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Der Orden Bne Briss · 1930-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 3 - März
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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neu in die Men ichenwelt der Gegenwart eingestellt. werden wjl, neu, nämlich in seiner Ursprünglichkeit - erneut,- warum — und wie. Als nun 1923 Franz Rosenzweig, mit der Uebertragung von Gedichten Jehuda Halevis beschäftigt, s|ich häufig an mich un Rat wandte, und wir bald dazu gelangten, an de- Hand der jeweiligen Beispiele miteinander die Ptoblematik des Uebersetzens überhaupt und die Probleme der übersetzerischen Aufgabe zu erörtern, ergaben sich uns unmerklich, zuerst nur ajs der zuweilen erleuchtete, meist dämmrige Hintergiund unsres Gesprächs, dann aber immer gebieterisd er als seine magnetische Mitte, die Fragen: Ist die Schrift übersetzbar? Ist iie schon wirklich übersetzt? Was bleibt ncch zu tun? wenig? viel? das Entscheidende? Wie kann es getan werden? im bearbeitenden Anschluß an ein erwarteteier damals nicht mehr, wie in der Zeit der1 Krankheit, den Tod in den nä ersten hsten aufklassisches Uebersei Neubeginn? Hat für einen Neubej den Beistand, das ist die'Schrift zu i zungswerk? in einem waghalsigen das Zeitalter den Atemraum inri? die Berufung, die Kraft, Gehör? Und über alles: wie versetzen? wie ist sie in diese^n Zeitalter zu übersetzen’ ,; Rosenzweigs damalige-Grtindanschauung <diic sich auch aus seinen NachwofPzuni Jehuda Halevi herauslesen Jößt> \-ar, daß Luthers großes Werk noch immer die Grundlage für alle Versuche ih deutscher Sprache sein müsse, daß also keine "Neu- Übertragung, sondejrn nur eine Luther-Revisictji unternommen werden könne,, freilich eine unver» gleichlich umfassendere und eindringendere als alles, was bisher so beze chnct worden ist.. Meine Anschauung war, daß nur das — den ganzen Menscherj fordernde und verwendende — Experiment, also ein T)rauf!csgeheh, das alle bisherigen Dolmetschet! kennt und nutzt, aber sich keinem verschreibt, einej annehmbare Antwort auf unsere Fragen zu liefern| vermöchte. Dazu ist < s dann unversehens gekommen.J Eines Tages eraielt ich einen Brief von einem' mir bis dahin unbekannten jungen Verleger, Dr.’ Lambert Schneider. £r schrieb mir, er wolle seineneben begründeten V :rlag mit einer Uebersctzurg | des »Alten Testamer ts* beginnen, aber nur, wenn1 ich sie unternehmen wolle, gleichviel wie, als Neu- I; herausgabe, als Bearbeitung, als eigenes Weik I Dieser Brief eines] durchaus deutschstämmigen i Christen *> mutete milch .wie, ein Zeichen an hh las i ihn Franz Rosenzweig vor und fügte hinzu, ich sei geneigt auf den Vorschlag einzugehen, aber nur, wenn er, Rosenzweig, mitmache. Ich merkte, daß meine Aeußerung ihn zugleich erfreute und , aufstörte. Ich habe djas später verstanden. Zwar j Wochen oder Monaten, aber er hatte es gegeben, auf den Rest seines Lebens, ein größeres Zeitmaß anzuwenden. Nun wurde ihm ein Anteil an einem Werl» angeboteri und also zugetraut, das <wie er viel früher als ich erkanty'e) eine üeihe intensivster Arbeitsjahre erheischte. Es galt, sich auf eine andere Zukunftsrechnung einzulas;en.*> Denn audr Rosenzweig glaubte, wie ich, in aller Nüchternheit an Zeichen, nur stärker als ich. Er sagte <d. h„ da er schon längst nicht mehr sprechen konnte, etj gab auf einer mühseligen Apparatumit unsicheren) Finger einen, zwei, drei Buchstaber von jedem Wirte an, seine Frau erriet es und sprach es aus): bWir wollen mal einen Versuch wagen«. Es war klar, was er meinte: wir sollten jene Kontroverse praktisch entscheiden, indem wir leide Methoden an einem Kapitel der Schrift erprobten und so ermittelten, ob eine von ihnen, welche von ihnen für uns gangbar war. »Welches Kapitel«? fragte ich.| Er antwortete: »Das erste«. - Natürlich begannen wir mit dem Versuch, Luther zii revidieren. Wir nahmen einen Vers nach dem (andern vor und änderten, was uns unserem Sprach wissen und Sprachbewußtsein änderungsbedürftig erschien. Nach einem Tag Ar standen wir vor einem Trümmerhaufen. Es hatte sich erwiesen, daß man auf diesem Weg nirgends hinkam. Es hatte sich erwiesen, daß Luthers »Altds Testament« in alle Dauer ein herrlithes Gebild blieb, aber schon heute keine Uebertragung der Schrift mehr war. Nurf übernahm ich es, eine Verdeutschung des ersten Kap tels der Genesis nach meiner Auffassung zu entweren. Als Rosenzweig das Manuskript mehrmals gelesen hatte, schrieb er mir: »Die Patina ist weg, dafür ist es blank wie neu, und das ist auch tfas wert«. Dieser Sarz leitete ausführliche Bemerkungen ein, denen schon eine Reihe andeter vorangegangen war, —zusammen bereits ein Meisterstück helfender Kritik. Damit hatte die gemeinsam^ Arbeit angefingen. Die Form des Zusalmmenwirkens ist bis a is Ende dieselbe^geblicben. (Ich übersetzte und sandte Blätter dieser ersten Fassung <des sog : uskripts), zumeist kapitel weise, an Roser - antwortete niit seinen Bemcrkunger j agen, Hinweiserl, Aenderungsvprschläget i tpe davon sogleich, waj mir unmittelbar einleuchtete, in Aenderupgen,- über das andrj von aus beit jeweils die Quart-Mar zweig. E Beanstandu Ich verwert *) Er ist der gemeinsamen Sache seither in vorbildlicher Weise tr^u geblieben. - 4ti *> Dodi stammt die Wendung auf dem Titelblatt »zu verdeutschen anternommeij« von Rosenzweig und hat die Bedeutung des steten Gefaftjseins auf das Ende.

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