Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdisch-amerikanisches Mili- :u qnd die üblichste aller Liebesgeschichten führt dei Knaben Abraham mit Rosa, der Tochter eines r imisch - katholischen Iren zusammen.- Die unversö inlich scheinenden Väter werden schließlich durch die überlegene Klugheit ihrer beiden Seelensorger, die ein ander im Kriege verstehen » und schätzen gelernt heben, zusammengebracht. Natürlich ist diese Lehre der^ Toleranz (letzter, dünnster Aufguß von Lessings »Nathan« und deshalb für Europäer nidi gerade sehr interessant) löblich und erfreulich. AI »er nur die Verschiedenheit zweier Konfessionen st nötig, um das Thema zu behandeln , der irische -*apa benimmt sich ebenso beschränkt wie der üdisdie, der katholische Priester genau so weitherz ig klug wie der Rabbiner. Es ist also an sich durch tus nicht nötig, daß das Stüde unter Juden spielr, :s könnte sich gerad sogut um Katholiken und Potestanten handeln. Merkwürdiger ist ja ein Fall, in dem das" jüdische Milieu New Yoiks von einem nichtjüdischen Dramatiker aufgrgriffen wurde. Theodor Dreiser, als her\orragender Romanautor im modernen Amerika bekannt, schrieb ein Stück »Ton in des Töpfprs H,a nd«: eiri junger Mensch in einer armselig^ 1 jüdischen Familie New Yorks, schweb krankhaft belastet, begeht einen Lustmord. Und nun versucht dieg mzeFamilie, ihn zu decken durch falsches Zeugnis, tis der Vater vor dem Untersuchungsgericht schlief lieh zusammenbricht und alles gesteht. Es ist durciaus klar, daß hier das jüdische Milieu nicht zufläll g ist. Denn das Verbrechen an sich ist, wie jede Auswirkung eines feinen Krankheitsfalls auf] der Bühne, ganz undramatisch. Ein tiefere^ Interesse kann nur -an ‘dem inneren Kampf der Familie haften, bei der das im weiteren Sinne sozi de Gerechtigkeitsstreben in Konflikt mit dem prim tiv sozialen Familiengefühl gerät. Und Dreiser war nach Tradition oder Anschauung offenbar davon überzeugt, daß jüdisches Familiengefühl e was so mächtiges ist, daß es sich zur Darstellung dieses Konflikts besonders eignet. Das mag auch wahr sein. Aber ein jüdisches Stück von tieferem Interesse wäre erst dann entstanden, weqn auch die Gegengewalt, der Zwang zu höherer Gerechtigkeit, aus dem religiösen Wesen des Judentums abgeleitet worden wäre. Das hätte sehr wohl gesch|ehen können, aber hier, wie auch sonst l eweist das Dreiser'sche ’ Stüde wenig geistige Eneigie und wird deshalb von dem kraß Stofflichen all zu sehr überwuchert. Merkwürdigerweise zeigt ein anderes, viel diskutiertes Judenstück eines nicht jüdischen Verfassers die beinahe umgekel rte Tendenz wie »Ton in des Töpfers Hand«: in dei »Gesellschaft« von Galsworthy, de. eigentlich »Loyalities betitelt ist, muß 'sich der Wille zur Gerechtigkeit gegen den Kliquengeist der englischen Aristokratie durchsetzen, die einen Schuldigen gegen den jüdischen Kläger auf alle Falle in Schutz Nehmen möchte. Damit greift djamatische Absicht nach dem Thema des Antisemitismus, tjnd für den Kampf einer nicht vollkontmen angepaßten Minderheit innerhalb einer Nation. Für dies freilich sehr dramatische Thema gibt es heute keine Darstellungsmöglichkeir, die sc verständlich, verbreitet, interessant wäre, wie» der jüdische Fall. (Die Inder frejlich könnten es a t ihren urarischeni Parsen exemplifizieren!> Das erfo greiche Stück Vpn' Unger »Der rote General« ist in Darstellung des antisemitischen Motivs stak und auch interessant, weil es den Durchbruch uralten Vorurteils inmitten einer Revolution zeigt, die programmatisch doch mit allen Vorurteilen wie Vorrechten aufzuräümen willens ist. „ Tiefer als "diese und andere , szenische Abhandlungen über den Antisc mitismusigriff vor Jahren schon Arnold Zweig, der ja inzwischen das Phänomen des Antisemitisn us auch in einem großen Buch untersucht h^t'. Sein außerordentlich begabtes Erstlingswerk hieß ursprünglich »Ritualmord in Ungarn« unc wurde tspäter in j» D i e Sendung Samaels.» umge#andelt.; Die Titeländerung ist charakteristisch, denn dies Stück stellt in einer Flucht außerordentlich stark skizzierter realistischer Szenen den berihmten Fall* des Ritualmordprozesses vom Tisza Eszlar dar/, aber zwischen den Realszenen liegen m; rstische, die vor dem Throne des Elohim spielen-i nd in denen Samflel zur Prüfung und Erweckung des alten Volkes di^ Blutlüge wieder unter die Menschen bringen soll -Diese mystischen Szenen, bedeutend in. der Meinung, groß im Ton, aber schwach als theatralische Motive; treten in der späteren Fassung stärker hervar, als die vom Vorbild Büchners genährten, hinreißend starken Realszenen, die im künstlerischen! Sinne eine viel reichere Phantasie zeigen! — Arnold Zweig hat sien seinen Sinn für die jüdische Klystik bewahrt und bat noch in neuerer!Zeit ein Drama geschaffen,,/das im Grunde genommen auch vom 1 antisemitischen Problem handelt. Es istj aber Martin Buber, dem Wieder erweck-er der jüdischen Mystik gewidmet und hat aen chassidischen Wundertäter, den Baalschem, zur dramatisch entscheidenden Gestalt. Es handelt sich qm den Fürstbischof von Brixen, der von. Geburt ein Jude aus Wilna war, und dann zän mächtigen Jqdenverfolger wurde. Hier erfolgt nun seinje » U nvlte h r « durch das Eingreifen des B ialschdm: der Bischof, 193 -