Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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< ihn. Mose« Mendelssohn. Eine Auswahl aus seinen ririften und Briefen von Dr. B. May und I. B. Levy, Auflage, 1929, I. K luffmann, Verlag, Frankfurt a. M. Aus Anlaß der Wiederkehr des 200. Todestages beijeitet ein Kbmitee di: Herausgabe sämtlicher Werke endelssohns vor. N cht aber ein jeder wird in der e sein, sich dieses g ewaltige Werk anzuschaffen. Und loch sollte ein jeder über diesen jüdischen Oeistesheros nterrichtet sein und s :ine Schriften, wenn nicht in ihrer öllständigkeit, so doc 1 wenigstens in Auszügen kennen, är es doch Mendelssohn, der seine Olaubensgenossen icht nur in Deutschlai d, sondern auf dem ganzen Erden- Fde beeinflußt und sie der europäischen Kultur zugert hat. Wir begrüßen da ier mit Dank das Erscheinen der {zweiten Auflage des oben erwähnten Schriftchens, das vor mehreren Jahren die beiden bewährten Pädagogen May und Levy (in »Denkmäler jüdischen Geistes«) bearbeitet und jetzt dur< h eine kurze prägnante Biographie Mendelssohns vermeh t haben. Mit feinem Verständnis und erprobtem pädagogischen Oeschick ist die Auswahl getroffen, die einzelnen Stücke sind mit entsprechenden Einführungen zu besser em Verständnis versehen: »Phädon«, »Jerusalem«, »Psalmer Übersetzungen«, »Morgenstunden«, sind mit wertvollen Kapiteln vertreten, die einen Hauch dieses großen Oeiste verspüren lassen. Ihnen reihen sich an: Gespräche, I esprechungen, Gedanken über das Oebet »Alenuc, »Schn iben an den Diakonus Lavater« in Zürich u. a. m. Die a m Ende beigefügten Erläuterungen erhöhen den Wert dietes schon ausgestatteten Büchleins, das Jung und Alt Bel ihrung bringen wird. F. Das Juniheft deif Monatsschrift für . Geschichte und Wissenschaft des Judentums liefert erneut den Nachweis, mit welch :m Eifer diese Zeitschrift bemüht ist, ihre Leser über ille Erscheinungen auf dem Oebiet der jüdischen Wissens chaft auf dem Laufenden zu halten. So erschien vor wer igen Monaten ein Buch von A. S- Y a h u d a, welches den Nachweis versucht, daß die Thora in weit höher;m Maße, als seither angenommen wurde, Spuren des Einflusses des Aegyptischen verrät. Ist dies richtig, so irheben sich gegen die landläufige Meinung der kritischen Schule, daß das biblische Schrifttum erst lange Zeit n ich dem Exodus begründet worden sei, ganz ungeahnte Bedenken. Der Aegyptologe der Budapester Universität, Professor Eduard Mahler, setzt sich eingehend mit (em Buche auseinander und gelangt trotz mancher Abweisungen im einzelnen zu dem Oesamtergebnis, daß Ynhudas Forschungen doch wichtiges Licht auf die Orunc fragen der biblischen Literaturgeschichte werfen. Im gl riehen Heft geht Rabbiner Dr. Lewin den Neuerscheir ungen auf demGebiote der leschichte nach. Eine Anzahl ostjüdischen O faChgelehrter Arbeitei über Grundfragen der Religionsgeschichte gibt auch die Wissenschaft des Oscar A. H. Zweite Folge“. lern Laien einen Begriff davon, daß Judentums über ihr engeres Fachgebiet hinaus ihren 4nteil an den Aufgaben der Gesamttheologie nimmt. Schmitz: „Wespennester. Musarioa - Verlag, München 1929. Der Kulturphilokoplj Oscar A. H. Schmitz, der Sohn eines' protestantischen Vfters und einer jüdischen - kurz nach der.Eheschließung getauften — Mutter, behandelt in seinen Essays „Wespennester. Zweite F >lge“ die Einordnung des Sozialismus undder Juden in lie abendländische Kultur. Schmitz glaubt, „oberhalb des Gegensatzes“ der Parteien zu stehen und die Probleme „ohne Affekt und Res lentiment“ zu behandeln. Die ier Glaube an seine eigen« Unparteil ichkeit ist unserer Ai isicht nach der verhängnisvolle Irrtum, der die Lektüre der Ausführungen des licherljch nach Wahrheit streben den Autors so unerfreulich macht. Schmitz ist seiner ii neien Einstellung nach konservativ und aristokratisch. Würde er offen auf seine — vermeintliche —, Objel tivitäi verzichten, so hä:te er vielleicht das Zeug,' gleich seinem geistigen Vorfahren, dem1 getauften Juden Friedrich Julius Stahl, eine philosophisch«! Begründung der kc nservativen Lebensanschaui ing zu gebjen. Sein Bestreben, einen oberhalb des Gegensatzes den Parteien liegenden Standpunkt einzunehmen,j verführt ijin aber leider daz i, zur Erleichterung seiner Beweisführung seinen 0< gnern Ansichten zu unt erstellen, die sie — Von bede itungslosei) Außenseitern abgesehen nie vertreten habm. Ausführungen wie die, daß die „orthodoxe“ Sozialdemokratie die Proletaris erung nicht auf heben, sondern sie fördern möchte, dall sie für die Prol«tarier zwar höhere Löhne /erlange, aber wünsche, daß si (leichtfertig verausgabt weiden (S. 30), erwartet man in einem parteipolitischen Flugblatt, aber nicht in ein :m kulturphilosophischen Essay. Der Phfloioph, der die politischen Me Ihoden der Bolschewisten verabscheut, sollte sich nicht zju der geistreichelnden Fo mulierung verleiten lassen, dkß der Bolschewismus nicht nur irgendein schlechtes I«stehendes, sondern Beste lendes schlechthin verneine S. Erstaunlich ist fl r einen D|enker wie Scbmitzj 1er sozialen Gedanken nicht etwa völlig verschlossen ist vgL S. 143), die Ansicht, d :r Marxismus sei eine Angel« genheit nur von Jahrzehnten, deren qetztes nahe sei (S. 7f). Noch wer iger als (dem Sozialismus w rd Schmitz dem Judentum und der! Judenheit gerecht. Oerade wet mit Schopenha ier und Cpraf Keyserling' von der Minderwertigkeit der Massen '{überzeugt ist (vgl.! >. 195), darf eine Qemeinsciaft nur nach ihren besten V Ttretem beurteilen. Wer aber dies tut, wird die Phrase, vom „im Grund unproc uktiven, [aber hochbegabter modernen Judentum“ (S. 172) nichtj nachsprechen. Bei der Art und Weise, in de r der Hälbjude Schmilz seit en eigenen Pazifismus den angeblich „flachen“ Pazifism is der Juden gegenüberstellt (S. 182ffj), wird man an Weinirger erinnert" Schmitz meint, es g(:be keinen Juden, de r nicht geistbetührt wäre (S. 764). i Darum set die bes ondere Empörung, die den jüdischen Verbrecher treffe, berechtigt Geist verpflich et! Dann1 dürfen wir Jude« aber auch unserer Empörung Ausdruck geben, wenn ein nach philosophischei Abgeklärtheit strebender Schriftsteller Sätze des Inha ts zu Pajpier bringt, wie: „ Darum wird auch niemand das gräßliche Ende des unselig verblendeten Landauer mit dem frei gewollten Heldentod, die wirre Politikasterei cer Toller und Mühsam mit de’ freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst verwechseln.“ (Toller war — nebenbei gesagt — auch Kriegsfreiwilliger.) „Was in” aller Welt fpngen Marx, {LasSalle, Eisner, Lan lauer, Toller die deutschen Proletari«jr an?“ (S. 271). Schmitz - als Hal^jude — ist kein Rassenantisemit, mit dem jede i Diskussion zwecklos wäre. VI enn aber ein 143