Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1929-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6727475-6029145-6074796--2128-4868732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

menschliche Herz. Die .prophetische Botschaft von der Weltherrschaft Oottes ist mit ihrer Universalität zugleich individuellstes menschliches Anliegen. Nicht über den Menschen hinweggehend, sondern bei ihm, seinen persönlichsten Pflichten und Hoffnungen anfangend, beginnt das Reich Gottes. »Wenn du einen Setzling einpflanzest, und man ruft dir zu: gekommen ist der Messias! pflanze deinen Setzling, um] dann erst geh’ hinaus, und begrüße den Messias^ So die Worte des Jochanan-ben Sakkaj. Dein Liebstes und Eigenstes mache zur Stufe für den Weg Gottes. Seit den ältesten Tagen heißt, »jüdisch« etwas durchaus Universales unp zugleich etwas ganz Einmaliges und Persörtliches. Theodor HerzL Eine Persönlichkeitsbetrachtung. Von Br. Alfred Göldschmidt, Berlin. Im Juli 1929 jährt sich zufn 25sten Male der Tag, an dem der Schöpfer und Führer des Zionismus dahingeschieden ist. Seine Persönlichkeit ist bedeutend genug, sie — losgelöst vorf irgend einem Parteistandpunkt — nur als solche zu betrachten — wie «Ferdinand Lassalle eine anregende und fesselnde Persönlichkeit bleibt, von Welchem Gesichtspunkt aus man 4hn auch anschauen mag. ln der Vorrede der ersten Auflage — 1905 — der von dem kürzlich »verstorbenen Professor Leon Kellner herausgegebenen Schriften Theodor Herzl’s steh'en die Worte: »Wie er, der erfolgreiche Schriftsteller, der bezaubernde und vielumworbene Weltmann dazu kam, den stillen Hafen seines Berthes zu verlassen und auf dem sturmgepeitschten Schiff des judenvolkes das Steuer zu ergreifen, wie er seine schier übermenschliche Arbeitskraft zu äußerstem anspannte, bis er mitten im Werke zusammenbraQh; wie er die Aermsten seiner Stammesgenossen zur Höhe seines Ideals emporhob und es andererseits über sich brachte, sich werbend der hochmütigen Beschränktheit der Reichsten zu nähern, wie er durch seine stille Größe die Mächtigen dieser Erde gewann und mit seiner durchsichtigen Ehrlichkeit im Begriff war, den Argwohn der Mißtrauischen zu entwaffnen — das wird einer späteren Darstellung Vorbehalten bleiben.« An anderer Stelle heißt 1 f Anläßlich der 25 jährigen Wiederkehr des Todestages von Theodor Henzl — 3. Jnli 1904 — bringen wir die Wiedergabe einer Skulptur des Bildhauers Alexander J a r a y, die *ins von dem Künstler zur Verfügung gestellt wurde: eine Idealisierung des herzl-Gedankens. Eine kraftvolle, vorwärtsschreftende. jugendlich-männliche Persönlichkeit, die das jüdische Alter, das jüdische Leid mit sich nach vorn — einer Hoffnung entgegen — bewegt. Von Jaray stammt auch die Skulptur am Berliner Logenhaus: Aelterer Bruder einen jüngeren einführend. es: »Der Seelenforscher wird die Aeußerungcn eines geborenen Führers, einer nach Carlylesche n Ausdruck königlichen Persönlichkeit,- mit Teilnahme und seltenem' Gewinn studieren.« Her2l hatte sich bis zu seinem 35. Lebensjahre nicht mit jüdischen Angelegenheiten befaft. Er war bis dahin ein Journalist von Ruf gewesen. Seine Schilderungen der Charakterköpfe unter den bedeutenden Persönlichkeiten Frankreichs hatten Anerkennung gefunden, seine Dramen wurden aufgeführt. In sein Leben brachte der DreifuS- Prozeß, dem er im Jahre 1894 in seiner Eigenschaft als Korrespondent d^r »Neuen Freien Presse« in Paris beiwohnte, eine durchgreifende Wendunjg. Von untep herauf tönten in den Gerichtss^al die Rufe: ä bas les juifs! Das wiederholte sich, als dem jüdischen Hauptmann auf offenem Platze die Tressen heruntergerissen wurden. Es geschah in dem Frankreich der Menschenrechte, der Gleichheit und Freiheit. Herzl hielt Dreyf^ß für unschuldig. »Warum aber diese Rufe, wenn selbst der eine ein Verräter wäre? Warum a le Juden die Schuld dieses einzelnen büßen lassen?« So kommt er zu einer Betrachtung der Gesamtjudenlage. In dieses freie Land — Frankreich |— kommt der Antisemitismus hinein oder taucjht wieder auf — durch eine Zufälligkeit, eine Episode. Wenn das in diesem gelobten Lande der Freiheit möglich ist, dann ist nach seinem Schlpß die Befreiung der Juden auf bestehenden Grundlagen nicht möglich. Die Judenansammlung ruft den Antisemitismus hervor, durch den Abfluß von Juden in die verschonten Länder wird der Antisemitismus dorthin getragen. Die Befreiung ist die nationale Zusammenfassung der Juden auf rechtlich, gesicherter Grundlage. Der Ort ist Palästina. Es entsteht der »Judenstaat«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.