Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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i der »Wissenschaft des Judentums«. So war die neue Uebersetzung, die sich streng an den »masoretischen Text« hielt, vorzüglich geeignet, gegenüber der aufkommenden kritischen Wissenschaft von der Bibel den überlieferten Wortlaut därzustellen. Sie war für das jüdische Haus und die Schule bestimmt und hat beiden die besten Dienste geleistet. Fast gleichzeitig begann ein Werk in weit größerem Rahmen, das dreibändige Bibelwerk von Ludwig Philippson (1839 — 56). Hs ent» hielt nicht nur eine neue Uebersetzung neben dem Urtext, sondern auch einen ausführliche!! Kommentar in deutscher Sprache, dazuzahlreiche Bilder, als Werk Eines Mannes ein bewunderungswürdiges -Unternehmen. Es sollte die jüdisdudeu sehe Familienbibel sein, sie hat auch für die jüdi: che Ausgabe der Doreschen Bibel den Text a jgegeben. Philippson war der Führer des gemäßig :en Liberalismus im Judentum, ausgestattet nich nur mit organisatorischem und publizistischem Geschick, sondern auch mit Geschmack und guten K nntnissen. Den streng orthodoxen Standpunkt ertrat die Pentateuchübersetzung von Samson Paphael Hirsch mit Kommentar in deutsche Sprache (1867). Sie stellte sich zur Aufgabe, gegenüber der Neologie die talmudische Auffassung und Auslegung als. die allein wahre und maßgebende nachzuweisen und in der Uebersetzung wiedtrzugeben, sollte dies auch allen Zwang erfordern. Sie hat in der von ihm geschaffenen Gemeinschaft neben seinen anderen für das orthodoxe Judentum grundlegenden Werken außerordentlichen Einfluß ausgeübt und tut dies noch heute, sowohl belehrend als erbauend. Wir übergehen bei dem engen uns zur Verfügung stehenden Raum eine Reihe anderer Uebersetzungen, die überwiegend. nur literarischen und gelehrten Wert haben, um die letzte zu nennen, die bis jetzt etwa zur Hälfte gediehen ist: Die Schrift, zu verdeutschen unternommen von Martin B u b e r und Franz Rosen zw e i g, ein höchst eigenartiges Werk, wiederum Zeugnis einer geistigen Wandlung der Zeit. Ebenso erfüllt von tiefer Begeisterung für das ewige Buch und jüdischem Sinn \^ie von dem neuen religiösen Gefühl der Moderne, möchten diese Uebersetzer, beide gleich spradigewaltig, das hebräische Wort ohne jeden Verlust in das entsprechende deutsche mit seinem dafür noch unerschöpften Reichtum umgießen, dem gewohnten Sprachgebrauch nicht selten befremdlich erscheinend, aber immer , piit feinstem Verständnis beider! Sprachen. Gewissermaßen ein deutscher Aquilaj exegetisch wie sprachkünstlerisch hochbedeutsam. Mit bisher nie gekannter Wucht und Genauigkeit trifft das deutsche Wort das hebräische wie der Hammer den Nagel auf den Kopf. Als Einzelheit mag die bisher noch niemals adäquat gelungene ingeniöse Uebersetzung des Gottesnamens mit Etil angeführt werden, die in glücklichster Weise und ganz im jüdischen Sinne der Unaussprechbarkeit das »Numinose« ,und »Tremendum« des einzigen Wortes mitklingen läßt. — So ersprießlich alle diese Arbeiten gewirkt haben1 und noch wirken können, für den Juden könneti und sollen alle Uebersetzungen nicht mehr als Behelfe sein. ln den Niederlagen der englischen Bibelgesellschaft kann man ein Heftchen erhaltein, welches als Probe einige Bibelverse in sämtlichen Sprachen enthält, in die die Bibel bisher übersetzt worden ist. Es sind ca 400. Darunter befinden sich nicht nur alle Kultursprachen der Welt, sondern auch eine ganze Reihe, in denen es außer der Bibel noch kein anderes Buch gibt. Nichts kann besser die Verbreitung des Buches der Bücher und seinen, Einfluß auf das Denken der ganzen Menschheit illustrieren. Die Juden sind die einzige Gemeinschaft, die sich an den Urtext hält. Sie allein schöpft ihr religiöses Leben aus der Quelle und läßt sich ihre Bibel nicht ersetzen durch Ueber» setzen. Und erklären läßt sie sich das Wort durch den tief eindringenden Kommentar, der im Judentum immer wichtiger gewesen ist als die kahle Uebersetzung. ,■ 1 Der Einfluß der Erfindung des Buchdrucks auf das jüdische Schrifttum. Von Bruno Italiener. , Victor Hugo hat die Erfindung des Buchdrucks »das größte Ereignis der Weltgeschichte« genannt. Superlative sind meist verdächtig. Gerade vom jüdischen Standpunkt aus wircF man fragen müssen, ob es nicht noch größere, in ihren Folgen weiter reichende Ereignisse der Weltgeschichte gegeberi hat. Trotzdem hat die Bewunderung, die sich n dem zitierten Worte ausprägt, ihr gutes Recht, und wohl nirgends findet sie stärkeren Widerhall als bei uns Juden, dem »Volke des Buches«. Gleich in einem der ersten Druckwerke — dfn vier Turim des Jacob b. Ascher' — <in . - 176 -