Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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972 Seelen belief, so wären etwa 8 Millionen RM. jährlich erforderlich,! für ganz Preußen bei einem Defizit vön 1677 Seelen etwa 14 Millionen RM., d. i. das Zwölffache des cJerzeitigekK Etats des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Theilhaber, der mit Recht vpr Palliativmitteln gewarnt hat, ist konsequent geblieben: er löst einfach mit den erforderlichen i Millionen* die .»soziale Frage«. Aber wir glauben mitaller Bestimmtheit sagen zu können, daß auch nicht e i n e jüdische Gemeinde in Deutschland sein Rechenkunststück ^ausprobieren wird. Der Vprsifzende der Berliner Gemeinde, Dir. Kareski,j fiat ln der schon erwähnten Repräseötantenversammlung mit Nachdruck auf die. Fragwürdigkeit der vorgebrachten Projekte hingewiesen, und die vorgesehene weitere Prüfung wird dif Richtigkeit, seines Urteils, nur bestätigen könneji: Jüdische Bevölkerungspolitikj in Deutschland , ist nicht mögliqh! I III. Das Ergebnis, zu dem wjr gelangt sind, erscheint völlig trostlos: Progressiver Geburtenrückgang, daraus folgernd Ueberalterung und steigende Mortalität! Wie | zwischerf zwei Mühlsteinen wird die deutsche Judejiheit aufjgerieben, ohne die Möglichkeit, dieser Entwicklung ^wirksam entgegenarbeiten zu können! Auch der Trugschluß Koralniks,_daß wir nach Wegfall der überbesetzten älteren Jahrgänge und entsprechendest Mortalitätssturz einem stationären Bev{Mkerung$zustand entgegengehen werden, kann un$ nicht trbsten. Solange die Kinderzahl pro Ehe j unter der Grenze bleibt, die zur Erhaltung des Bevölkerungsmassivs erforderlich ist — und das ist zur. Ze|t sicher der Fall, wird es also bei gleihbleibenden wirtschaftlichen Bedingungen auch weiter sjein —, solange werden die zeugungsreifeh Jahrgänge immer nur zum Teil ersetzt werden,- dh. die Ueberalterung und der Sterbeüberschuß werden, wenn aüch in geringerem Ausmaße als heute, weiter wirken. Wir müssen uns schon zu einem etwas universelleren Standpunkt aufschwingen, um das deutschjüdische Bevölkerungsproblem, in der richtigen Beleuchtung zu sehen. Die deutsche Judenheit ist eingespannt in den großen Prozeß der fortschreitenden Verkapitalisierung der Welt. Noch versucht Europa, sich gegen den erdrückenden Einfluß der internationalen Hochfinanz und Ihdustriekartelle, die in Amerika ihren Stützpunkt haben, zu wehren, noch macht die Freihandelspartei in allen Ländern ihre Reserven mobil/ der alte europäische Unternehmergeist will sich gegert die wie eine Dampfwalze alles nivellierende Konzernierung behaupten. Ein Riesenringen — wahrscheinlich nur mit wirtschaftlichen v Waffen — bereitet sich vor: Europa gegen Amerika, mit dem genialen und unabsehbaren Experiment des Sowjetstaats im Hintergrund. Es ist ein Machtaufgebot, wie es die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Ehe dieser Kampf nicht gekämpft ist, ehe eine Entscheidung nicht gefallen ist, wird auch''das wirtschaftliche Schicksal Europas, Deutschlands und der in Deutschland lebenden Juden ungeklärt bleiben. Es ist ein sinnloses Unterfangen, in dieser Lage Bevölkerungspolitik auf lange Sicht treiben zu wollen. In dem Augenblick, in dem in Deutschland der jüdische Untemehmergeist große und fruchtbare Aufgaben finden wird, wird das jüdische Bevölkerungsproblem gelöst sein, werden auch die Schleusen der ostjüdischen Einwanderung sich wieder öffnen. Wird diese Hoffnung sich aber nicht erfüllen, wird das alte Europa vom Amerikanismus vernichtet werden, nun, so wird mit dem deutschen Volke auch die deutsche Judenheit zu bestehen auf hören .... um "an anderer Stelle, in Amerika, Palästina oder einem anderen Auswandererland, als Glied der jüdischen Schicksalsgemeinschaft aufzuerstehen: Es wird nicht die efste ^Wanderung der Juden sein! Der Bürget, def Bourgeois und der Jude. Von Rabbiner Dr. l|gnaz M b y b a u m - Frankfurt a. O. Die jüdische Frömmigkeit braucht die Familie, die bürgerliche Ordnung,| die strenge Regel des Hauses. »Einst befand sich Hillel der Ältere auf der Reise und Hörte Geschrei -aus der Stadt/ da sprach er: Ich bih dessen ^sicher, daß dies nicht in meinem Hausd ist«. .<bJBer. 60a>. Die jüdische Frömmigkeit will gehobenes Leben disziplinierter Menschen, die sich einem festen Maß einfügen. Die soziale Konsequenz der jüdischen Religion ist die bürgerliche Familie, so wie die soziale Konsequenz des' Christentums das Kloster wäre, wenn es sich nicht durch Aufnahme alttestamentlidier Ideen vor dieser letzten Konsequenz bewahrt hätte. Auch unter den Ostjuden ist der typisch bürgerliche