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Der Orden Bne Briss · 1929-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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f wort an die Menschheit. Den Blick Auf die Menschheit zu richten, für sie zu wirken und* zu hoffen, ist die Pflicht des Juden. / Theoretisch ist a so ein Gegensatz zwischen Judentum und Humanität undenkbar. Dieser kann aber wohl auftjauchen aus der Praxis des alltäglichen Lebens, Wo es sich nicht mehr um die Prinzipien, sondern um die nächstliegenden Ziele handelt. Die, die einig sind in ihrem Bekenntnis, das als jüdisches die Menschheit mit umfaßt, fragen: was ist zu tun? Jetzt und hier? Und an dieser praktischen Frage geschieht es, daß sich jüdische und humanistische Richtungvon einander scheiden, daß sie leidenschaftlich gegeneinander auf treten. Dabei ist keineswegs an diesgedacht, daß die Hinwendung zuin Allgemeinen eine Flucht vor der gerade sich darbietenden Pflicht ist, daß die Rede yon der Menschheit gebraucht wird, um sich der Mitarbeit an jüdischen Aufgaben zu entziehen, daß peißt also mißbraucht wird. So etwa, yjrie Rousseau es meint, wenn er sagt: »Mißtraut jenen Kosmopoliten, die in der Ferne!in ihren Büchern die Pflichten suchen gehen, die sie verschmähen, in ihrer Umgebung zu erfüllen. Mancher Philosoph liebt die Tataren, um davon entbunden zu sein, seinen Nachbar zu lieben. (Emile, llvre I, p. 14/15). Nein, nicht von denen ist die Rede, die die erhabene Idee der Menschheit zur Bagatellisieruhg der jüdischen Gemeinschaft mißbrauchen, sondern von der echt moralischen Spannung, die entsteht, wenn sowohl-- die Menschheit als auch die jüdische Gemeinschaft — beide — als ideale Werte sichtbar werden, j Die Menschheit ist eine Idee. Wenn ich Sie aber in mein Handeln aufnehmen will, so zeigt sich, daß danit allein das Tun noch keinen Bewegungsraum besitzt. Für das Gute , und Wahre »überhaupt t kann man nicht arbeiten, sondern nur für das Gute und Wahre im konkreten Fall. Daher kann der Imperativ: Wirke für die Menschheu! ganz einfach lauten: Tu Outes in deinem jKreise! In deiner Gemeinschaft, in die ,du dürch Natur und Schicksal hineingestellt bist! Darum ist jede wahre Ethik universal. Das Gijte, das geschaffen wird, ist nicht nur für deri kleinen Kreis der. das Gute schaffenden Menscnen, sondern für die ganze Menschheit bedeutsam. Die Entstehung des Guten hat naturnotwendig eine partikulare Geschichte, das Gute selbst aber, in sfeinem Wert und in seiner sich auswirkenden Bedeutung, weiß nichts von diesem Partikularismus, es ist i — 127 universal.. Jede wahrhaft gute Tat ist. Eigentum der Menschheit. Arbeit am Judentum isf Arbeit an der Mensch heit. Dort, wo die Bindung der Idee an jdie gegebene Wirklichkeit versäumt wird, ist a ich der Anschluß an die Tat versäumt. 'Man wird im Pathos des Bekenntnisses stecken bleiben, wird nur reden können und nicht handeln. Und wie sollte auch d e Idee der Menschheit ür das praktische Geschehen wichtig. werden wenn nicht die konkrete Gemeinschaft das Material hergibt, der Menschheit zu dienen? »Die Menschheit«, das Ist kein Programm, wiewohl sie ein Ziel ist. Ein Programm hat eine bei timmte, durch den Augenblick diktierte Arbeitseil teilung. Was wir als Juden tun müssen, ergibt ich ans den Nöten des Tages: Hier muß aufgebaut, dort muß festgehalten, anderswo renoviert werden. Das einzelne! diktiert der Tag. Die Me ischheit ist das erhabene Ziel/ Die jüdische Demeinschaft ist es, die wir Juden instand setzen müssen, sich auf dieses Ziel hin'zu bewegen. Die Leistung, die Hs jüdische in die Geschu hte einmünden kann, hat ihre Richtung in der Menschheit, ihren SUndortln der jüdischen Gemeinschaft. Bei der Auseinandersetzung zwisc hen jüdischer und humanistischer Richtung handelt es sich um die letzten Prinzipien/ Es gibt religiösen Univärsalismus: dessen klassische Vertreter sind die israelitisch-jüdischen Propheten. Und es gibt politischen- Universalismus. Dessen klassische Vertreter sind die griechisch :n Philosophen. Die se letzten wollen die Eit heit der Menschen vom Staate aus. Der eiiie, alle Nationen umfassende Staat ist-es, der den Oedanken der (inen Menschheit verwirklicht. Dadurch erhält der politische Universaiisn us seine imperialistische Note. Dieser fmperialis mus, der die individuelle Gemeinschaft als Fremdkörper im politischn Verband empfindet und auszuschalten bes rebt; sein wird,'^Ist dem religiösen Universalismus djer Propheten frejncU Die Propheten haben gew^iß ausdrücklich von d< :r einigen Menschheit g esprochen. Aber diese E inheit ist eine solche vonj Individuen. Die Menschheit, das ist für die; griechischen Philosophen eine Frage der Organisation, und sie benntwörten sie wie, Juristen ohne Ansehen der einzelnen Menschen. Der die Propheten einzelne Mensch ist aber für wichtig. Die Weltherrsch ift Gottes beginnt im ^inrielnen Individuum urd schafft einen Bund dpr Menschenherzen. Die 1 ferrschaft hjer .Weltweite die ganz« Menschheit als ihrei Bezirk' und ist so tief wie das i

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