Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 6 - Juni
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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denkwürdigen 'Abschnitten repräsentierte er die Loge. Er war der Anreger, der Unermüdliche, der stets für Gedanken des Ordens zur Verfügung stand. Der Galizische Hilfsverein, der Arbeitsnachweis, die Toynbeehalle, Kinderhorte, mensa academica judaica, Verein zur Rettung verlassener Kinder, Mittelstandsfürsorge etc. verdanken ihre Entstehung seiner Initiative oder wurden von ihm unterstützt oder ausgebaut. Er war ein Mann der Tat. Er liebte es nicht, viel Worte zu machen. Sein Versprechen ] war gleichbedeutend mit Erfüllung. Auf ihn j konnte man bauen. Kein Opfer war ihm zu j grob, wenn es galt, Hilfe zu bringen, auch für | gänzlich Unbekannte. In der Wiener Gemeinde,;in der er eine! angesehene Stellung annshm, wollte er nicht] Mitglied des Oemeindevofstandjes werden, aber seine Tätigkeit in den Kommissionen, die er über mehr als 10 Jahre erfolgreich leitete, sprach für seine unermüdliche Arbeit. Er wurde Ehrenmitglied der philanthropischen Vereine, war durch viele Jahre Präsident der bedeutenden Baron Hirsch-Schul- * Stiftung. Allen äußeren Ehrungen ging er aus < dem Wege. Die tätigste Unterstützung verlieh er seinem Vorgänger in der Leitung des österreichischen Distriktes, dem seligen Br. Prof. Ehrmann. Es war nur eine natürliche Folge, daß er nach dessen Tode Großpräsident wurde. Leider war es ihm kaum 3 Jahre vergönnt, Führer des österreichischen Distriktes zu sein. Die imposante Beteiligung an seinem Begräbnis, bei dem der deutsche Distrikt durch Br. Vize- / großpräsident Dr. Walter vertreten wurde,bezeugte das hohe Ansehen, dessen er sich im Orden und in allen Kreisen Wiens erfreute. Die Liebe, die der teure Verstorbene in allen ihm nahestehenden Kreisen zu erwerben verstand,, ist nicht nur auf den österreichischen Distrikt begrenzt Auch in unserem deutschen Distrikt wirkt die Liebe und Güte, die von diesem Manne ausging, fort. f A Gdt. Die Jugend und ihr Heim. Von Br. Dr. Hu'go Hahn, Essen. Die Jugendbewegung grlebi heute ihre entscheidende Krise. Ihr «klassisches Zeitalter« liegt bereits hinter ihr. Es umfaßt die Jahre: kurz vor und kurz nach dem Weltkrieg. Es war die Zeit, da die Jugend sich ihres Jungseins in einer nie geahnten Inteijisität bewußt wurde. Aehnlich wie vorher des Arbeiterstand in Be^ wegung geraten war, um sein Recht auf Eigengestaltung des Lebens geltend zu machen, wie gleichzeitig die Fiau um ihre Emanzipation kämpfte, so bäumte sich i^un die Jugend gegen jegliche Art von Zwangsheitrschaft im Erziehungswerk .auf. Sie wollte nicht nur kommandiert sein, sie wollte nicht nuti .als Objekt der pädar gogischen Maßnahmen betrachtet werden, sie war vielmehr yon der Uebprzeugung durchglüht, daß die Jugend an sich einen wichtigen Faktor im Kuiturganzen darstelit. Ihr vor allem Ist die Ursprünglichkeit des Fühjens, die Konsequenz der Argumentation und d’e Unbedingtheit'der Tat eigen, aus der alle großen Kulturschöpfungen hervorgegangen sind. Dieie Jugend sagte darum Wir bringen den Aufsatz : von Br. Dr. Hahn in Erinnerung der Tatsache, daß der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands vor 20 Jahren von der GroSloge gegründet worden ist. , dem Autoritativen, als dem nur.Hergebrachten, dem Konventionellen, als dem oft Geistlosen, dem Zivilisatorischen, als dem leichf Kitschigen, unentwegten Kampf an. Ihr ging es darum, das Echte, das Natürliche, das Dauernde, das Ewige im Menschen wiederzuentdecken und zu pflegen. Die Jugendbewegung, wurde als Protestbewegung geboren. Ihre Haltung war kulturkritisch. Ihr Kampf galt dem verbürgerlichten Haus, der mechanisierten Schule, dem vergötzten Staat. Sie sonderte sich von der »Gesellschaft« ab, sie mied die Trägerin des von ihr verabscheuten Zeitgeistes: die Großstadt. Sie ging mit den Jungens und Mädels »auf Fahrt«, hinaus aufs Land, hinein in die Unberührtheit der Natur. Sie schuf eine eigene Tracht, einen eigenen Lebensstil für die Jugend. Alles war auf Einfachheit und Unbedingtheit des Denkens und Handelns gestellt. Der »Bund« wurde eine Welt für sich, eine jugendinsel im Staatenmeer der Alten. Die Heimfrage war für die Jugendbewegung des klassischen Zeitalters keine Frage von ausschlaggebender Bedeutung. Ihr waren die Wiese und der Berg die von Gott gegebenen 102 —