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Der Orden Bne Briss · 1929-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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versität Leipzig, es ist, eine Schrift zu besitzen, die dem Interessenten eine wissenschaftlich wertvolle nnd äußerst interessante Einführung in dieses Gebiet gewährt. Mit Genugtuung wird der jüditche Leser hier Sätze lesen wie die: »Wir sind im Irrtum, wenn wir die Zeit des Nomismus, wie wir vom Neuen Testament herkommend gerne tun, nur anklagen' ... Wej Gelegenheit hat, das innere- Leben jüdischer Familien auch unserer.Tage kennen zu lernen, die in aufrichtiger- Frömmigkeit das väterliche Gesetz in aller Strenge halten, der wird staunen über ein Maß von Freude, Glück und Sonnenschein, das es über dem jüdischen Hause ausgießt und von dem der Draußenstehende keine Ahnung hat« (S. 162—163.) Solche und ähnliche Sätze eines, Mannes, der anerkanntermaßen zu den größten christlichen Religionshistorikern der Gegenwart gehört, Zeigen, daß auf den Höhen der ernsten und besonnenen Wissenschaft das alte schier Unausrottbare Vorurteil gegenüber der »Gesetzesreligion« des Judentums überwunden und einer gerechten, ehrfurchtsvollen Beurteilung gewichen ist. - Was man auch immer'von Einzelheiten dieser Schrift halten mag, als Ganzes betrachtet bietet sie ein herrliches Bild der Entwicklung der 'isr. Religion, mit großer Meisterschaft der Darstellurtgskimst entworfen, aus der Tiefe der Forschung' und der Fülle des Wissens heraus gestaltet. Dr. H. * Julius Bab: Shakespeare — Wesen und Werke. — Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart-Berlin-Leipzig. Die Einleitungen, die der Verfasser in der neunbändigen, 1922—1924 im Verlage der Union erschienenen Shakespeare-Ausgabe des einzelnen Werken vorausgeschickt hat, sind mit geringen Abänderungen in Buchform erschienen. Das Buch darf die ihm vom Autor zugeschriebene Oeltung einer p I a n v o 11 e n E i n h e i t mit Recht für sich in Anspruch nehmen, ln tiefgründiger Weise dringt Bab in Wesen und Werke der einzigartigen Persönlichkeit des Weltdichters ein. »Das Erlebnis, von dem aus das ganze Werk« — um mit den Worten des Verfassers zu sprechen — »und dann'jede; einzelne der Werke dargestellt und gedeutet werden soll, ist das Erlebnis der dranatischen Form als einer religiös -schöpferischen Tat höchsten Ranges.« Chronologisch werden die einzelnen Werke in Beziehung gebracht zu dem Seelenleben des Dichters, dessen einzelne Phasen die dramatische Form der Werke bestimmten. Wesen — Werke: Erstlingswerke — Jugendwerke — die Werke der beginnenden Meisterschaft — das große Königsspiel — die großen Lustspiele — die Werke der beginnenden Lebenskrise — die großen Tragödien — die Werke 'der Verfinsterung — die Märchenspiele des Ausganges. — Eine geistvolle Art, den Dichter und sein Werk unserem Herzen näher zu bringen. A. Gdt. % - W Blutlügen. Märchen und Tatsachen. Berlin 1926. Philo-Verlag. _ »Nur kühn verleumden! Immer bleibt etwas hängen.« Nach dieser verwerflichen Methode verfahren die Judenfeinde seit Jahrhunderten auf dem Gebiete der Blutlüge. Wird ein christliches Kind ermordet oder vermißt, so wird die ungeheuerliche Beschuldigung erneuert, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchten, ln letzter Zeit war es besonders die nationalsozialistische Presse, die die Ritualmordhetze von neuem entfachte. Der rührige Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sah sich daher veranlaßt, eine neue Flugschrift gegen das Ritualmordmärchen erscheinen zu lassen und hat sich damit den Dank nicht nur der Juden, sondern auch aller anständigen wahrheitsliebenden Menschen erworben. Denn das Aufwärmen solcher Märchen in unserer Zeit ist eine Schande für jeden Kulturstaat, für jeden vernünftigen Menschen. r . Mit gediegener Sachkenntnis ist auf den knappen Raiim von 36 Seiten in diesem Büchlein geschickt alles .zusammengetragen, was zur wirksamen Zurückweisung derj Blutlüge gesagt werden kann. An der Hand der Geschichte wird gezeigt, wie die Blutlüge von der abergläubischen Mehrheit gegen die in ihrer Mitte lebenden religiösen Minderheiten ausgestreut wird. In den ersten Jahrhunderten wurde der Vorwurf des rituellen Blutgetjrauches im römischen Reiche gegen die dort in verschwindender Zahl lebenden Christen erhoben; nachdem dann das Christentum Staatsrdigion geworden, richteten die Christen gegen eine Anzahl christlicher Sekten denselben Vorwurf. (In neuerer Zeit waren es die Chinesen, die die dort in geringer Zahl lebenden christlichen Missionare des Blutgebrauches bezichtigten.) Die Blutanklage wirdjerst später auf die Juden über, tragen, und zwar taucht dieses Märchen erst am Ende des 12. Jahrhunderts auf. Von diesem Zeitpunkt an wird es von gewissenlosen Individuen als willkommener Anlaß benutzt, um Pogrome unter den Juden zu veranstalten, sich ihrer Habe zu bemächtigen oder sie als Gläubiger los zu werden. - k Sehr einlei/chtend sind die Ausführungen auf Seite 8, daß das Märchen vom Blutgebrauch für Mazzen und Osterwein nichts weiter ist als eine Uebertragung des den Christen gemachten Vorwurfs (durch die mißverstandene Ausdrucks weise beim Abendmahl »Leib und Blut Christi«) auf jüdische Gebräuche. Die weiteren Abschnitte dieses ausgezeichneten Schriftchen$ behandeln die jüdische Religion und den sogenannten »Blutritus«, die angeblichen jüdischen Geheimsekten, die angeblichen geschichtlichen Zeugnisse für den Ritualmord, die Zurückweisung der Blutlüge durch christliche Autoritäten, wie. Päpste, weltliche Herrscher, theologische Fakultäten und einzelne christliche Gelehrte. — Die literarischen Hinweise am Schlüsse der Broschüre werden denjenigen, die sich mit diesem Thema noch eingehender beschäftigen wollen, sehr willkommen sein. Auf Seite 31 wäre noch zuerwähnen, daß auch der polnische König Stefan Bathary zwei Dekrete am 5. Juli und 6. August 1576 gegen die Blutbeschuldigung der Juden erlassen hat. Wir wünschen dieser vortrefflichen Schrift weiteste Verbreitung in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen, damit die Wahnwitzigkei't des sogenannten jüdischen Ritualmordes allenthalben erkapnt werde. Daß es in unserer Zeit trotz der Verhetzungen noch vorurteilslose gerechtdenkende Christen gibt, beweist der vor kurzen erschienene Artikel:. »Oegen das Ritualmordmärchen« in der dem Zentrum zugehörigen »Westdeutschen Landes ■ zeitung« in München-Gladbach. F.

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