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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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mud, der, wenn er nicht abgewehrt worden wäre, übertünchten Flecke, welche das Zerstörungswerk , zu einem planmäßigen Kreuzzug gegen das jüdische der Zensoren anzeigen. Die schlimmste Folge für < Schrifttum geführt hättef die Juden waren die ständigen Nachprüfungen ihres Es kam nicht dazu. Papst Leo X. erteilte die Bücherbestandes durch die Funktionäre der Inqui- Erläubnis. zum Drude des Talmuds/ die Bibel mit sition, weil diese Einrichtung eine Quelle unaufrabbinischen Kommentaren und eine Anzahl anderer hörlidier Verleumdungen, Beunruhigungen und rabbinischer Schriften erschienen gleichzeitig in den Erpressungen wurde.' großen Druckereien von Venedig, und damit schien Eine Vorzensur für hebräische Bücher fand die Existenz dieses Schrifttums für alle Zeiten nicht statt, es genügte, daß die allgemeinen Vorgesichert. Nicht ganz so dachte die Kirche. Im Schriften der »Reinigung« befolgt wurden. Erst in Zeitalter der Gegenreformation wurde 1550 noch kirchlich sehr strengen Ländern, wie in Oesterreich einmal die Verbrennung des Talmuds angeordnet, und Polen, ist auch die Vorzensur später eingeführt und in den folgenden Jahien flammten in Rom, in worden, aber man darf wohl sagen, daß die Juden Venedig und an verschiedenen anderen italienischen unter dieser Gewaltmaßregel nicht mehr zu leiden Orten Scheiterhaufen für den Talfnud und die hatten als die andersgläubige Bevölkerung. Mit berabbinischen Schriften auf. Dennodi aber mußte sonderer Strenge waltete, wie in allen Zweigen des selbst die I£irche erkennen, daß im Zeitalter des Geisteslebens.die Zensur bei den hebräischen Büchern Buchdrucks und des Vorhandenseins von jüdischen in Rußland. Die russische Regierung fürchtete eine <■' Druckereien in mohammedanischen . Ländern der Gefährdung ihrer Existenz durch die Verbreitung Scheiterhaufen kein Schutz gegen angeblich gefährvon Büchern aus dem Ausland und setzte sogenannte liehe Lehren war. Die Juden bemühten sich, ihrer- »Gelehrte Juden« ein, welche aus dem Ausland seits, der Wiederholung so grausamer Vorgänge» eingeführte Bücher zu prüfen hatten, Sie errichtete _ entgegenzuwirken. So kam es zu einem Kompro» auch inländische Druckereien, um den gefährlichen miß, der Besitz ihrer Schriften wurde den Juden Import zu bekämpfen, wandelte jedoch die Zensurgestattet, wenn sie sich dazu verstanden, gewisse bestirrtmungen derart um, daß an der Stelle von anstößige Ausdrücke oder Stellen aus ihren Büchern Auslassungen keine Lücken mehr stehenbleiben zu beseitigen. Selbstredend wdten es wieder in der durften, damit der Leser nicht ahnte, daß ihm ein Hauptsache getaufte Juden, die als »Sachverständige« Stück seines geistigen Gutes vorenthalten worden die Regeln angaben, nach denen das jüdische Schriftwar. Diese Eigenart-der russischen geistigen Betum zu »reinigen« war- Wie bei allen derartigen vormuridung hat sich bis auf den heutigen Tag Zensurleistungen kamen auch hier Bravourstücke erhalten, die Einfuhr von Büchern aus dem Ausvor, die dem Leser das Lachen abnötigen. Anstelle land wird von der allezeit argwöhnische/i Sowjetder Bezeichnungen für die alten Völker »Goj« oder regierung mit mindestens derselben Strenge dürch- »Nochri« wurden ganz unsinnige Worte wie z. B. geführt wie von der zaristischen — von der das berüchtigte »Akum« gesetzt -- ,aber mitunter Produktion hebräischer Bücher in Rußland aber ist haben die gelehrt sein wollenden Zensoren diese heute keine Rede mehr. Worte auch dann durch andere ersetzt, wenn sie Weit schmerzlicher für den Geschichtsschreiber in biblischen Zitaten oder in Zusammenhängen ist es, daß er auch! von Verfolgungen jüdischer vorkamen, wo das Eriatzwort völlig unsinnig wirkt. Bücher durch Juden berichten muß. So wenig diei Als besonders gefährlich erschien das Wort »Tal- Feinde in der Außenwelt die Juden von inneren1' mud« selbst — schon ein Mönch des Mittelalters Streitigkeiten zurückhielten, so wenig schreckten diese hatte den »Rabbi Talmud« alsbesonders anstößig gegebenenfalls vor der Verfolgung ihrer eigenen hingestellt —, so wurde es an unzähligen Stellen Literatur zurück, wenn sie einer .herrschenden beseitigt und durch das jetzt sehr bekannte, aber religiösen öder kulturellen Richtung zuwider war; keineswegs dasselbe bedeutende Wort »Gemara« Von den schweren Anklagen gegen die Schrffteij ersetzt. Angeblich auf Jesus bezügliche oder als des Maimonides war bereits die Rede, ihre Gegner christenfeindlich angesehene Stellen wurden vollruhten nicht, bis sie äls religionsfeindlich erklärt und ständig beseitigt. Immerhin konnte mit diesen Ver» öffentlich verbrannt waren. Noch ein Jahrhundert unstaltungen der Talmud in Basel 1578 ff. gedruckt nach dem Tode des Maimonides drohte der Streit werden, und seitdem ist er in allen Ländern, in von neuem zu entbrennen, .und nur durch die j denen die kirchliche Zensur herrschte, in dieser Vertreibung der Juden aus Frankreich wurde er verstümmelten Form nachgedruckt worden. Man unterbrochen, um dann in milderen Formen von sieht noch heute in den älteren Drucken die weißen Zeit zu Zeit wiederaufzutreten. Ein weit harmf Stellen oder in den nachgeprüften Exemplaren die loseres Buch, das der Verfolgung anheimfiel, warep .* -* i — 18) - ' | ’; ' ' *

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