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Der Orden Bne Briss · 1929-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Deutschen her kam das strenge, fast pedantisch zu nennende Forschen, der unerbittliche Trieb nach Wahrheit, das rastlose und immer erneute Sammeln des Materials aus allen, auch den entlegensten Quellen aller Nationen, vom Jüdischen her das Durchdringen mit der Schärfe des Geistes und nicht zuletzt die Freude an der Eleganz der Wiedergabe, die Sorgfalt, die auf die Schönheit der Form verwendet wurde. Diese Vereinigung zwischen Deutschem und Jüdischem galt auch für seine Einstellung zum Logengedanken. Br. Ooldstein trat am 28. Januar 1907 im Alter von 33 Jahren als Mitglied unserer Starkenburg-Loge in unseren Orden ein, er wurde im Jahre 1911/12 Vizepräsident, war daran anschließend 1912/13 Präsident, war im Jubiläumsjahr 1926/27 nochmals Mitglied des Beamtenrates und gehörte als Expi äsident lange Jahre bis zu seinem Ableben dem Generalkomitee an. Manchen . wertvollen und fein ziselierten Vortrag verdanken wir ihm, manches temperamentvolle, neue Gesichtspunkte weisende Eingreifen in die Debatte. Ein regelmäßiger Besucher der Arbeitssitzungen war er nicht, besonders in den letzten Jahren. Das hat wohl mancherlei Gründe gehabt. Vor allem hinderte ihn seine intensive auswärtige Tätigkeit, die ihn oft wochen- und monatelang von Darmstadt fern hielt, daran, hinzu kam insbesondere in der jüngst vergangenen Zeit sein langes Krankenlager. Aber eine sehr wesentliche Rolle hat wohl auch der Umstand gespielt, daß die Arbeitssitzungen mit ihrem notwendigerweise oft etwas „ruhigen Tempo, bei dem sich trockene Oeschäfts- und Verwaltungsdebatten nicht vermeiden lassen, seinem feurig vorwärtsstrebenden Oeist nicht entsprachen. Und trotz dieses seltenen Besuches, was war er für* die Starkenburg-Loge, was war er für den Logengedanken! Von unseren hohen Idealen war es vpr allem eines, als dessen Vorkämpfer Br. Goldstein in vorderster Reihe stand, das Ideal der Bruderliebe. Aus ihm erklärt sich sein Kampf gegen die Schranken des Klassenhas$es und des Rassenhasses. Den Klassenhaß hat Br. Goldstein als guter Republikaner bekämpft: Aber Kampf bis aufs Messer hat er dem Rassenhaß und dem Rassendünkel angesagt. Das ganze Arsenal aller wissenschaftlichen Waffen hat er hier aufgeboten, Medizin und Jurisprudenz, Naturwissenschaft und nicht zuletzt Philosophie. Helfer im Kampf hat er bei jüdischen und nichtjüdischen Freunden gefunden. Nicht nur das Unethische, vor allem auch das Unlogische der rassentheoretischen Gedanken hat stets aufs neue seinen gerechten Zorn erweckt und ihn immer wieder zum Streit gerufen. Er erkannte, daß reine Abwehrschriften nicht genügen, daß es vor allem nötig ist, den anders Gesinnten zu weisen, wie wir Juden sind, und daß die Tageszeitung und das Vereinswochenblatt nicht allein die Plattform sein konnten, von der aus dies gezeigt^ werden muß, sondern daß man den Kampf von einem höheren geistigen Niveau aus führen muß.' So gründete er den »Morgen«, eine Zeitschrift, die die besten aller Geister, Juden und Nichtjuden, vereinigt zur Klärung und Deutung jüdischer Fragen. Die Schaffung dieser Zeitschrift bedeutete die Krönung, den harmonischen Abschluß seines Lebenswerkes. Und dieser Abschluß fügt sich so selbstverständlich als Endstein an den Bau, daß wir vergessen könnten, daß der Baumeister vor der Zeit abgerufen ist, daß Br. Ooldstein allzu früh im 55. Lebensjahre uns genommen ist. Nicht durch Worte, sondern nur so könnet! wir unserem Gedenken Ausdruck verleihen, daß wir den Kampf da weiter führen, wo der Toa dem Entschlafenen die Waffe aus der Hand nahm, daß wir in seinem Sinne eiris'tehen für sein Ideal, das Ideal der Bruderliebe. * D r. L. L o e b, Starkenburg- Loge. Arbeit am ^Judentum und Blick auf die Menschheii Von Br. Rabbiner Dr. Ignaz An die denkwürdige Rede Baecks auf der Oroßlogentagung am 18. November 1928 knüpfte eine vielleicht bis heute noch nicht abgeschlossene Diskussion in unseren Logen an, als deren erstes Resultat das Bestehen einer »jüdischen Richtung« und einer »humanistischen Richtung« Majrbaum, Frankfurt-Oder. in unseren Kreisen festgelegt werden kann. Zunächst ist daran erstaunlich, ja höchst befremdlich, daß Judentum und Humanität als Gegensätze auftreten. Um so erstaunlicher, je unumstößlicher der Satz zu gelten hat: Judentum st Humanität. Die jüdische Religion ist das Gott« iS-

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