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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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die Gedichte des Immanuel b. Salomo aus Rom: dieser Zeitgenosse Dantes ind Boccaccios liebte zuweilen schlüpfrige Bilder t nd Szenen und verfiel dadurch der Verfemung durch die Rabbiner. In Schulchan Aruch lesen wii, daß man derartige Schriften am besten überhau )t nicht lesen soll, in keinem Falle aber am Sa »bat lesen darf; diese Verdammung wird freilich um;o weniger in Erstaunen setzen, wenn wir erfahren, daß selbst ein freigesinnter Schriftsteller wie H. Graetz in seiner »Ge* schichte der Juden« Immanuel zum Vorwurf macht, daß er »die keusche tiefverl üllte Jungfrau, der hebräischen Muse« prostituie t habe. Ein anderer Jude Italiens, der dem rabbirischen Mißfallen verfiel, war Asarja dei Rossi in Ferrara, der 1575 unter dem Titel »Augenleuchte« cin Werk veröffentlichte, das Studien zur biblischen Archäologie enthielt und u. a. wagte, Zweifel geg :n die übliche jüdische Chronologie vorzutragen. Diese Bedepken, welche heute selbst von den kpnse vativsten Wissenschaftlern geteilt werden, hätte r zur Folge, daß man dieses Buch als »Augenbjende« bezeichnete und eine Bestimmung erließ, wonach ein rechtgläubiger Jude dieses Buch nur darin in seinem Hause haben dürfte, wenn das Rabbinat skollegium seines Ortes ihm eine besondere Erlaubnis erteilte. Ein Jahrhundert später veränlaßte d e Portugiesen*Gemeinde in Hamburg die Beschlagn thme des Werkes »Fin delosdias« (»Ende der T,ige«> von Mose Gideon Abudiente, weil sie fürchiete, daß seine Neigung Zu sabbatianischen Gedanken unter den Christen unliebsames Aufsehen mithen könnte. Auf das bekannteste Beispiel der Verfolgung eines jüdischen Buches durch Juden braucht in dieser Zeit des Mendelssohn-Gedenktage: nicht hingewiesen zu werden/ Mendelssohns wurde von einer Reihe Pentateuch - Uebersetzung angesehenster Rabbiner als eine Freveltat bezeich ret, deren Benutzung die Strafe des Bannes nach wurde an manchen Ortet gegeben. Ein ähnliches sich ziehen müßte, und sogar dem Feuer preis- Schidcsal hatte noch um 1865 der hebräische Pe itateudi»Kommentar des jetzt durch Palliere bekar nt gewordenen Rabbiners Elia Benamozegh aus Lj vorno: er wurde, obwohl der Verfasser einen st'enggläubigen Standpunkt streng orthodoxen Schriftstellern wiederholt widerfahren, daß ihre Schäften von ihren eigenen Ge- | sinnungsgenossen mit jde n Banne bedroht wurden Selbstredend bediente man sich jedes Mittels I gegenüber einem Gegneti so hat man - in Zeiten heftiger Polemik seine Streitschriften vernichtet. Schon im frühen Mittelalter haben karäische Schriftsteller die Werke Saadias zerstört und sie dadurch der^ Nachwelt entzogen.. Im Ringen um djen Chassidismus haben die rabbi tischen Kämpfer gegen-die neue Bewegung alle Vetöffentlichungen der Gegenseite zu zerstören versucht, so daß heute nur noch mit größter Mühe Exempjlarc ihrer Abwehr ^ufzutreiben sind. Und schließlich sei noch auf ein Werk yer-f wiesen, das in der napok ionischen Zeit, in einer Aera weitgehender Freiheit, der Vernichtung yreisgegeben wurde. Im Jahre 181(J schrieb ein jüdischer Gelehrter in Livorno, Ai Fernando/ ein Birth über eine vollständige Umgestaltung des Kultus und des Erziehungswesens der luden. Der erste Band von ungefähr 350 Seiten war bereits vollständig im Drude hergestellt, ein zweiter sollte folgen. Der Verfasser hatte wo^il nichts Gutes geahnt und schon Tiberias als ßruckojrt angegeben -raber es wurde am Orte bekannt, daß sein Werk in der Druckerei in Vorbereitung war, and auf eine Anklage beim jüdischen Konsistorium wurde die gesamte Auflage beschlagnahmt und pntweder eingestampft oder verbrannt. Ein einziges Exemplar, das der Verfasser einem Freunde im [Ausland zugeschidit hatte, entging der Verfolgung/ es gelangte späteij in den Besitz Abraham Berliners,! und so hat dieserjgesetzestreue Forscher dazu beigptragen, daß ein angeblich ketze-| risches Buch der Nachwelt erhalten blieb. Gerade dieser'Fall sollte zu denken’ geben. Er zeigt am deutlichsten, wie Anschauungen und Kulturtendenzen sich wandeln, und prägt erneut die alte Lehre ein, die leider so selten beherzig? wird, daß kein Mensch berechtigt ist, das Gewissen des andern zu überwachen und in bestimmte Bahnen zu zwingen- Wenn' die Lehren de:s Druckes und der- Verfolgung sonst bH den Menschen leider jrasch verhallen, so sollten-,i wir Juden aus unserer langen vertreten wollte, in Jeri Und auch in unseren salem öffentlich verbrannt, erleuchteten Tagen ist es Leidensgeschichte dip zu drücken und zji sohns hohes Lied de ein Leitstern sein! Psalm 119/92. II ~\äre nicht deine Lehre meine Erholung, . Vr iS wäre vergangen in meinem UngiüS." blgerdng ziehen, nicht andere verketzern. Moses | Mendels» ' Gewissensfreiheit [sollte uns 187 —

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