Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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r Philosoph statt sachlicher Argumente die Gesinnung seiner Gegner herabsetzt und in dem, was dem anderen heilig ist, nur. „Ressentiment“ wittert, wenn ihm jedes Verständnis für bedeutende Persönlichkeiten anderer Einstellung abgeht, dann ist man nahe daran, an jeder Verständigungsmöglichkeit mit ihm zu verzweifeln. Welcher , Art muß der starke Eindruck sein, den der „große rabbinische Denker- Leo Baeck“ auf Schmitz gemacht hat (S. 214), wenn er nach wie vor den Juden die Kindertaufe empfiehlt (S. 288!)! Gerade von Baeck hätte sich Schmitz über den wahren Charakter der Pharisäer belehren lassen können. } Daß Schmitz nach Erkenntnis, nach Wahrheit strebt, wollen wir anerkennen, »Daß er das jüdische Problem sine ira et studio behandelt hat, müssen wir entschieden bestreiten. Fritz Goldschmidt (Spinoza-Loge) „Mein Weg von Ost nach West“ von Jehudo Epstein. (J. Engelhorns Nachf., Stuttgart). Wenn sonst ein zu Reife und Ansehen gelangter Künstler sich und der We't Rechenschaft gibt über einzelne Stadien seiner Jugend, liegt der Wert solcher Publikation meist in ihrem Charakter als Autobiographie. Im Gegensatz hierzu sehe ich die — im ganzen beschränkten — Werte dieses Erinnerungsbuches, das die Verwurzelungen eines sich vom Milieu loslösenden, dabei doch wieder durchs Milieu bestimmten Künstlertums bloßzulegen versucht in etwas ganz Anderem, nämlich in der fast romanhalt spannenden Aneinanderreihung von Einzelerlebnissen, die, obwohl sie eine bestimmte Person betreffen,, typisch sind als moderne Entwicklungsphasen eines Volkes. Hinter Mauern lebt es, durch deren Ritzen hier und dort einer die Morgenröte einer neuen Zeit hindurchdringen sieht. Epsteins Werdegang vom armen russischen Judenknaben zu einemschon lange in westeuropäischer Kultur wurzelnden, geachteten Künstler zeigt, wie sehr diese Emanzipation im Osten noch zurückgeblieben ist. Wie er schon frühzeitig zu den wenigen Aufgeklärten gehörte, die es instinktiv ablehnten, in der Beibehaltung gewisser Gebräuche das eigentliche Wesen der jüdischen Religion zu erblicken, so spricht er nun etwas geringschätzig,- ohne sich irgendwie seiner ghettohaften Abstammung zu schämen, von der ärmlich engen Denkweise, die man noch heute bei den Juden des Ostens findet. Religionsgelehrte sind sie, Ethiker, durch Scheu vor dem Antisemitismus erst recht dem Zusammenarbeiten mit der Außenwelt, dem praktischen Leben entfremdet Natürlich wendet sich Epstein in den vielen Erklärungen, in denen sich das Buch gefällt, hai^ttsächlich an einen nicht jüdischen Leserkreis. Wie sich hier ein Mensch — und sicher gibt es noch mehr jüdische Erscheinungen dieser Art — zur Freiheit künstlerischen Schaffens, welches Talent gamicht einmal fest erkennbar von Geburt an - in ihm schlummerte, durchgerungen, durchgehungert hat, ist höchster Achtung wert. Schön auch, weil ehrlich empfunden, das Hohelied auf den Sabbath, das hier von einem im übrigen liberal gesinnten Juden angestimmt wird. Der Humor, der viele Seiten vergoldet und der Epstein selbst manches Erlebnis sicher rosiger erscheinen läßt, als er es damals empfand, erinnert an die witzige Anekdote - von jenem polnischen Juden, der daheim Moiscbe Pischer hieß, sich aber in' Frankreich Maurice de ta Fontaine und in Deutschland Moritz Wasserstrahl nannte. Auch darin spiegelt sich „Emanzipation“, liegt ein Weg von Ost nach West. Dr. Rieh. E I b (Dresden). I Ludwig Strauß: »Der Reiter«. Verlag von Rütten und Loening, Frankfurt a: M. Eine jüdische Legende, die in voller, farbiger Sprach- und Erlebniskraft aufleuchtet. Chassidischer Wunderglauben und Religiosität vermischt sich mit realistischem Tun in dem ungefügen Naftali Hakohen, der — ein seltsames Schicksal — als der Sohn eines m sich selbst zerfallenen Anhängers Sabattai Zewis geboren ist und ir zarter Jugend von Kosaken geraubt wird. Bei den Ko sakdn wird aus dem Juden jungen ein Bauernjunge. Ein Sohn der Erde, ein Reiter. Spät kommt er wieder zi) seinen Glaubensgenossen zurück: ein Fremder. Im Wesen ein Fremder, auch im Olauben und Wissen. Der Same des Wortes ist aber in sein Herz gelegt und als Eiwadhsener müht er sich mit unsäglichem Eifer, Mühen unp in heiliger Arbeit, bis die fromme Erkenntnis in ihm aufwädhst, größer und stärker wie bei denen, die. von früfti auf sich mit dem Buche beschäftigt. So wird er ein Gelehrter und weit und breit geht sein Ruf über die Landte. Er dünkt sich als Meister, bis ihn ein bescheidener Macgid die Grenze seines Könnens' erleben läßt. Fortan aber geht sein Wille nur einen Weg: die vermeintliche heilige Zauber- und Beschwörungsformel, das kabbalistische Wundergeheimnis dem Maggid zu entreißen. Er kann das gefährliche, sinnträchtige Pergament durch Diebstahl erlangen und nun geht Naftalis Wollen nach aufwärts. Die stolze Oemeinde Frankfurt wählt ihn als ihren Führer und Rabbi und das große Deutschland ist jnun sein Wirkungsort. Zuerst Frieden in seinem Amte und in sich findend,. zieht ihn das Pergament 'immer wreder in seinen Bann. Er wird von sündigem Willen nach voller Erkenntnis beherrscht — die Warnung des Mäggid in .die Winde schlagend. Und dann schleicht er] sich eines Nachts in sein Zimmer, verwegen den Zaubengeist, den Lichtgeist zu erschauen. Aber der Lichtgeist [ward zu einem schrecklichen Feuergeist, der sich, furchtbar daherrasend, erst über sein Haus, dann über die Straße, dann über das ganze Ghetto ausbreitet und alles zerstört. Der rächende Dämon hatte sich den allzuschwachen Hunden und dem allzuschwachen Geiste Naftalis entrungen.. Nun erkennt er seine Schuld vor der Oemeinde, vor sich und vor Gottes ewigem Geheimnis ... bis über die Schwelte des Todes. Der Reiter hatte sein Roß ‘ nicht zügeln können, er war zu stolz im Erkenntnisdrang, zu eitel, zu sündig ... er ist dahin!... Schöne, in sich gefestigte kraftvolle Sprachp, edle Vertiefung des Stoffes und eine feine Zeichnung des Seltsamen Milieus zieren diese neueste Erzählujng des ja' nicht unbekannten Dichters Ludwig Strauß, dtie voll jüdischen Erschauens und Handelns ist. I j Siegmund Reis, Hindenburg O. S. »Mein Ferienbuch«. Die Jugend hat bisher Jugendschriften bekommen, die als Oeschenke für festliche Stunden bestimmt waren. Kein Geburtstag, kein Osterfest, kein Weihnachtsabend ohne ein Buch für den Knapen'oder Mädchen! Aber jme Zeit ist übersehen worden], die für däs Kind so wichtig ist und in der es doppelt empfänglich für ein gutes Buch sein kann: Die Ferienzeit. — Da t<Jllt^ der Junge entweder fessellos herum im Freien, allein er mit Schicksalsgenossen, oder er oder das Mädchen — 144 j—