Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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die reine, von keioem Berufsinteresse beeinflußte Liebe zum 'Judentum und seiner literarischen Kultur jüdische Privatpersonen dazu geführt, reiche Schätze jüdischer Literaturerzeugnisse und von Werken über das Judentum sorgsam zusammenzutragen. Die bedeutendste dieser jüdischen Privatbibliotheken ist die Sammlung des Barons DavidGünzburgln Moskau, die nach s.einem Tode für die Universitäts- und^ Nationalbibliothek Jerusalem erworben wurde, von den Behörden des Sowjetreiches jedoch mit der Begründung, daß sie durch den politischen Umsturz in Rußland Eigentum der Juden Rußlands geworden sei, bisher den Käufern vorenthalten worden ist. Andere jüdische Privatbibliotheken Jüdischer Mäzene sind die Sammlungen Moses Montefiores, die heute ein wertvoller Bestandteil der Bibliothek des Jews' College in London geworden sind, und die noch im Privatbesitz befindlichen Sammlungen des Londoner Großkaufmanns DavidSassoon und des Zwidcauer Warenhausbesitzers S a 1 m a n Schocken. Die zuletzt genannte zeichnet sich besonders durch ihren einzigartigen Besitz an hebräischen Inkunabeln aus. Wenn schließlich-noch mit einigen Worten der Inhalt jüdischer Privatbibliotheken umschrieben werden soll — ihren Gesamtinhalt anzugeben, würde bedeuten, eine Literaturgeschichte des Judentums zu schreiben —, so muß zunächst festgestellt werden, daß der Umfang der jüdischen Literatur so gewaltig ist, daß wohl keifie Privatbibliothek die Gesamtheit der Literaturerz^ugnisse vom und über das Judentum und die Juden aufweist. Viele Sammler haben sich schon aus diesem Grunde, darin aber auch unter dein Einflüsse ihres Spezial- Interesses damit begnügt, auf einem Spezialgebiet größtmögliche Vollständigkeit der Sammlung anzustreben. Wenn trotzdem hier versucht werden soll, in einem Schema den Inhalt einer jüdischen Privatbibliothek in idealer Vollständigkeit anzugeben, so muß zunächst zwischen Quellen und Darstellungen geschieden werden. Im Rahmen dieser Scheidung gehören in eine jüdische Bibliothek von Quellen zur Geschichte des Judentums:'die Bibel, und zwar "Texte in allen Sprachen, von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Kommentare aus allen Zeiten und in allen Sprachen/ ferner die gewaltige Fülle der rabbinischen Literatur, ausgehend von Mischna, Gemara und Midrasch Und wiederum die gewaltige Kommentarliteratur aus Jahrhunderten sowie die Kodifikationswerke umfassend,- ferner alle die Quellen zur politischen, Literatur», Religions- und Kulturgeschichte ‘ des Judentums, die Sammlungen von Gebeten und Homilien, die Werke der Religionsphilosophie, Mystik und Sprachwissenschaft, die historiographischen Aufzeichnungen und Werke, die Urkunden und Dokumente, kurz alles, was von Juden und Nichtjuden über Juden und Judentum in historischer Zeit geschrieben worden ist und heute den Wert von Quellentpaterial hat,- aber auch alles, was die aus unmittelbarem Einfluß des Judentums entstandenen geistigen Schöpfungen für .die Zeit ihrer Entstehung oder Auseinandersetzung mit dem Judentum quellenmäßig darstellt, also die Quellen zur Entstehung des Christentums und Islams und zu deren Ablösung vom Judentum. Schön die Gesamtheit dieser Literaturwerke ist, wie wohl auch Laien einzusehen vermögen, riesenhaft an Umfang. Ins Unübersehbare aber schwillt das Material für eine jüdische Bibliothek an, wenn man daran geht, die darstellenden Werke über Juden und Judentum sammelnd zusammenzufassen. Man vergegenwärtige sich einmal, welche Fülle von Werken über die Gesamtgeschichte der Juden, ihrö Geschichte in den einzelnen Ländern der Welt, in Städten, Gebieten, Einzelperioden geschrieben worden ist, welche gewaltige Zahl von Bearbeitungen die Geschichte der jüdischen Religion und des jüdischen Kultus, das Leben einzelner jüdischer Persönlichkeiten gefunden hat, und endlich welche nach Tausenden zählende Reihe von Schriften der Kampf für und gegen die Juden hervorgebracht hat, und man wird begreifen, daß die Sammlung einer wirklich vollständigenii Bibliothek jüdischer Li-r teratdr die Kraft und die Zeit eines Einzelnen fast übersteigt. Diese Erkenntnis hat aber niemals den Sammeleifer der dem jüdischen Buch Ergebenen einzudämmen oder gar ganz zu unterdrücken vermocht. Auf das Beginnen kam es an, das Ende überließ man getrost der Zukunft. Und das sei daher der Appell, in den diese im »Monat des jüdischen Buchesc geschriebenen Ausführungen ausklingen sollen: Auf das Beginnen kommt es an! Sammelt jüdische Bücher in'Euren Bibliotheken/- sie: sind ein vom Hauche der Ewigkeit umgebener, ein weitvollerer Besitz als der Literaturkitsch, mit dem so viele von uns ihre Bücherschränke füllen.