Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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gende Eigentümlichkeit. In den ersten Druck« ■werken fehlt häufig das erste Wort. Es sollte mit der Hand schriftlich ergänzt werden — in Fortsetzung der frommen Sitten bei Bestellungen von Handschriften für gottesdienstliche oder Lehr« zwecke ein Wort oder einen Buchstaben am Anfang oder Ende durch den Auftraggeber selbst schreiben zu lassen. Die' Ablösung des Sofer durch den Drucker ging freilich; nicht ganz ohne religiöse Kämpfe vor sich. Ursprünglich war man, swie erwähnt, geneigt, »Drucken« und »Schreiben« unbedenklich einander gleich zii stellen. Dieselbe Heiligkeit, die der hebräischen Handschrift an»- haftete, wurde daher auch dem gedruckten hebräischen Buche beigelegt. Noch um die Mitte des 17. Jahrhunderts ist die hervorragende Autorität von Jomtob Lipmann Heller <bekannt unter dem Namen Tossafoth Jomtob) der Meinung,. daß für alle Gegenstände des t^ligiösen Kultus, die sonst durch Schreiben hergestellt wurdeb, der Drude gestattet sei, also beispielsweise auch für die Thorarolle, aus der im Gottesdienste vorgelesen wird und für den religiösen Scheidebrref. Es ist bekannt, daß sich diese Ansicht in der Praxis nicht durchgesetzt hat. Seit Anfang des 18 Jahrhunderts begann man, die Zulässigkeit der Druckschrift, für alle diejenigen Schriftstücke zu verneinen, die mit Rücksicht auf ihre Heiligkeit einer erhöhten Sorgfalt dedürfeh. Besonders bemerkenswert ist der Einfluß, den die Erfindung des Buchdruckes auf den Ritus de$ synagogalen Gottesdienstes ausübte. So lange man nur hebräische Handschriften besaß, .befand sich der Ritus gleichsam noch im Flusse Der Vorbeter gab dem Gottesdienste die bestimmte Note. Die Verbeter'trugen die Gebete vor, die die Gemeinde meist schweigend anhörte. All das ändert sich nun. Leopold Zunz beschreibt diesen Wandel treffend folgendermaßen <Ritus des synagogalen Gottesdienstes S. 145): »Nicht minder als Kabbalah und Inquisition hatten Guttenberg und. Luther Einfluß auf die Ritus der Synagogen . . . Als die Buchdruckerkunst Lehr- und Gebetbücher jedermann zugänglich machte, nahmen Herausgeber die Stelle der sorgenden Vorbeter ein. Der Druck gebot Schranken, der Reichtum der Handschriften . war unfruchtbares Besitztum ,• die aufgenommenen Stücke blieben für die Gemeinden das festgestellte, die Gleichheit der Exemplare, die jeder in Händen hatte, erzeugte Ueberejnstimmung: der Minhag richtete sich nach den Ausgaben.« Noch nach einer anderen Richtung übte die ' Einführung des Buchdruckes einen bemerkenswerten Einfluß aus. Er betrifft die Anordnung der biblischen Bücher. Dfe efste gedruckte Bibelausgabe, die in Soncino 1488 erschien, sowie die zweite, die in Brescia 1493 gedruckt wurde, haben die sogenannten »großen Propheten« in folgender Reihenfolge aufgenommen: Jesaja, Jeremia, Ezechiel. Diese Ordnung hat sich bekanntlich endgültig durchgesetzt, obwohl hervorragende jüdische Autoritäten, unter ihnen kein geringerer als Moses b. Maimon, sich für eine andere, im Talmud bestimmte Reihenfolge: Jeremia, Ezechiel, Jesaja ausgesprochen haben Durch den Buchdruck ist übrigens auch die Reihenfolge der sogenannten »Hagiographen« von den deutschen Druckern in einer Weise festgelegt wordeh, wie sie weder der talmudischen noch der massoretischen Tradition entspricht. Auch die Teilung in 2 Bücher Samuel, 2 Bücher der Könige und 2 Bücher der Chronik ist gegen die Tradition und erst durch die von Daniel Bömberg <Venedig 1517) gedruckte sogenannte rabbinische, Bibel gebräuchlich geworden. Dieselbe* Bibelausgabe hat auch die Einteilung der Psalmen in 150 eingeführt, im Gegensatz zu der beispielsweise im Jerusalemischen Talmud <Sabbath> sowie im Tractat Sofrim erhaltenen Tradition von 147 Psalmen, ^entsprechend den Lebensjahren unseres Stammvaters Jacob. — So zeigt vorstehende kurze Betrachtung eines kleinen Ausschnittes jüdisch-kulturellen Lebens, wie stark äußere Einflüsse auf die geistige und religiöse Kultur der Juden eingewirkt haben. Diesen Einfluß empfindet man noch besonders, wenn man sich klar macht, welche Schicksale die Frühdrucke der Juden erlebten. Sie sind über die ganze Erde verstreut, das Schicksal der Juden selbst widerspiegelnd, die Not und Verfolgung über die ganze Erde versprengte. Die großen Bibliotheken besonders in Parma, Oxford, London, Berlin, Frankfurt a. M. haben einzelne wertvolle Schätze dieser ersten Blütezeit jüdischer Buchdruckerkunst bewahrt. Es, ist das Verdienst des bekannten Gelehrten Prof. A. Freimann-Frankfurt a. M. Proben dieser Kunst gesammelt .und in dem Monumentalwerk »Thesaurus Typographiae hebraicae saeculi XV« im Bilde festgehalten zu hhben. . Literatur: Chwölson, über die Anfänge des hebräischen Buchdrudts, ins Hebräische übersetzt von M. Eisen-, stadt .1897. A. I’reimann: lieber hebräische Inkunabeln, Leipzig 1902. A. Freimann: Die hebräisdien Pergamentdrucke in »Zeitschrift für hebräische Bibliographie- Jahr» . gang 15 S. 46 ff. A. Berliner: lieber den Einfluß des ersten hebräischen Buchdrucks usw., Frankfurt a. M. 1896. . A. Marx: Literatur über hebräische Inkunabeln in Soncinoblättern Bd. 1 S. 159 ff. Konrad Haebler: Die deutschen Buchdrucker des 15. Jahrh. Kap. 8: Die hebräischen Drucker, München 1924.' jüdisches Lexikon Bd 1 Art. Buchwesen, jüdisches. 178