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Der Orden Bne Briss · 1929-11-01 · Nr. 11 - November · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 11 - November
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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stellten seine Richtigkeit hat. Mehrere Brüder haben sich darum bejahend zu unserer Frage geäußert und einer meint, gerade die erwogene Lösung treffe den Kern der Problematik der älteren Angestellten. . . Ein Bruder schlägt Steuerermäßigung bis zür Einkommenshöhe von 8400 Mk. vor, ein anderer weist darauf hin, daß ein Steuemachlaß bis zur Höhe von 8000 Mk. Einkommen gesetzlich vorgesehen sei. Mit diesen Vorschlägen ist'freilich nicht der gleiche Ausweg gemeint, den wir bei unserer Präzisierung im Auge hatten. Auch bei unserer zweiten Frage gingen wir von der unbestreitbaren Tatsache aus; daß die weit verbreitete Arbeitslosigkeit, % zumal der älteren Jahrgänge, wenigstens zu^ einem größeren Teil Folge der bestehenden T a r i f j e r u n ge n ist^ Wir gaben daher zu erwägen, ob die Wiedereinstellung oder die Unterlassung des Abbaus vieler und gerade älterer kaufmännischer und technischer Angestellter dadurch erleichtert werden könne/ daß man an Stelle der meist, üblichen Steigerung des Qehaltes parallel mit den Lebensjahren, die Progression entsprechend den A r b e i t s j a h r e n treten lasse. Wir haben uns dabei selbst gesagt, was auch von einem Bruder eingewandt wurde, daß dies in vielen Fällen keinen Unterschied bedeute / nämlich bei all den Angestellten, die von Beginn an im gleichen Beruf und in der gleichen “Firma tätig sind. Aber nicht nur in und nach einer Inflationszeit gibt es vielfachen Berufswechsel. Gerade die in neuerer Zeit oft zu beobachtenden Konjunktur - Schwankungen ganzer Wirtschaftszweige bedingen nicht bei den Schlechtesten wiederholt den Versuch, das Glück in einer anderen »Branche« neu zu versuchen. Mehrfach antwortete man uns, die Aenderung der Tarifierung nach Arbeitsjahren bedeute keine gewichtige Neuerung, weil bereits an manchen Plätzen oder bei einigen Berufskategorien der Aufbau der Tarife nach Arbeitsjahren bestehe öder eine Synthese von Lebens» und Arbeitsjahren umschlösse. Gerade aber von Brüdern, die bei Abschluß von Tarifverträgen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebergruppen führend mitwirkten <Berlin, N ürnbetg), wurde eine Aenderung jm Sinne unserer Fragestellung als weiterführend bezeichnet. Ein Bruder erwartet Erleichterung der Vertragsabschlüsse, wenn lediglich ein dem Existenzminimum entsprechendes Anfangsgehalt gesetzlich festgehegt würde, die Erhöhung des Gehaltes der freien Vereinbarung entsprechend den Leistungen überlassen und eine Steigerung von Jahrfünft zu Jahrfünft vorgesehen werde. In einem Referat <aus Tilsit) wird eine jährlich fortschreitende Steigerung bis zum Höchstgehalt im 12. Arbeitsjahre vorgeschlagen. Dieses Höchstgehalt soll so bemessen sein, daß es auch für Verheiratete ausreicht. Steigerungen nach dem 12. Arbeitsjahre sollen der freien Vereinbarung überlassen werden und im Falle die Steigerung dann den billigen Lebensansprüchen nicht genügt, sollten Staats- Zuschläge vorgesehen werden. Wieder ein anderer Bruder erwägt die Gehaltserhöhung in größeren zeitlichen Zwischenräumen (alle 5 Jahre), lehnt diese Variante jedoch ab, da Sann eine Zunahme der Entlassungen gegen das 40. Lebensjahr zu erwarten sei. Die Not, zu deren Bekämpfung wir mit unserer’ dritten Frage Kräfte : mobilisieren wollten, betrifft nicht das Heer derer,j die man heute gemeinhin als »Arbeitslose« bezeichnet. Und doch ist sie nicht minder drängetra und unseren Orden berührend, da es bei dieser Erscheinung unserer heutigen Wirtschaft um die Not einer Menschengruppe geht, die, dem Alter und der sozialen Schichtung nach, dem Durchschnitt unserer Brüder ganz nahe steht. Baten wir doch um Vorschläge gegen die Beschäftigungslosigkeit der bisher Selbständigen, der aus der Bahn geworfenen, zahlreichen Menschen, insonderheit jüdischer Menschen des Mittelstandes, aller derer, die ein Opfer der gewaltigen Konzentrationsbewegung und Rationalisierung in der Wirtschaft wurden und werden. Indessen gingen hierauf die antwortenden Brüder am wenigsten ein. Vielleicht weil hier eine Antwort am schwersten ist, und weil sich hier geradezu schicksalhaft etwas ganz Neues vollzieht, dem gegenüber wir fast fa'ssungslos sind/ vielleicht weil, wie einer der Brüder meint, »hier alles noch im Flusse ist«. Daß man die Not der ehemals Selbständigen nicht unterschätzt, zeigt das Wort eines Bruders, der die große Zaßl der »Arbeitslosen« als übertrieben erachtet und hinzufügt, die Not der einst Selbständigen, das sei die eigentliche Not der Arbeitslosen. Allgemein tritt zutage, daß man die Konzentrationsbewegung in der heutigen Wirtschaft als etwas Gesetzmäßiges empfindet, lieber das Ausmaß differieren bei der Tragweite dieser Bewegung freilich die Ansichten beträchtlich. Während die Bruderschaft in einer seit dem Krieg mächtig entwickelten rheinischen Stadt (Düsseldorf) die zunehmende Tendenz zu den Großbetrieben als ein Unglück empfindet, meint der für eine östliche Loge (Liegnitz) referierende Bruder, man »überschätze die Gefahr der Großbetriebe« bei weitem. Zum Beweise seiner Auffassung zitiert er eine Statistik von Prof. Julius Hirsch> nach der der gesamte Jahresumsatz im Einzelhandel auf ca. 30 Milliarden, der auf Konzerne, Warenhäuser, Konsumgesellschaften und Geriossenschaften entfallende Anteil aber nur 208 —

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