Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I Pieve die Sacco in der Prsvinz Padua am 3. Juli 1475 begonnen) wird j die neue Kunst als »die Krone aller Weisheit« gerühmt. Man gab dem Buchdruck die Bezeichnung einer »heiligen Arbeit«. Doch vielleicht am eindrin^lidisten wird die Bewunderung der Juden veranschaulicht durch die seltsamen Versuche, die neue Erfindung des Mainzer Christen j in frommem Eifer als ein Erzeugnis jüdischen: Geistes hinzustellen/ so will man eine Vorstufe def Typographie bereits im Talmud <Joma 38a> entdeckt haben. Eine rab» binische Autorität ] um 1700 ist der festen lieber» zeugung; daß sowohl Mose wie der weise Salomo fähig gewesen waren, c ie l uchdrudcerkunst zu erfinden, sie hätten| nur keine Veranlassung gehabt, sie ins Leben treten zu lassen, da mündlich Tradieite's nicht schriftlich fixiert werden durfte. Man bekommt für diese Seltsamkeiten Verständnis, wenn ttian sich den Wandel klar macht, den die Erfindung des Buchdrucks auf das geistige und religiöse Leben der Juden ausübte. Vor Erfindung des Buchdrucks war der Kauf von Handschriften zum Gebet und Studium für den Einzelnen nahezu unerschwinglich / qiese konnten in der Regel nur von Reichen oder Gemeinden erworben werden. Ein Beispiel: Leopold Eunz schreibt <Zur Geschichte und Literatur S. 2U>: »Um das Jahr 1150 kostete in Mainz und aer Umgegend ein Pentateuch, unvokalisielt 1 Mark, aber mit Vokalen und Masora 3 Mark«. Welchen Wert das bedeutete, beweisen die Angaben desselben Gelehrten <ibid! S- 176), (daß beispielsweise in Köln um 1140 die jährlich^ Miete einer Mittelwohnung eine halbe bis einp ganze Mark betrug, und daß ein Pferd eine Mark kostete. Kein Wunder, daß die Tatsache laufe Freude erweckte, durch .Erwerb relativ billigjer Bücher einer der höchsten Pflichten des Juden {besser gerecht werden zu können, die'Gotteslehre zu verbreiten. Nicht Uebermut, sondern dankbarer Stolz hat es daher gewagt, das bekannte Bibel »fort »Denn von Zion geht die Lehre aus und d^s Wort Goties von Jerusalem« abzuwandeln in den Satz »von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Soncino«, Soncino, einem der Orte Italiens, wo um die Wende des 16; Jahrhunderts jüdische Druckerkunst sich zu besonderer Blüte entfaltete. Besitzen Italien, Spanieh und Portugal den Ruhm, die einzigen Länder gewesen zu sein, wo bis 1500 allein' hebräische Bücher gedruckt wurden, so gebührt deutschen Juden das Verdienst, an dem Aufschwung dir Buchdruckerkunst hervorragenden Anteil zu haben. Schon in der Druckerei, die der gelehrte Arzt .Abraham Cönat 1476 in Mantua eröffnete,I ist die Mitwirkung Abraham- Jedidja ha Esrachi bar. Bei der Druckerei, die eines deutschen Juden aus Köln nach weis- 1477 zuerst in Ferrara, seit 1482 in Bologna drjucktc, wirkt« ein djeutscher Jude aus Straßburg mit. Audi!' die Familie Soncino hat in Deutschland und zjrar in Speyer ihre Heimat. Die Drucker der großen hebräischen Druckerei in Neapel, qie I486 zum ersten Male mit einem Werke hervörtjritt, s ind ebenfalls Deutsche/ zwei Namen seien heraufgeg -iffen :j Josef b. R. J^cob Aschkeiazi Gunzenhaiisen f und! j Jacob Baruch b. R. Jehuda Landau. | Soweit ütjsere Kenntnis reicht, sinjd bis 1500 in 16 Druckereien tund 150 hebräische Druckwerke entstanden, unter Ihnen das erste <etwa 30 Jahre nach Erfindung der neuen Kunst) ein in Reggio (CalabrietJ) 1475 gedruckter Raschi- Commeijtar zur Thora, der sich jetzt in Parma befindet. Sämtliche hebrätsdiejn Frühdrucke sind, was die Schönheit und Anordnung der Typefn und die Ausstattung durch Initialen, i Randleisten und Druckerzeichen betrifft, bpsondersjbetperkenswert. Neben den schon erwähnten Conatjund Soncinodrucken sind in diesem.Zusammenhang yor allem die Drudcerzeugl nisse z^j nennen, die vordem aus {Antwerpen stgm menden Christen Daniel Bömberg gemeinsam mit seinen jüdischen Korrektoren in der e rsten Hälfte de: 16. Jahrhunderts geschaffen wurden, und die, wl seiner Zeit, noch heute die höchstje Bewunderun verdienen. Die jüdischen Drucker betrachteten si< mit Recht als die Hüter un i. Fortsetzer der alte Tradition des mittelalterlichen Sofer -.(Schreiber', der seine Kunst, die heiligen Schriften nicht ni r zu schreiben, sondern farbig äuszy malen, zu einer erstaunlichen, nicht wieder erreichten Höhe empor geführt hatte. Dieser Zusammenhang' mit einer guten alten Tradition zeigt sich schon äußerlich darin, daß gerade im Anfang na ch dem Vorbid der Schreiber häufig nicht a uf Päp er, sondern a if Pergament gedruckt wurde / sind doch von d:n erwähnten Frühdrucken niiht weniger als 31 auf Pergament erhalten. Auch die Entwickelung des hebräischen Wortes für »Drucken« ist in diese m- Zusamtjnenhang erwähnenswert. Ursprüngl di wurde Drucken nicht anders als 3M d. h. Schreiben bezeichnet oder als ppn Id. h. e'mgraben. E er jetzt übliche Ausdruck b’ODtl »gedruckt«, von dem iechischen »Typos«), ersdieint zum ers en Male in: letzten Jahrzehnt dis 15. Jahrhunderts, Für die Offi tin bildet sich der N^merrX Haus heraus, 1er Korrekt or, dem die Ueberwachung des Druckes obl ag, hieß Oll nn 5y nx:< der Set ter T»a öder *px» Wie verwandt sich übrigens die Drücker tnit ihren V orgängern, den Sc frim, fühlten, zeigt bl- F 177 i