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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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ohne »Chein« geht so was nicht. Und was wir bisher geleistet, war eben »unbecheint«. Aber man soll nicht aufhören zu arbeiten, und so lang gearbeitet wird, darf man auch hoffen. Der Schreiber dieser feilen, der selbst, unterstützt und beraten von vielen verständigen Brüdern, die gleicher Meinung sind, wie er, das Gebiet der Jugendschrifteiei betrat und durch seinen »Jüdischen Jugendkalender«, der soeben zum zweiten Mal erscheint, zu zeigen oder wenigstens anzudeuten versuchte, wie er es meint, muß selbstverständlich über diese Versuche das Urteil anderen überlassen. Aber er fühlt sich eins mit allen, die arbeiten wie er und guten Willens sind wie er, ihr Leben der Jugend zu weihen. Auch ihm gellt es wie sicher allen, die vor ihm wirkten und auf deren Leistung er jetzt weiter baut, um den Schuß ins j Herz der Jugend, den Meisterschuß. Sollte er ihm nicht gelingen, so werden andere kommen, die es besser machen als er. Aber auch sie kann er nur begrüßen mit dem Wahlspruch: Speremus et agemus! Jüdische Dramen. Von JutiusBab. Natürlich ist der Anteil von Menschen jüdischer Herkunft an der allgemein literarischen, w'e an der dramatischen Produktion innerhalb der heutigen Weltliteratur interessant und ernsthafter Betrachtung wert. Aber nicht das ist das, Thema, das uns hier fesseln soll. Wir fragen dem j ü * dischen Thema in der modernen Dramatik nach. Steckt in dem spezifisch Jüdischen der Tradition oder des gegenwärtigen Lebens ein fruchtbares Thema für dramatische Dichtung? Gibt es menschlich bedeutsame Kontraste, deren Kampfspiel der Dramatiker am besten durch Begegnungen jüdischer Menschen darstellt? Die Frage ist deshalb nicht leicht zu beantworten, weil der jüdische Autor die Menschenwelt, wenn nicht ausschließlich, so doch jedenfalls zuerst im jüdischen Milieu kennen lernt. Wenn es ihn zur dramatischen Darstellung drängt, so wird er schlechthin alle Konflikte kosmischer, seelischer, sozialer Art als Spiel zwischen jüdischen Menschen darstellen. Aber das beweist nur, daß diese Dinge eben auch zwischen Juden spielen-können, weil Juden Menschen sind ,• es sind keine Konflikte, die man ausschließlich oder do& am besteh im jüdischen Stoff darstellen kann. Das gilt mit getingen Einschränkungen für" die ganze, große, in der jiddischen Sprache geschriebeneT h e a t e,r- 1 i t e r a t u r, mag sie nun im polnisch-jüdischen Milieu oder, was heute fast schon eben so häufig ist, in dem Riesenghetto New Yorks spielen. Natürlich gibt das jüdische Milieu und auch das spezifisch jüdische Wesen mancher Gestalt in diesen Stücken eine besondere Farbe. Aber mag es sich nun um düstere Sozialproblematdc bei Scholem Asch oder um einen gemütvoll derben Schwank wie die weitbekannten »Pottasch undPerlmutter« handeln, man wird kaum sagen können, daß hier dramatische Gebilde vorliegen, die ausschließlich im jüdischen Lebenskreis spielen können. Es ist in diesen^Zusammenhang vielleicht ganz interessant, an den Dramatiker Ossip D y m o w zu erinnern, der ursprünglich sehr feine, weiche psychologische Stimmungsstücke aus russischem Milieu schrieb — fast etwas wie ein slawischer Schnitzler. Dann kam er in die New Yorker Judenstadt und schrieb Theaterstücke, die die Realität mit leiser. Phantastik steigernd, das amerikanisch-jüdische Milieu malen <»Bronz- Expreß«). Mit einem anderen sentimental - phantastischen Stück kehrte er in den alten ostjüdischen Lebenskreis ein r »Jussuff«. Aber mit all diesem Kostümwechsel hat Dymow doch eigentlich keine neuen Darstellungstendenzen gewonnen. Sein Thema ist immer noch die gleiche, sanft staunende Melancholie, die etwas müde Skepsis, die schon in seinen russischen Milieustücken herrschte.j_ Keineswegs durch geistig künstlerischen Rang, aber durch einen schlechthin beispiellosen wirtschaftlichen Erfolg ist das Stück von Anne N i c h o 1 berühmt geworden, das man in Deutsch- ' land unter dem Titel »Dreimal Hochzeit« gibt. Es heißt aber eigentlich »Abbies, Jrisfi Rose« ist 6 Jahre hintereinander in New Y°fk/| von einem Dutzend besonderer Truppen im ganzen englischen Sprachgebiet gespielt worden, für eine, Million Dollars wurden die Verfilmungsrechte abgegeben und der Tonfilm wird neuerdings der Verfasserin nicht weniger eingebracht haben. Und was ist dieses nilpferdhaft aufgeschwollenen Pudels Kern? Ein kleines Milieustück, das wenig originelle freundliche Humore mit einer noch viel weniger originellen liberalen Tendenz verbindet. Es ist 192

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