Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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L: verbreitete Kunst, vor nicht zu kümmern brau zieme. Zu schreiben, leichter, weil es dazu bedarf. lind es ist allem, au ht, daß das, was am meisten gefäljt, sich gewöhnlich nicht ziemt, und das, was sich ziemt, gewöhnlich grenzenlos langwei schrift muß aber — anders als Casanova, Shake* speare und Goethe es dingungen erfüllen, muß nötig hatten, — beide Be» gefallen und sich ziemen zu immer erstrebte. Solang ist gepredigte Moral lieh vergolten. Solange können, ist die gelebte u gewesen. Die Literaten wenn sie aber den Wuns zu werden, müßten sie darum herum: »Erlaub sich ziemt.« Ja, es ist weil man sich ja dabei ob es sich denn auch was sich ziemt, ist noch ja keiner wirklichen Kunst dazu doch meistens so. ig ist. Die gute Jugendgleicher Zeit, was frei! ich die höchste Kunst auch : Menschen denken können, immer der Todfeind aller Kunst gewesen, und didse Feindschaft wurde redaber auch Menschen denken ld d. h. die wirkliche Moral immer der höchsten Kunst allerhöchste Vollenderin hören das zwar nicht gerne, h hätten, Jugendschriftsteller es hören, sie kommen nicht ist, was gefällt und was sogar geboten. Daher kömmt es auai, daß man unsere Dichter so schwer bewegen kann, : ich mit Jugendschrifteiei zu befassen. Sie halten cs für unter ihrer Wurde. Tolstoi hat anders gedacht und wurde, indem er Volkserzähler wurde, auch ein Jugendsjhriftsteller. Er hat uns damit gezeigt, wie nah das Kind dem Volke und das Volk den Kindern ist. Wer es jjeute, wo das Volk sich wiede in den Völkern regt, fertig brächte, nicht bloß die Masse Mensch hinauszuposaunen, sondern auai für diese Masse Mensch das Schreibebrot zu backen, d. h. die Volkserzählung für das Kinlervolk der Zeit, das wäre unser Mann. Statt de;sen, was sieht man? Die schreibenden Talente halten sich fern und Lehrpersonen und Schreiber zweiten Grades bemühen sich ijn Schweiße ihres Angesichtes, eine unmögliche Jugendliteratur zusamm:nzubrauen. Sie erzählen, von wenigen talentiert :n Ausnahmen abgesehen, immer wieder die alter Märchen, wo die Blumen reden und der liebe Mond ein guter Onkel ist, wo der Frosch dem Fr; uleitj Libelle einen Heiratsantrag macht und unter Regenwetter der Mistkä wobei selbstverständlich macht. Sinnlos — das phantasielos — das isl los — das verdient dem Dach eines Pilzes bei er mit der Maikäferin tanzt, die Grille die Musik dazu wäre noch nicht schlimm, — bedenklich, — spannungs- Pri gelJ Denn heute ist nicht mehr gestern, und die ] ugendschrift von heute muß technen mit der Zeit. Was will die Juj;end unserer Zeit? Wo ist der Schuß, der sie in: Herz, mitten ins Herz zu treffen vermag? Diese oder gemütlichen Herrn Erzieher!von gestern gleichgültig erscheinen. Sie ist in ,Wahrheit die erste und letzte aller Fragen. Unsere Jugend will zunächst einmal Kino,* hre Phantasie ist reger als jei, sie erlebt im Lichtspid Tag für Tag die reißende Atemlosigkeit der Zeit. So ist weder das Märchen, noch die Legende, sondern allein die spannende Kurzerzählung, das strotzdnde Abenteuer, die- Bühnd, auf der der zunächst einmalauszudie pralle Schulgeschicht», Jugendschriftsteller sich leben hat. Wohlgemerkt, nur zeigen hat, was er k a dieser unruhigen Jugend Unbedingtheit oder Mi zieht zu geb'en darf er se|n, nur Jang vermeiden, nur Frische ‘Der wahre Jugendsdi wahrer Volksmann seir. — die iBühne, auf der er zu in; was er will, ob er heute Antrieb oder' Bremse, de, Heroismus oder Verwünsdif, ist seine Sache.. Alles heilig nicht. Alles darf er und Fröhlichkeit nicht, riftsteller . wird Ist es schriftelei s | nun schon jo, daß sie immer ein in der allgemeinen Jugendvon alledem das Gegenteil hält, so ist es doppelt traurig, zu sehen, daß es bei uns Juden überhaupt noch keine Jugendliteratur gibt. So gut wie keine. Denn alles, was sich bisher als jüdisches Jugendbuch anböt, war nichts als Zusammenstellung, Sammlung, Wiederholung und * Neumischung längst vorhandenen Materials. Immer Legenden, . Verfolgüngsgesdiiditen, zwanzig Jugendbüchern versind sie bestimmt, das einund- I zwanzigste noch langweiliger und abgedroschener zu machen als das zwamigste war. $eit Jahren bemüht sich unser Orden um die^ Schaffung einer jüdischen Jugendbücherei, sejt Jahren j ohne eigentlich positives Ergebnis. Wie kommt das? Warum sind wir noch immer so weit hinter den anderen her, wo die anderen, doch selber noch so weit zjntück erscheinen? Ein einziges Wort gibt die Antwort: Wir* Juden haben eine (eichte Feder, wir h^ben Talent, manchmal auch fehlt uns: Humor und dieselben alten Sippurim, Balladen, in braucht und abgegriffen, Phantasie, F r i s di e ein bißchen Schreibeta zweierlei Unserem I-ehrstand, der. vielleicht, wenn ent sich fände, am ehesten die Aufgabe zufiele, hier einzuspringen, ist in dem Lebenskampf, zu dem die jüdisdien Gemeinden ihn verurteilt haben, der Humor vergangen, es-gibt wenig Frische in der jüdischen) Lehrerschaft. Zudem gehört zum'echten Hümor eine so große.Portipn gesunder Naivität, wie. nan sie nutj einmal bei Juden leider nur sehr selten findet, trotz des Witzes, der bei uns zu Hause ist. 'Aber ohne Humor und Frische, oder sprechen wir ni r' deutlich unsere Sprache: 191