Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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für die Entwicklung gegeben sind und dejn Fälligkeiten, sondern V ege der Vorsehung, welche dieser Menschen Schicksals« D unentbehrlichen Anfangspunkt dis Aufstieges bedeuten. Daß Moses Mendelssohn ein Exemplar des More Nebuchim in die Hand bekam, erscheint )als solcher Zufall. War es dann auch Zjifall, daß dieses Büch in der Nähe von Dessau, inj Jeßnitz, zum ersten Mal seit zwei Jahrhunderten wieder im Druck erschien, daß diese Druckerei (von Verwandten Mendelssohns, den. Dessauer Hoffaktoren Wulff, zum allgemeinen Besten der jüdischen Welt errichtet worden war, daß David Fränkel, der Dessauer Rabbiner und Lehrer Mendelssohns, ungeachtet des Bannes die Erlaubnis zur Drucklegung erteilt hatte? Eine |solche Summe' von Zufälligkeiten gibt nicht mdhr das Bild willkürlicher Geschehnisse, sondern wohlbedachter Schicksalsfügungen. Aus dem More Nebuchim, in det Wulffschen Presse in Jeßnitz mit Zustimmung David Fränkels gedruckt, erwächst dar Geist eines Mpses Mendelssohn, der Geist der jüdischen Neuzeit, unser Geist. Wir haben auch d a f ü r kein Verständnis mehr, daß ein solches Buch in Acht und Bann gelegt werden konnte, daß der junge Mendelssohn nur heimlich des Nachts im Dachstübchen es lesen durfte, daß er diese Welt wie nachher die ganze große Kulturwelt als Autodidakt sich selber unter den größten inneren Nöten und äußeren Mühseligkeiten erschließen mußte. Unsere Jugend wird ganz selbstverständlidi und auf schulgerechte Weise in diese gesamte Geisteswelr, die jüdische wie die nichtjüdisdje, eingeführt. Wir verdanken auch dieseSelbfctverständlichkeit ihm, der mitsamt seinen Freunden und Anhängern es als eine der notwendigsten und wichtigsten Aufgaben seiner Zeit jerachtete, die Jugend aus dem qualvollen Unterricht zu erlösen, der ihr , von talmudisch hochgebildeten, pädagogisch aber verständnislosen und jeder Allgemeinbildung feindlich gesinnten Lehrern erteilt wurde. Moses Mendelssohn selber schuf zu diesem Behufe ein großes und unvergänglich es pädagogisches Meisterwerk, nämlich die Ueber Setzung der heiligen Schrift in die deutsche Spraiche. Selbst diese war ja den Juden in ihrer Abgeschlossenheit von der ‘Welt ringsum verlorengegangen/ auch .in Deutschland sprachen Mendelssohns Glaubensbrüder nur noch den Jargon der polnischen Juden, und er selber kannte in seiner Kindheit keine andere Sprache. Deutsch war die erste Kultursprache, die er in Berlin sich aneign ete, und s i e mußte er seinen Stammesgenossen xst zum Geschenk machen, ehe er dieselben in die Ku turwelt ringsum einführen konnte. Diese Kult urwelt ringsum war aber unc blieb für ihn bezeichrenderweiset eine Welt der deutschen Kultur Er eignete sich in raschem Laufe alles ius fremden Kulturen an, was zur allgemeinen Bildui ig gehörte und noch heute gehört: die kh ssische Literatur der Griechen und Römer, die literarischen und philosophischen. Schöpfungen der Franzosen, Niederländer und Engländer. Aber währe nd so viele neqeutende Geister sjeiner Zeit, Friedrich der Gjr o ß e an der Sjpitze, nur diese; lusländische n Kulturgüter werteten und für das Dichten und Dejnken und geistige Schaffen in deutschen Landen j kein Verständnis, zeigten, erkannte der Jude Mendelssohn von) Anfang an viel besser und tiefer W »rt und ^edeutung der de utsdien Meister-! Sicherlich hat j hier der Umgar g mit Lessitig ihm den Blick geschärft und itn zum Verteidiger des deutschen Kulturgutes gemacht, das freilich erst von diesem seinem*Freunde ..essing ab seinen Ewigkeitswert jerhielt und sich dinn alsebenso klassisch jenen anderen Kulturkrei: en anreihen, durfte. Mendelssohn selber hat nicit bloß durch die Kühnheit, mit der er'in seiner literiirischen Kritik für die deutschen Schriftsteller eint at und Verächtern, selbst einem Friedrich, entge jentrat,- für diese Entwicklung der klassischen Periode der deutschen Literatur den Weg bahnen helfen, sondern auch selber durch seine vielen feinsinnigen philosophische n und! besonders ästhetischen Untersuchungen zu ihrerrv geistigen Gehalte beig tragen. Er galt dodi seiner Zeit nidit bloß als Fopularphilosoph, wi; wir ihn heute ,einschätzen, wer! die Ideen der Aukläruttgszei: uns nicht mehr bewegen und durch die gewaltige Entwicklung der Naturwissenschafter die Probleme der Philosophie eine ganz andere Richtung genommen haben, Von seinen Zeitgenossen, se bst von dem ihm unvergleichbaren Kant iWurcJe er unter die w rklichen Denker gereihnet, und dauernde und innige kritischen wie L e s s i ri g errangen seinesgleichen geschätzt h er in er hätte gewiß nicht die Freundschaft eitles so un 1 jeder Hohlheit feindlichen Kopfes wenn dieser in .ihm nicht ätte. Dazu kam a erdings noch, daß er in seinei Schriften, besonders in seinem Phädon, das erste Beispiel einer klas sisehen deutschen Sprachfprm gab, deren Schönieit ein Manti wie Kant feinsinnig kennzeichnete und als vorbildlich anerkennen müßte. Nach all dem entsetzlichen Kauderwelsch seiner philosophischen Vorgänger, welches in seiner Art nicht hinter dem Jargon der deutschen Juc en zu rückblieb, wirkte Mendelssohns Sprache und Stil es dünkte seinet Zeitwie ein Mirchenträum genössen tat sächlich wie ein Märchentraum, daß sie 151