajas^ den neujen Plan kennen lernte und geradezu verzweifelt sichl dagegen wehrte, daß die vop ihm so groß und ideal gedachte Akadenjie auf c^rei junge Gelehrte zusdmmenschrumpfen sollte. , Er | hat in. seiner Flugschrift »Bildung — und kein IjLnde« seinem Schmerz auch öffentlich Auidruck gegeben. »Der Gedanke, dpn idi-dayfaal^ Hermann Cohen vorlegte und den dieser mit demj ganzen Feuer seiner letzten Tage ins Leben führjte, der Gedanke, den jüdischen Lehrerstand in peutschl^tnd neuirn, indemgesellschaftlich uid geistig zu erman ihm ein^Ztntrum schaffe in 50