Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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wieder studieren, in den Büchern »lernen«. »Du sollst über dieses Buch der Lehre sinnen Tag und Nacht« <Josua 1, 8) gibt diesen Gedanken in klassischer Form wieder, und was das Erstaunliche daran ist, diese Forderung ist durch Jahrhunderte beobachtet, die »Lehre Moses« ist immer von neuem studiert, erforscht, gelehrt und gelernt worden Das macht es verständlich, daß das Buch der treue Begleiter des Juden auf seinem geschichtlichen Wege gewesen ist, ja daß ein Jude ohne den Besitz von Büchern eine unvorstellbare Erscheinung ist Bücher-» Sammlungen, privater Besitz von mindestens einer kleinen Sammlung von Büchern jüdischen Inhalts, von Exemplaren des hebräischen Bibel* textes mit oder ohne die traditionellen hebräischen Kommentare, von Gebetbüchern und Liturgien, von Texten der Mischna und Gemara sind so bis zum Ende des 19. Jahrhunderts "bei jedem Juden anzutreffen, und erst der Eintritt der Juden in die Kulturbezirke ihrer Um» weit und die damit im Zu» sammenhang stehende Ablösung weiter Schichten der Judenheit von der geistigen Kultur des Judentums haben dazu geführt, daß der Besitz einer jüdischen Büchersammlung bei den Juden eine Angelegenheit einer kleinen Schicht von Gelehrten und Liebhabern geworden ist. Die ältesten jüdischen Privatbibliotheken*) sind sicherlieh schon in der Zeit vorhanden gewesen, als die Mischna und späterhin der jerusalemische und babylonische Talmud abgeschlossen Vorlagen (Ende des 2., 4. bezw. 5. Jahchunderts nach der gewöhnlichen Zeitrechnung) und in den babylonischen Schulhäusern Gegenständ der Diskussion, der Erläuterung, Fortbildung und systematischen Kodifizierung des religionsgesetzlichen Stoffes waren. Denn es ist schwer vorstellbar, - daß das ungeheure Gesetzesmaterial, das im Talmud völlig unsystematisch gesammelt war, systematisch geordnet *> Zur Geschichte der jüdischen Privatbibliotheken vgl. den Artikel »Bibliotheken«, in »Jüdisches Lexjkon«, begründet von G. Herlitz und B. Kirscfaner, Bd. I, Sp 1026 <Berlin, Jüdischer Verlag, 1927 ff >. 4VID BEA'JBRA/m ÜPPEA'flb'IMüR!■ Vhtui \*r? fc*., Mi «fcr rrj*** » OtorattiMc m fr*, .m er »frf7 M. €rfc«ftt cta<3<rfrii«4) iKn>f m. a (Mtt dme fibtf&t fdärrfemta* mf , ta» ffttc* winurkiUffHI «4*****, Hw ■*.*. werden konnte, ohne daß den hiermit befaßten Gelehrten, etwa den Gaonen von Sura und Pum» bedrtaf der Text der beiden Talmude geschrieben vorlag, und es ist ebenso schwer, etwa die Weiterbildung der Bibelexegese auf Grund der Midraschüberlifcferungen zu begreifen, wenn man nicht annimmt, daß den Exegeten diese Midraschsammlungen schriftlich zur Hand waren. Gekehrte von dem Umfange des Wissens eines Saadja Gaon oder ^ines Raschi werden daher mit Sicherheit bereits im Besitze einer Sammlung jüdischer Literaturwerke gewesen sein. Aber von diesen jüdischen Privatbibliotheken der alten Zeit ist weder etwas aus der historischen Ueberlieferung bekannt geworden, noch haben sich etwa Bestandteile von ihnen erhalten. Die ältesten Nachrichten über den Besitz von Büchersammlungen durch jüdische Gelehrte stammen vielmehr erst aus der Zeit der Blüte des jüdischen Geisteslebens in Spanien und Südfrankreich. So ist bekannt, daß der berühmte jüdische Staatsmann am Hofe des Fürsten von Granada, Samuel Hanaggid (erste Hälfte des 11. Jahrhunderts) eine Bibliothek besaß, und da er selbst Werke jüdischen Inhalts, darunter eine Einleitung .in den Talmud, verfaßt hat, kann nicht daran gezweifelt werden, daß diese Büchersammlung jüdische Bücher enthalten hat. Der Besitz einer jüdischen Bibliothek ist fernerhin für den bekannten jüdischen Uebersetzec Juda ibn Tibbon in Lunel (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts) aus der Ueberlieferung nachweisbar. Aber von diesen und anderen jüdischen Privatbibliotheken des späten Mittelalters ist außer der Nachricht von ihrer Existenz nichts erhalten geblieben. Das kann nicht wundernehmen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß bereits im 11. Jahrhundert die großen Judenverfolgungen, die zur Zerstörung ganzer Gemeinden geführt haben, und im 13. Jahrhundert die Vertreibungen der Juden aus den westeuropäischen Ländern begannen. Wie viele jüdische Privatbibliotheken mögen dem Wüten entfesselter Volksinstinkte, wie viele dem ruhelosen Wandern der 182