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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Die Verfolgung des jüdischen Buches durch Christen ünd Juden. Von I. Et b o g*n. Wie das Volk des Buches hatte auch sein Buch durch viele Jahrhunderte schwerste Verfolgungen zu erdulden. Wenn die Christenheit in dem Juden den Feind sah, den es zu bekämpfen galt, so war die jüdische Literatur die geistige Waffe, die .sie ihm zunächst aus der Hand schlagen mußte. So oft in Rom — zumindest seit dem Jahre 1000 — ein neuer Papst eingesetzt wurde und die Huldigung des Volkes entgegennahm, erschienen auch Vertreter der jüdischen Gemeinde — Schola Judaeorum <Judenschule> nannte man sie —, die ihm zur Begrüßung eine Torah überreichten. Der Papst pflegte das Geschenk mit den Worten entgegenzunehmen: »Das heilige Gesetz preisen und verehren wir . . ., Eure Religionsübung und Eure nichtigen Erklärungen verdammen wir.« Damit war der Gegensatz der Kirche gegen die geistige Entwicklung, die im jüdischen Schrifttum vorlag, gekennzeichnet. Daß aber dieser latente Gegensatz in offene Feindschaft ausartete, das haben die Juden selbst verschuldet, als die Gegner der Philosophie des Maimonides 1232 die Inquisition von Montpellier zu Hilfe riefen und seine Schriften als ungläubig verdammen ließen. Von hier ging die Flamme aus, mit welcher einige Jahre später in Paris der Talmud verbrannt wurde. 1239 trat ein getaufter Jude Nicolaus Donin vor Papst Georg IX. als Ankläger gegen den Talmud auf. Der Papst befahl durch Handschreiben an eine Reihe christlicher Könige, die Talmudexemplare zu konfiszieren, sie den geistlichen Orden zur Prüfung zu übergeben und ihnen bei Rechtfertigung der Anklage die Befugnis zuzugestehen, die jüdischen Schriften zu verbrennen. König Ludwig der Heilige von Frankreich gab zwar den jüdischen Gelehrten Gelegenheit, den Talmud zu verteidigen,* aber, trotzdem sie die Anschuldigungen Donins Widerlegten, ließ dar König sämtliche im Besitz jder Juden befindliche Handschriften beschlagnahme^. Vierzehn, nach anderen Berichten sogar vie^undzwanzig Wagenladungen jüdischer Bücher wurden am 6. Juni 1242 in Paris öffentlich verbrannt, j Noch heute lesen wir am 9. Aw in unseren Geboten ein Klagelied auf die Verbrennung des jüdischen Schrifttums, -das jenem traurigen Ereignis geweiht ist. .Durch Erfahrung gewitzigt, haben die Fürsten nicht immer darein gewilligt daß das Urteil über die Schriften der Juden ihier Gerichtsbarkeit entzogen und der Geistlichk« it übertragen wurde. Aber sie konnten nicht hindern, daß der Talmud immer wieder auf die .Anklagebank gezerrt und von Zeit zu Zeit zum Flarfuneritöd verurteilt wurde. In der Regel waren es getaufte Juden, welche den Ankläger machten und bei ihren ^teuen Glaubensgenossen Vertrauen fanden, wenn sie. die alten denunzierten. Es geb immjer Bischöfe und Könige, die, auf die angebliche Gelehrsamkeit solcher Ueberläufer gestützt, ein Verfahren ge£en den Talmud und das gesamte rabbinische Schrifttum eröffneten. Nicht immer glückte der Plan. In ^rägonien konnte der getaufte Dominikaner Pablo Christian! dank der musterhaften Verteidigung des R. Mose ben Nachman ein Verbot des Talmudstudium|s nicht erreichen, aber der Talmud und das rabbidische Schrifttum wurden seitdem unter Zensur gestellt. Die kirchliche Inquisition, welche die christliche Rechtgläubigkeit überwachte und jeden Schaden von der Kirche fernhalten sollte, prüfte seit jener Zeit die im Besitz der Juden befindliche Literatur und stellte die Tilgung von Worten oder Sätzen! als Vorbedingung für die Erlaubnis der weiteren Benutzung/- so schwanden ganze Stellen aus den rahbinischen Schriften oder den Gebetbüchern, es wurden, Wie Leopold Zunz sich ausdrückt, heimliche Hinrichtungen- Allein das Ziel blieb die: Vernichtung des gesamten rabbinisdien Schrifttums. Zu einem gewaltigen Schlag holte der gänzlich unwissende ehemalige Schlächter Johannes Pfefferkorn aus.. Nach einer Verständigung mit den Kölner, Dominikanern erlangte er 1509 vom Kaiser Maximilian die Vollmacht, die hebräischen Bücher der Juden in-Deutschland zu konfiszieren, zu pjrüfen und gegebenenfalls zu vernichten. Er begann sein Werk in Frankfurt a. M. und Umgegend, und'wir besitzen noch heute die langen Listen der Bücher, die er damals mit Beschlag belegen ließ. Pfefferkorns Ziel wurde vor allem durch das heldenhafte Auftreten Johann Reuchlins vefeitelt, der in seinem Gutachten mit Entschiedenheit dagegen eintrat, den. Juden ihr Besitztum zu ' rauben uncj das ihnen auf Grund der Religionsfreiheit zustehende Recht, ihre religiösen Gedanken fortzubilden. für dieanzutasten,- nur jenigen Schriften, welche djas Christentum schmähten und bekämpften, wollte auch er keine Schonung gewähren, ihrer Konfiskation .stimmte er zu Pieses »schöne Denkmcj reiner Gesinnung und überlegener Einsicht«, wie. Ranke es genannt hat, entfesselte die Leidenschaften aller Dunkelmänner! i rief aber auch alle Vertreter des Humanismus zur Verteidigung der Geistejsfreiheit auf. Pfefferkorns Streich war der letzte gj'oße Hieb gegen den Talr 185

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