Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Die gewölbte Stirn verriet seltene Geistesgaben, die tief dunklen Augen kür deten Forschergeist und Hprzensreinheit. ' Von bedeutenden Künstlern seiner Zeit besitzen wir verschiedene auhentische bildliche Dokumente, die das außerorder tliche Antlitz des großen Forschers für «alle Zeiten festgehalten haben. Wie stark( der Eindruck gewesen sein muß, der von ihm ausging, beweisen die iberschwenglichen Worte, die Lavater in seinen )hysiqgnomischen Fragmenten der Silhouette beifügte, die Mendelssohn im Schattenriß zeigt: »Ich weide mich an diesem Umrisse, mein Blick wälzt sich von diesem herrlichen Bogen der Stirn auf den starken Knochen der Augen herab. In s dieserTiefe des Auges sitzt eine sokratische Seele! Die Bestimmtheit der Nase! Der herrliche Uebergang von der Nase zur Oberlippe, die Höhe beider Lippen, ohne daß eine über die; andere hervorragt, wie alles dies zusammenstimmt.« — Aus den Schriften und dem umfangreichen Briefwechsel Mendelssohns heben sich zwei Ch araktereigensdiaften besonders hervor: die alles verstehenwollende Güte, die selbst seinen 'Wider- Gemälde sachern Gerechtigkeit an/ gedeihen läßt, die niemals anklagt, sondern immer w ieder alle Gegensätze auszugleichen versucht, und die große Bescheidenheit, die ihn nie aus seim :m Rahmen heraustreten läßt, auch dort, wo £ ußerordentliche Anerkennungen, wie sie keinem Juden seiner Zeit zuteil wurden, ihn mit den größten Gelehrten in Verbindung bringt. Zwei Gemälde ha >en uns sein wahrheitsgetreues Ebenbild erhalten. Zwischen dem 30. und 40 Lebensjahr porträtierte ihn Anton Qraff/ ein Gemälde, das durch den meisterhaften Stich von J. F. Bause große Verbreitung fand. Ein die kluges Lächeln umspielt j den Mund, blicken treuherzig. In diesem Bilde allerdings noch nicht derj tiefgründigen Ge den forschenden Geist: Kämpfernatur erkennen. Johann Christoph Frisch, gart gestochen hat. 10 haben das Gesicht durchviihlt und die Züge gezeichnet. Die Augen, Augen wurde man Und die' nie erla imende 1 Charakteristischer ungefähr 10 Jahre späte - entstandene Gemälde von flas J. G. Müller i i Stutt- Jahre angestrengter Arbeit Johann Christoph f risch ehrten. ist das schärfer wenngleich etwas müder und.resignierter, aber "auch -verstehender, blicken' feurij;, die Stirn wölbt" sich in schärferem Bogen, die Schläfenadern treten schärfer herv >r, und das* Haar umgibt den Kopf \c ie eine mächtige "Mal ne. So mag er seine gekehrten Freundeiangesehen haben, wenn er sich in geistigem Disput mit ilnen zusammenfand. Der kritjsche Geist des Philosophen lebt in diesem Bilde. Ungefähr zu der gleichen Zeit wie das Frisische Gerhälle . muß auch die Medaille von Abraham Abramson gefertigt .worden sein. Mit ’ diesem | kleinen Meisterwerk ^röffnete der berühmte Berliner Medailleur die Potträtserie »(berühmter Zeitgenossen« undlieferte-niit ihm den Beweis) seiner ausgezeichneten Charakterisierungskunsj. Abramson verzichtete absichtlich auf jede »Idealisier mg und bemühte sich, das wahre GesichtsDild Mendelssohns wiedejrzugeben. Nach dem Urteil von IZeitgi mossen soll ^r die charakteristischen Züge, aie tie: liegenden Augen, die scharf geschnittene Nase und die hervorragende Stirn, das Gedrungene der ganzen Gestalt besonders getreu getroffen (haben ■ '[< ■ Das kostbarste Vermächtnis jedoch, das -wir besitzen, ist die im Jahre 1785, also kurz vor Mendelssohns Tode, entstandene' Büste des Bildhauers Jan Pieter Antoon Tassaert. Das Objekt 163