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Der Orden Bne Briss · 1929-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 9 - September
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1 \ 1 Dieser Gedanke ist zum Glück nie wirklich geworden. Zu Mendelssohns Mission, wenn man so sagen will, gehörte es, daß sein Leben und Wirken in der Oeffentlichkeit vor sich ging, daß seine Existenz sichtbar war. Moses Mendelssohn als in Büdceburg oder Göttingen Jebender Philosoph — und wir besäßen ein Buch mehr von ihm und' wissenschaftliche Pläne, mit denen er sich getragen, hätten ausreifen und vollendet, werden können. Aber nie hätte sein Leben die Wirkung für das Judentum haben können, die es so — in Berlin — bekommen hat. Berlin hat Mendelssohn als seinen Bürger geehrt und die Berliner Gesellschaft sei- __ fien Tod als ihren Verlust beklagt. Diese Tatsache der Zugehörigkeit Mendelssohns zu Berlin, daß er drinnen stand, ** in allen ihren geistigen . Regungen und führend in ihrem kulturellen Leben war, hat mehr und leichter Vorurteile weggeräumt als viele und wohlbegründete Schutzschriften und Petitionen. Schonvor Mendelssohn gewinnen Juden in Deutschland Bedeutung für das Land und für die Stadt, in denen sie leben. Aber diese Bedeutung wird ihnen kaum freiwillig gegeben,- sie erhalten sie als - . Geschäftsleute und Geldgeber und deshalb reicht sie nicht tief/ der Hof und die Verwaltung! bedienen sich ihrer, die Allgemeinheit bleibt unberührt. Vor Mendelssohn hat der Dr. Gumpertz, Mendelssohns Lehret und Bletreuer, schon^ in Verkehr mit der maßgeblichen literarischen Gesellschaft kommen körnen. Aber erst in Mendelssohn, den dieser Gumpertz übrigens mit Lessing bekannt gemacht hat, \t-ird die Verbindung des Juden mit der allgemeinen Welt und ihrer Kultur so fest, daß sie überzeugend und beispielhaft ist. Die Aufnahme. Mendelssohns in einen kleineren Kreis, als es die Berliner Gesellschaft war, hätte zufälliger ersch enen - und wäre unbemerkt geblieben. In Berlin gewann der gleiche Prozeß einen Charakter von Notwendigkeit, der jJie Front in dem Kampf un die »bürgerliche Verbesserung der Juden« ändert. Nicht mehr braucht es als vorteilhaft oder angemessen ' hingestel t zu werden, die Abschließung der Juden aufzuheben/ sie ist nun aufgehoben, bekämpft werden müssen die Bestrebungen, die vein Faktum rückgängig machen wollen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Verbindung jt Mendelssohns und Berlins etwas gewesen, was die jüdische Geschichte nach Mendels» GrabmaFauf dem.Friedhof Gr^ Hamburger’Str.Mn Berlin. sohn überhaupt stimmt hat. be= Moses Mendelssohn als Briefschreiber. Von Dr. Bruno S t r a u ß - Berlin. Briefe schreiben hat Mendelssohn, sonderbar genug zu sagen, in den Unterhaltungen mit L e s s i n g gelernt. Alfs dem Gespräch erwachs ihm die Kunst seines Briefes. Und die ersten Briefe an den Freund Lessing, als dieser nur allzu früh 1755 den Berliner Freundschaftskreis verläßt, sind ihm Ersatz für die schwer vermißten Gespräche. »Ich will Ihnen alles aufschreiben, was ich Ihnen in acht Morgen von 7—9 Uhr hätte vorschwätzen können. Es versteht - 153 - sich, daß ich auf keinen Uebergang zu künsteln nötig habe.« Und auch Lessing charakterisiert diese »Briefe nach unserer Art«, .wie er sie netint, dahin, daß er ihm »hundert Kleinigkeiten zu schreilien habe, von der Art, wie wir in unseren Morg en» gesprächen abzuhandeln pflegten.« In der Tat ist alles, was' den Reiz des Gespräches ausmacht, diesen Briefen eigen. .Herzlichkeit uqd Wärme bilden eine Atmosphäre, in'der keine Steifheit, nichts Küriajes,

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