Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Es bleiben mithin als jüdische Spezifika einzig und allein: , a> die-Konzentrierung in den Großstädten, b> die besondere) Berufssdiiditung. Beide Probleme stehen öffenbar in kausalem Zusammenhang^ das zeigt aber zugleich, daß sie im Wesentlichen | zwangsläufige Ergebnisse der Entwicklung sirtd. Nur krässe Utopisten werden an die Möglichkeit glauben] eine Berufsumschichtung der deutschen Juden mit (der Tendenz »zurück aufs Land« in einem irgendwie bedeutenden Umfange durchführen zu können. [So lobens- und fördernswert auch alle Bestrebungen sind, die auf jüdische landwirtschaftliche Siedlungen in Deutschland hinzielen, £ie sollten nicht tnit dem Hinweis auf das Bevölkerungsp roblem begründet werden, für das völlig unerheblich sind. Zudem hat xiie Enjüdischen Bevölkerung a». ■■■ aa.fl »a. u L Ein iS hat mit denp pnderen nichts wachsen hat, so! dürfte der Widersinn klar sein, der, darin liegt, (die SJachwuchsnot durdv Sozialhygiene, Wohnungsbau und Jugendpflege e der, wie Koralnik vorsdilj igt, durch »Sanierung der ostin Deutschland* beseitigen sie quöte des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ergeben, dalj die Verhältnisse in den KleinundMiltelgemeindeh, was die Eheschließungen betrifft, noch ungünstige# liegen als in den Großstädten. Bei der heutigen geringen Bevölkerungsdichte der Juden auf dem Lande kann dieses Ergebnis nadj dem Prinzip der fehlenden Auswahl nicht überraschen. Wollte man also dem »Zug nach der Großstadt« eritgegenwirken, so müßte man jüdische M a s s e nj Siedlungen in der Kleinstadt oder gar auf denj flachen Lande schaffen. Daß diese MöglidikeiHn D.e utschland niemals gegeben sein wird, dürfte außer jedem Zweifel stehen.! Die einzige spezifisch (jüdische Komponente innerhalb des allgemeinen Bevölkerungsproblems | ist also irreparabel. D^mit aber sieht sich die jüdische Gemeinschaft inj Deutschland vor einer Aufgabe, der die bedeutendsten europäischen Staaten trotz der ihnen zur Verfügung stehenden gewaltigen Hilfsmittel machtlos! gegenüberstehen. D i e Einschränkung d je r Geburten und Ehen ist, es muß inniger wieder betont werden, ein fundamentaleswirtschaftliches, na-tionalökonomisches Problem, — kein Wohnungsp4obIem und auch keine Frage der Sozialhygiene oder öffentlichen Wohlfahrt. Immer wieder, wird BeVölkerungspolitikj mit Gesundheitspflege verwechselt. Gesundheitspflege ist gut und wertvoll. Wir stehen aber, aas sollte doch endlich erkannt werden, nicht *vor dem Problem einer Verschlechterung der sozialhygienischen( Verhältnisse, sondern im Gegenteil ihrer jahrzehntelangen ständigen Verbesserung. Wenn trotzdem gerade in diesen Jahrzehnten das ] Jevölkerungsproblem sich zu seiner heutigen erschreckenden Gestalt ausge- — 5 zu wollen, zu tun! Es erübrigt sich die Vorscfiläjge b:tr. Baupolitik der jüdischen Gemeinden, di£ nunmehr vor kurzem , auch in j der! Repräsentanten- Ver »ammlung der Berliner Ge neinc e vorgebracht f worden sind, eingehend zu kri isieren/ es genügt die Erwägung, zu der auch Pinl ius*> kommt : Neubauten könnten nur in den Außenbe; irken errichtet werden. Gerade die Kreise,j für die sie bestimmt sein würden, sind aber mit dem Geschäftsleben des' Stadtkerns zu fest verbunden, sei es, daß sie dort ihre Geschäfte haben, oder aber, daß ihre Kunc schaff und ihre Lieferanten dort' wohnen. Die Mühe und finanzielle Belastungl die die tägliche Fahrt von den ^kußenbezii kenj in die. Stadt bewirkt, kann allenfalls von Angestellten und Handwerkern getragen werden, niibit aber von' dem Gros der kleinen jüdischen Händler und Agenten; denen durth^ die Neubauten in erster Linie geholfen werden sollte.;— Selbst Wenn man je loch damit rechnet, daß ehe Reihe jüdischer Ehes< hließungen durch Wohnungsbau gefördert werden würde, ist noch nicht gesagt, daß dann auch In diesen Ehen die i Kinderzahl j pro Ijihe die erforderliche Höhe erreichen würde. ■ Gtrade.das aber ist be\ölkerungspolitisdi das eigent iepe Problem. j Es bleibt rl »di der besonders von TI eilhaber**) unterstützte Vorsdlag von Erziehungsbeihilfen für drifte und mehr! Kii der. Wenn bis zum’ 16. Lebensjahr 500 RM. j ihr icjh pro Kind (in unterstützungsbedürftigen Far lilien) bewilligt werden, soerrechnei Theilhaber alle n fdr Berlin jährlich ei ieri Bedarl voll 1 Million1 R\L Er geht| dabei, von dem jetzigen Zustar Id aus, wönadv in Berlin pro Jahr* gapg etwa 120'solcher Kinder in Beträdit kommen Siöht man gaijz von der Fragwürdigkeit des Er-' folges ab — d|e ■familien, die bisher a i dem Ein- > unid Zweikindefsy item festgehalten haben, werden auch durch 50C|RM. jährlich nicht davor abgebracht werden könnet I — und nimmt im Gegenteil, womit Theilhaber ja lechinn muß, einen wesentlichen Gebifrtenanstieg; n, so erhöht sich; natürlich zwangsj» läufig der Zus huf bedarf. Will er also bei sein Methode früh t 3ler später dazu kommen, da) jährliche BeVöll eru a jsdefizit Sud» nur in zugleidien, da! si i *) Zeitschrift *•) Zeitschrift I 4 Berlin at 1927 nach seiner Angabe ai für ji kdische Wohlfahrtspflege, ür j irische Wohlfahrtspflege 1 1929 Heft::. 929,2. Beihef:.