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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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aus dem Judentum mit der persönlichen teressante Historie, weil die inijerliche Entscheidung, die verkündende Betonung ganz fehlt, durch die erst eine grpße dramatische Gruppierung möglich wäre. Weder als ein zerstörendes Verhängnis, noch als eine tief notwendige höhere Wahrheit läßt Werfel das Christentum hervorgehen. Nur als eine Psychologie des Paulus verknüpfte geschichtliche Tatsache, Und das ist zu wenig für eine Dichtung, die uns innerlich wichtig werdejn soll. — Sehr viel tiefer mit dem Sinn des Judentums und der Geschichte verknüpft ist ein dramatisches Gedicht, dessen Stoff gleichfalls der späteren jüdischen Geschichte, wenige Jahrzehnte na& Paulus, aber ohne Beziehung zum Christentum, entnommen ist. Das letzte Werk des so früh verstorbenen Mqritz Hdmann hieß »DasWeibdesAkkiba«. Es gestaltet das Leben des jüjdischen Weisen, der als ein »Wilder vom Felde«, ein naturhaft kriegerischer Knecht beginnt, (der von der Liebe zu einer klugen Frau gefühijt, sich dem Geiste zuwendet, und der schließlich im Römeraufstand der Juden ein Krieger und ejin Weiser zugleich: . ein Märtyrer, endet. Dieses große Gedicht, überreich an Schönem und Tiefemj ah Jüdischem und Menschlichem, verdiente eine eigc ne, sehr gründliche Darstellung. ' Ich möchte aber zum Schluß zwei Dichtungen hefvorheben, deren Zusammenhang mit dem Judentum mir ein sehr tiefer i scheint,-obwohl sie weder der biblischen Tradition,; noch der jüdischen Geschichte entstammen und mit der diassidischen Legende nur in einer punktweisen Berührung stehen. Aber aus dem Leben dpr seit Jahrtausenden von'der Welt verfolgten, von ^ler Gottessehnsucht erhaltenen Judenschaft stammeh beide und rühren sehr tief an das eigentliche jüdische Schicksal. Das eineist: »Die Jagd Gottes« von E m i 1 Bernhard. Unter den von Kosaken bedrohten Juden eines Karpatendorfs taucht ein junget Betrüger auf. Er gibt sich als Sendboten des in der Ferne erschienenen Messias, er will in Wahrheit den Leuten nur Geld und Gut aus dem Kasten locken. Durch sehr ungöttliche Härte und Bosheit innerhalb seiner jüdischen Heimat verbittert, will er voll Trotz und Hohn den Glauben seines Volks nur als Werkzeug, als Lockmittel benutzen. Aber das Werkzeug ist stärker als der, der es handhaben will ,• der Geist des Glaubens, mit dem er spielt,, überwältigt ihn selber/ der Jäger wird zum Wilde. Als die blutgieriger Kosaken schließlich das Leben eines Gemeindemitglieds fordern,, ist er es, der Betrüger, der hmausgeht in den Tod, um für alle zu sterben. — In dieser Dichtung, in der es gar keine äußeren Wunder gibt, bricht mit wahrhaft mystischer Kraft die innerste dunkle Macht des Judentums ans Lidit. Nur ein Drama ist mir bekannt) das in noch größerem Stil vpn *der jüdischen Sache handelt. Aber eigentlich ist es nur ein Akt, dem alle Bewunderung gelten muß. »Die goldne K le 11 e « hat einen -genialen ersten Akt, den sie nachher durch Wiederholung abschwädit <In den folgenden beiden Akten wiederholt;;ich an nur äußerlich verändertem Thema in aufeinanderfolgenden Generationen das Schicksal des Mannes,, der in der Mitte dieses grandiosen ersten Aktes steht.) P e r e z ist in der ostjüdisdien Literatur jja ein bekannter Autor. Er ist a Lieft j Verfasser jener. »Nacht auf dem alte n-Markte t, die: freilich nur als Leitfaden einer riesigen Pantomime in der Inszenierung Granowsky's berühmt geworden ist. Das Wesen ajjt:r jüdisch » polnischer Gemeinden, die von den Wundern chassidischer i Frömmigkeit spukhaft erfüllt sind, spiege t sich jedenfalls auch dort. Aber hier, in dieser »Goldenen Kette« ist ein Motiv altjüdischer Frömmigkeit ergriffen, und ohne allen Spuk zu einem tragischen Seelen wunder gestaltet. DerRabii, der uralte fromme Mann, der das Heil der Judenschaft find der Welt seit Jahrzehnten kummervoll auf der Seele trug, beschließt nun, auf der letzter Höhe des Lebens, dem Ende nah, endlich die Welt zu retten durch eine wunderbareL erschütternd e nfache Maßregel: Es ist Sabbath J— und er wirjl nicht Hawdole machen! Der Feiartag wird nicht,pnden! Alle Geschäfte werden für immer ruhen und aller Zank und Streit, und überall auf der Erdfe wird für immer der feiertäglichei Dienst Gottes; sein! Eine wunderbar große un l doch zugleich (wahnsinnige Idee — und also c i n e i m reinsten und höchsten S i n rje t r a g i s c h e!„ — Die Gemeinde empört sich Denn die Menschen wollen in Wahrheit nicht las Reich Gottes, sie wollen ihr Geschäft und i jren Streit. Diej Vorsteher setzen den alten Rjbbi ab als verwirrten Geistes, sie setzen seineri harten, buchsitabengläubigen Sohn ein — und, Jer macht Hawdole. Der Alltag ist gerettet und Üer greise Gottesmann stirbt. Das ist die jüdischste jTragödie, die ich kenne 195 r- (

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