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Der Orden Bne Briss · 1930-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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r Porto hatte aufsuchen derbarer Kontrast, als wollen. 'Es war ein sonwir aus dem Straßenlärm der von stärkstem Le >en erfüllten Großstadt in das ruhige Büro des F errn Terlo traten, der uhs bei der französisch und portugiesisch geführten Unter* halrung oft als Dolmetscher aushalf. Bastos wirkt in bürgerlicher KleidüiTg nicht 4q martialisch wie auf dem aus dem Buche von Ehrenpreis bekannten weichen, sehnsüchtigen, druck, oft blitzen die Bilde, seine Gesichts*: ige haben vielmefif einen zeitweise visionären Aus* clugen, gütigen Augen auf, und den Mund umspielt ein gütiges Lächeln, wenn er für seinen Weg eine besonders treffende For* mulierung findet. Ich brauche ihm nur einige Stich* er beginnt zu erzählen von Marranen. Die düsteren worte. zu geben, und der Entstehung der treibung der Juden aus an den nach Portugal einer kurzen Frist der Bilder der Inquisition leben auf, die nach j^er Ver* Spahien sehr bald ihr Werk Geflüchteten fortsetzte, nach Duldung, in der die Vertriebenen sich ihr Heinatsrecht gekauft und mit der Aufrichtung ihrer Existenz begonnen haben. Die Zwangsgetauften, c enen man die Auswanderung unmöglich macht, deren Kinder man in Klöstern im Geiste der katholisihen Kirche erzieht, werden sorgfältig daraufhin b »obachter, ob sie noch jüdische Bräuche ausüb m, ob sie den christlichen Gottesdienst besuchet. In ihrer Gewissensnot suchen die Gequälten einen Ausweg, indem sie z. B., wenn sie sich bekreuzigen müssen, dazu sprechen: »Adonai, d :r Du in unseren Gedanken lebst, Adonai, den un;erö Lippen preisen, Adonai, der in unserem Herzei wohnt, verzeihe uns!«; Hatten die erste i Juden- und Marranenverfolgungen ihren Ursprjng in dem religiösen Fanatisnyjs des Klerus ur d der von ihm b«herrschten Monarchen, so gesellt sich später das politische. Schlag wort hinzu, lllnter den Marranen selbst entsteht eine Spaltung zwischen den der Assimila> tion verfallenen, zu Amt und Würden gelangten Monarchisten, die 'katholischer sein wollen als die Alteingesessenen, unld' den am Judentum innerlich festhaltenden Demokraten, und bei den in Fortentwicklung der französischen Revolution auch in Portugal ausbrechenden Straßentumulten hört man neben dem Rufe: Tod den Jakobinern! auch den Ruf: Tod den Juden, die man als Träger der revolutionären Ideen bezeichnet. 1800 findet das letzte Judenmassaker in Braganza statt. Den Autodafes, der furchtbaien Begleiterscheinung der Inquisition, hatte schoi i Marques de Pombal ein Ende gemacht, jener weitsichtige liberale Staatsmann <1750—77), der erst jetzt in den Tagen der Republik wieder zu iEhren kommt, und dem man nunmehr in Lissabon ein würdiges! Denkmal errichtet. , In Spanien wütet die Inlquisition noch unter Ferdinand VII., 1814-1820. Die Marranen aber halten, unbeirrt von Not und Verfolgung, in leidenschaftlicher Inbrunst an dem Glauben der Väter fest. In schlimmen Zeiten flüchten sie aus den Städten in die Berge, wo sie noch heute in schwer zugänglichen Gebirgsdörfern ein karges Dasein fristen. Einige von diesen Ortfcn, Braganza, Villa Rinha Belmonte, Caria, CoVilhan, Fiscao, Chaver, Rebordelo, Vinhaes, Macedo desPavaleiros, Moncorvo haben eine fast ausschließlich marranische Bevölkerung, dort hat sich die Tradition auf münd«i lichem Wege durch Generationen fortgeerbt — nur! wenige Dokumente hat der polnische Ingenieur! Samuel Schwarz') dort vorgefunden, hier un3 .da eine Megilloh noch, oder ein schon |>örti/giesisches Gebetbuch, — oder, wie Terlo berichtet, nur noch die Erinnerung an die Großmutter, die beim Betreten des Hauses eine nicht mehr in Wirklichkeit vorhandene Mesusoh küßte. Außerdem Sabb.at. war ihnen nur noch die Feier des Pessach-Festes und der Jom Kippur bekannt. Das Bild, wie eine marranische Gemeinde den §ederabcnd an einem Bergabhang bei Belmonte begeht, ist aus dem Buche > von Ehrenpreis bekannt. Aber be teidinend füi; ihren Gemütszustand an einem sollten Tage ist j der Umstand, daß sie noch heute Verdettas (Feld* j wachen) ausstellen, in Erinnerifng an die Schrecken der Inquisition, die auch in den wenigen, mündlich erhaltenen Gebeten ihren Niederschlag gefunden haben. — In dieses kärgliche jüdische Dasein, das, abgeschnürt vom wirklichen jüdischen Gemeinschaftsleben, wie ein Atavismus anmutete lind dem Ver dorren preisgegeben schien, hät -öbs:os Sinn und Bedeutung gebracht. In schlichten VPorten spricht er von seiner eigenen Erweckung, die in die ersten Kindheitsjahre zurückgeht. Die Muttir Katholikin,; der Vater Marrane. Beim Lesen einer illustrierten Bibel — man wird an Ajme Pallien: erinnert 4erzählt er dem Knaben von der Geschichte d£s jüdischen Volkes. Als Schüler des [Gymnasiums fl-’-L-C-r. jgg er ein Porto sucht er die jüdische Gemeinschaft, — besucht ie alten C t mehr los. die heiligen gibt keine. Erst 1905, in Lissaboi zum ersten Male eine Synagoge, sänge ergreifen ihn und lassen ihn n Er lernt hebräisch, vertieft sich in Bücher und bald ist er mit der Geschichte des dischen Volkes und mit dem Weseh des Juden tums so vertraut, als wäre der historische sammenhang nie unterbrochen worden. Noch uz,u» hat •'> Hjrr S. Sdiwarz/ denk wir viele Kenntnisse in der Marranenfrage verdanken, befand sich -leider auf einer Ileise in Polen.

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