Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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korrespondierten wir. Was strittig blieb, wurde bei meinen Mittwochbesuchen [ich las jeden Mittwoch an der Frankfurter Universi ät und brachte den Rest des Tages bei Rosenzweigs zu) durthgesprotheo. Wenn wir mit der ersten i Fassung eines Buches fertig waren, ging ich an die Hc rstellung der zweiten, der für die Druckerei bestimmten Reinschrift <des sog. Folio-Manuskripts), und cas Verfahren wiederholte sich: es gab wieder eine Vlenge Bemerkungen. Es wiederholte sich bei der eisten, bei der zweiten Korrektur, nach dieser wurdel uns gemeinsam das Buch vorgelesen, und wir verglichen gemeinsam, es gab immer noch tag?lange Besprechungen. Nach der dritten Korrektur wurde Inprimatur erteilt’ Auf den Blättern des Qrartmanuskripts gab ich, um Rosenzweig den Ueberblick zu erleichtern,, überall, wo es nötig schien, die Gründe an, warum ich so und nicht anders übersetzte. Da ihm. alles vermeidbare Bücherwälzen ers >art werden mußre, verzeichnete ich zu jeder sch kontroversialen Meinungen, von schim bis zu den neuesten Au._ schaftlichen Zeitschriften. Dennoch mußte oft um ein einziges Wort der Briefwed sei wochenlang hin und hergehen*. »Meine Rolle dabei«, ha Anfang der Arbeit mir geschrieben, »wird ja wahrscheinlich nur die der gründlichen .Muse (Diotima und Xanthippe in einer Person) Jehuda Halevi. Aber das ist diesem Beispiel sehen, - nichts Rolle« ist, obgleich er auch später bei dem Bild der »gründlichen« Muse blieb, hundertfach mehr als das »Beispiel« geworden. Die Bläffer, die in diesen Jahren hinüber und herül er gegangen sind, ergeben zusammen den lebendigsten Kommentar: die Schrift hell werdend im Raunreiner Wechselwirkung W'elcher Art diese Wechselwirkung gewesen ist, kann idi hier nur an wenigen Hauptfragen kennzeichnen: vl oder E <den »Redaktor«), »Elohisten« d. h. das Buches. In dieser Erkenrfnis haben wir einander, im Lauf der Arbeit von der Arbeit lerndnd und lernend, bestärkt, sie hat sich jn dieser unsrer Wechselwirkung immer t efer in uns beide, ver-* wurzelt, und es war ein Gemeinsames, das- IJosenzweig einmal in dem ernsten Scherz aussprach, usw., sonderq R' (den Einheitsbewußtsein des nicht i Redaktor* auf, Gierigen Stelle di? den ältesten Meforsätzen der wissen» te Rosenzweig im sein, wie- Ihr? bei wie Sie ja laus Kleines.« »Seine in wir lösten das Sigel R sondern »Rabbenu«. ’ 2. Ich war lange vo* djm Begitin unsrer Arbeit zu der lleberzeugung geh ngt, daß man bei einer Verdeutschung der Schrift versuchen müßte, von der Geschriebenheit des Worte; auf seine ursprüngliche und in jeder echten Vorlesung wieder laut werdende Gesprochenhcit zurückzugeiien. Daraus ergab sich, daß der Text der Uebertrtgung in natürlidie, von den Gesetzen des mensc ilichen Atems regierte, sinnmäßig geschlossene Sprech-Absätze, die sog. Kola (daher die typograpl ische Anordnung Kolametrie genannt) zu gliedein war. Von denen jeder eine leicht spredibare und lefdit jmerkbare,, also rhythmisch geordnete Einieit bildet, wie ja schon alle frühe mündliche Uebe rlieferun; auf das leicht Spredibare und leicht Merkbare rhythmusbildend wirkt Rosenzweig sehr bald 1. Wir waren uns alsbalc unserer richtig aufgiefaßten philol Jgischen Aufgabe einig, daß wir gemäß (»Der Wissenschaft folgen nur eben unserer«] hat mir Rc geschrieben) nicht beim masoretischen faßbaren, . verharr wo es sich etwa \ Verknüpfung der handelte, nicht auf wir doch immer, senzweig einmal loß so weit als irgend möglich ext, als dem einzigen objektiv mußten, sondern auch, den Zusammenhang und »die inzelnen- Stücke untereinander ie oder jene Angeblich herauslösbare Quelle zurickgehen durften, sondern die uns vorliegende literarische Ganzheit wiederzugeben hatten, also, um qie Sigel der modernen Bibelwissenschaft zu gebrai udten, nicht J (den »Jahwisten«) ausgeht, also Diese m? ne Ansicht hat i •«r zu »einer e genen gemacht und in einem Aufsatz »Die Schrift jtnd das Wort« (abgedruckt in der Zeitschrift »Die Kreatur«, Ljahr-' gang, 1. Heft) auf die schön »te Weisje gedeutet begründet. Der Kolen-Bau. vt ar übrigens das einzlj^ in das* er mir nie hereinred :n wollte. »Ich könnte kein Kolon zustandebringenl«,. pflegtje er zu sagen. 3. Wir hatten bald gerne kr, daß iianche Formen der sog Paronomasie, d. linder Verwendung wort» hafter oder lautlicher Aehnt dikeif, \jon der Schrift sehr nicht als stilistische Verzierung, sondern als sprechendes Zeichen der besonderen Gewichtigkeit öder Sinnfülle einer Stelle gemeint waren und . daß daher z.B. die Alliteration wiedergegeben Werden mußte, wo die deutsche Sprai he es zujieß. Darüber wachte dann Rosenzweig irit einer! genialen Pedanterie Ich spürte aber bald bei der j^rbeit.heraus, daß das Prinzip der Wiederholung und;Entsprechung in der Bib?l eine sowohl extensiv wie! intensiv noch weit größere Geltung hatte. Wehn dfe Bibel etwa erzählt, fügt sie zwar dem Bericht dej- Begebenheit keine »Moral der Geschichte« bei, aber sie lenkt durch, je nachdem zarte oder kräftjge, ,nur ein Wurzel wort abwandelnde oder ganze Sätze refrainartig vervielfachende, Wiederholungen, also, dadurch, daß sie zwei oder mehrere Stellen in eine Entsprechung zueinander setzt, ursere organische Aufmerksamkeit auf einen Sinn der Erzählung, der 47’ -