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Der Orden Bne Briss · 1930-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Aufbau der Gemeinschaft vorhartden. ,Gewiß haben dort die jahrhundertelange soziale Gehemmtheit, die engen Lebensverhältnisse und die Armut deutlich sichtbare Folgen gezeitigt. Aber Bürgertum ist unabhängig von | der Besitzlage, j Nicht der Besitz sondern | ein bestimmtes Lebensprinzip macht den Bürger. Das j sieht man wieder heute, wo Krieg und Inflation große Teile des Bürgertums um ihren Besitz gebracht haben, die trotzdem mit bewunderungswürdiger'Energie sich davor bewahren, ihre alte geistige Lebenshöhe zu verlieren. Die Lebenslange und die Armut sind im [Ostjudentum nicht imstande ^gewesen, die geistig^ Lebensgestaltung auszuschalten. Die Freitagabehdliditer verlangen das Heim. Die jüdische Religion stellt Pflichten auf, die die strenge Ordnung des Hauses voraussetzen. Der ' Hausvater spricht das Tischgeber. Wer an solchem Tisch einmal gesessen hat, weiß, wie ausschlaggebend dem bürgerlichen Oberhaupt der Familie durch die Religion Autorität gegeben ist. Der Jude! entwickelt sich ypn der Religion her zum Bürger. . Bürgertum ist $ine Geisteshaltung, und diese trifft auch auf die jfrmen Schuster und Schneider des pstjüdischen Städtchens zu, die deshalb keine Proletarier .sind — well sie. keine sein wollen. Auch der ostjüdische Industriearbeiter ist nicht Proletarier, weil die Mitgift dös Cheders und das an Jüdischem Gelernte etwas geistig Entscheidendes sind. /Je mehr er die proletarischen Ideologien »lernt«, desto weniger ist er Proletarier. — Bürger bedeutet auch nicht Städter. Ii i den alten Verordnungen der Rabbinen ist das Land ebenso stark sichtbar wie diej Stadt. 1 Die Wichtigkeit, die das Judentum-dem Hause, der Familie gibt, ist unserer Ze it in manchem nicht mehr einleuchtend. Immer wjeder hören wir ein Wort: Bourgeois. Die geistige Grundlage des Bürgers soll [damit getroffen werden, und diesen Angriff muß it an abwehren, ienn er richtet sich ' auch gegen uns als Juden. Bourgeois, das soll heißen satter Mensch, durch keine Sehnsucht nach Geist erschüttert. Dieser Menisdientypus ist allerdings moralisch minderwertig, aber warum ihn ausschließlich im : ürgertum beheimaten? Dieses bornierte, seiner selbst sichere $idi-AbschIießen vor allem höheren Wollen ist ein kann in den oberen, in den ' untersten Schichten sich finden.j man dafür den studentischen Das sagte dasselbe, ohne sich; von vornherein auf einen bestimmten Teil der Gesellschaft zu beschränken. j Wenn man heute npcht Philister sondern i, hat es seine Gründe Der Bourgeois laß gezeichnete Karikatur des Bürgers, Bourgeois saj ist eine vom die man den proletarisc len Massen jvorzeidnete, obwohl diese Massen n ihren befähigten und tüchtigen Teilen nichts* zfideres wollen, als selbst aufsteigen in die geordjete und geflohene Welt bürgerlichen Lebensj I diesen Aufstieg .in die höhere Lebenssphäre I for pem und wollen ist das Gesunde. Die höher:• L< benssphäre karikieret i, in Haßbilder verzerren ist das Kranke, und der Bourgeois als vetallgc meinerter [Typils <der »Burschuj« der Boisdiev iken) ist keine Realität, sondern ein Haßbild, e! ne durch den Haß verzerrte Realität. — Nel en dem Agitator s| »rieht auch der Boheme i/om Bourgeois. Aber dej; Boheme ist selbst im ner bürgerlicher Herkunft. Er ist Bürger, .wenn auch [entgleister I^ürger. Daß heute der Boheme ausstiibt, hängt milj der Net des , Bürgertums zusammen, ron dem er immer gelebt hat. Große J£unst i;t nie Bohömekunst gewesen. Der wissen. trifft ins Herz. Für c sehr verbreitet ist und halten wird. Dieses machen die Geschidite. Masse als treibende Krq dekadente Elite vorgt:ht. Jude ist Eürg:r. Die Verwirrung der Zeit mad t ihn oft z> nn i Jürj^er mit schlechtem Ge- Darf man eigentlich als ideälistisdi gerichteter Mensch Bürg :r sein? Das Wort Bourgeois des Bürgers ist ein Märe len ausschlaggebend, ies»es schlechte .Gewissen vom vielen für wah ' ge- Mä dien lautet: die M; issen In Wirklichkeit f; immer eine nicht arri ziert z Elite, die, die No: der ft benutzend, gegen eine Die russische Revolution das ist es 'harakterfehler. ’ Er fiittleren und in den Früher gebrauchte Ausdruck Philister. ist die Tat der bürgerlichen Intelligenz, die: im Zarentum ausgeschaltet war. ' Dieser »Kreislauf der Eliteh« <Pareto> Ist c e geschichtliche Bewegung. Eine elitenlose Masse 1 leibt ohne Bewegung! Urtd' ohne Erlösung. Je mel r 'Bürgertum infolge! der fortschreitenden Wirtschaft idien Proletarisierung heute nicht meir wirtschaftliches Vorrecht bedeutet sondern nur Kultufhöhej ui iso mehr ist es Zeit, daß es sich s tiner eigentliche! Mission zuwendet. Diese Mfssiön liegt darin bes thlossen, daß-im Bürgertum meh r als anderswo tine Intelligenz vorhanden ist, die -- nadr einem A3 rort des Soziologen Alfred Weber «— ■ als »sozial relsdiwebende Intelligenz« jeharakter siert ist. Web :r meint damit, daß diese Intelligenz imstande ist, sich über die nur.wirtschaftlich : Fragestellung demokr^iie hat von det »Gesinnungslosigkeit der Intelligenz« gesprochen: dije Intelligenz ziehe aus zu erheben.; Die Sozialihrer wjii tsdiaftlidien Sitt ation nicht die Folgerung, bewegej sich zwischen leri sozialen Gruppen hin und hei, schließe sich aft solchen an, die wirtschaftlich ganz anders als: sie selbsjt interessiert seien. [Da man aber nur Entweder ä«s Gesinnung oder aus wirtschaftliche 1 Interesse handeln kann, 7

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