Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Methode des Intellektualismus sich verlassen sollen, bedeutet für den Menschenkreis, der solches wagt, geradezu Lebensgefahr. Wir werden, wollen wir eine lebendige Gemeinschaft sein, bewußt als Juden uns betätigen müssen. Dann wird das Jüdische in uns und das Wissen 'einzelner Brüder vom jüdischen Kulturgut uns von Fall zu Fall den »Jüdischen Maßstab« rasch entwickeln und so Jeweils bei den großen Problemen bewußt-jüdische Lösungsversuche ermöglichen. Die drei Hamburger Logen haben sich, wie sie uns mitteilen, zur Schaffung eines Arbeitsausschusses für Angestelltenffagen entschlossen. Unsere Arbeitsgemeinschaft, der Marc. Horovitz-Loge will praktisch an der Bekämpfung der örtlichen Arbeitslosennot sich zunächst weiter mühen.. Auch die anderen Logen im Reidt sollten das hier angeschnittene Thema nicht als eines von vielen, sondern als ein in mancherlei Hinsicht entscheidendes erachten und — daraus praktisch und theoretisch die Konsequenzeh ziehen. Kein Zweifel, daß bei solchem Beginnen sehr rasch sich .andere hochwichtige Angelegenheiten im Völkerleben vor unser Forum einfinden und zur gemeinsamen Stellungnahme drängen werden, aber auch alsbald jedem ernsthaft mitarbeitenden Bruder das frohe Gefühl vermitteln werden, nun erst einer lebendigen Gemeinschaft ari^ugehören. Die Brücken zur jungen Generation;-'die mit solchen Gestaltungen bereits ernsthaft begonnen hat, die Brücken zur jüdischen Gesamtheit, die wir als »Führende« aufrütteln und mitreißen müssen, die Brücken zu den großen schaffenden Körperschaften, den Parlamenten, den Wirtschafts-Organismen, sehe ich deutlich sich abzeidinen. »Wenn Ihr wollt«, Brüder, wenn Ihr im eigenen Kreise die »jüdische Lösung« der großen Zeitfragen miteinander gefunden haben werdet, so werden die wirklichen Brücken ins Leben hinaus rasch geschlagen sein. Was können die Logen für die Musikpflege tun? Von Br. Artur Holde - Frankfurt a. M. Das Wirken der Bne Bnß-Logen in ethischer, insbesondere humanitärer'Hinsicht ist jedem Mitglied, mag es auch an der praktischen Durchführung nicht immer unmittelbar beteiligt sein, so vertraut, die Mitarbeit auf allen Gebieten des jüdischen Geisteslebens fiodet im Rahmen der Logentätigkeit so lebendigen Ausdruck, daßbei-ällen Verschiedenheiten der „Anschauung in bezug auf Einzelheiten der Zielsetzung die Grundhaltung nur verhältnismäßig xlten Gegenstand einer Auseinandersetzung zu sein braucht. Gewiß muß eine Gemeinschaft, die in engem Zusammenhang mit den Vorgängen . der Umwelt steht, imstande sein, die Blickrichtung und damit manche Punkte des Arbeitsprogramms zu ändern, will sie sich nicht des Einflusses auf die Gesinnung und .die Lebensgestaltung ihrer Mitglieder begeben. Diese Gemeinschaft ist sogar verpflichtet, die Ideale immer wieder zu überprüfen; 'diel einer früheren Generation vielleicht unumstößlich erschienen. Aber selbst die schärfste und freimütigsteTKritik am Bestehenden, selbst die nachdrücklichste Forderung nach Regeneration der Ideen läßt die Grundpfeiler unangetastet, auf denen sich das ganze Gebäude einer solchen Brüderschaft erhebt. Nicht vom ähnlichen Gesichtspunkte aus lassen sich die Beziehungen der Logen zur Kunst Und zu den Künstlern betrachten. Die Ver- > ..... bindung der Logenarbeit mit gewissen ethischen Gesetzen, die ja auf sehr einfachen, jedem dem Guten Zustrehenden leicht einleuchtenden Normen menschlicher Gesittung beruhen , kann nicht so ohne weiteres Parallelen auf den Gebieten der Kunst finden. Außerdem fehlt es den Logen in der Kunstpflege schon ganz allgemein an einer Tradition. Der Eintritt des Juden der Diaspora in die Kunst als Schaffender, als Reproduzierender und als Aüfjpehmender ist so jungen Datums, daß von einer organisdien Entwicklung, von festen Zusammenhängen noch laicht gesprochen werden kann. Daß die in den Logen zlrsammengefaßten weiten Kreise des intellektuell und menschlich hochstehenden Judentums für die Kunstpflege, wie sie sich uns im. öffentlichen Leben, darbietet, schwer-ins Gewicht fallen; bedarf nicht der Hervorhebung. Ein Blick in die Theater, in die Konzertsäle und Ausstellungsräume führt zu der Feststellung, daß das jüdische Bürgertum in einem unverhältnismäßig hohen Prozentsatz am künstlerischen Geschehen der Zeit teilnimmt. Wir wissen auch, daß die Quote der als Schauspieler, Regisseure, Theaterdirektoren, als schaffende, nachschaffende Tonkünstler, als Kritiker an europäischen Kunststätten tätigen Juden oder mindestens Abkömmlingen von Juden so hoch ist, daß die »Verjudung 210