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Der Orden Bne Briss · 1929-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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jüdischer Familien, reiche Kaufleüte und Unternehmer und arme Philo: ophen, Schöngeister und — nicht zuletzt — ein ge Frauen] Die Berliner der Zeit nach dem s ebenjährigen Kriege bis zum Ende des Jahrhunderts erfreutet! sich eines langsam, aber ständig Wachsenden Wohlstandes, entsprechend der politischen Laie des Staats. Was aus dem Studiüm der zeitgenössischen Literatur.— die wichtigste Quelle ist immer noch Nicolais Arbeit — hervjorgeht, ist nichts weniger als das Werden einer! auch kulturell zum Eingreifen sich bereitmachenden Stadt, die schon fast keine Aehnlichkeit Imit dem primitiven Stadtgeschöpf besaß, das wenige Jahrzehnte vorher Winckelmann kennengpernt hatte. Eine aus so heterogenen' Bestandteilen gemischte Gesellschaft Jab aber dpr Stadt nicht nur für damals die geistige Physiognomie, sondern sie wirkt eigentlich bis heute fort; wie die Grundzüge eines Gesichts sich selbst dann nicht verwischen, wenn. sie) älter und reifer werden. Bei dem ausgesprochenen Freisinn des großen Königs in geistigen i Dingen unjd dem auch späterhin oft nur kurzen Aufenthalt des Hofs, genoß das Berlinertum|in seinen ersten wichtigen EntwicklungsjahrzehntCn eine ungewöhnliche Freiheit. Herrscher und Volk hattejn die gleichen Interessen und die gleichen Grundänschauungen. Die künstlerische) Vergangenheit Berlins in «dieser Epoche erfreute sich lange Zeit einer geradezu beispiellosen Vernachlässigung. Das gilt nicht nur für das Stadtbild, das )ja seit seinen guten Bauperioden bis zur Unkenntlichkeit entstellt und zum größten Teil völlig vernichtet worden ist, es gilt leider auch für; die einzelnen Kunstwerke, während [wissenschaftliche und literarische Tradition nofch hier und da pietätvolle Pfleger fand. Nun aper erschienen kurz nacheinander zwei umfangreiche Werkte, die diese wichtige Periode wirkmgsvoll erhellen. Hans Mackowsky verö fentlichte deh ersten Band seiner lang erwarteter Schadow-Bi|ographie, die Jugend ynd Aufstieg von 1764 bis 1794 behandelt, und Tassilo H o f f m a n n brachte einen stattlichen Folioband heraus unter dem Titel: Jacob Abraham und Abraham Abramson — 56 Jahre Berliner Me-, d a i 11 e n k u n s t (in Verlag von |J. Kauffmann als Nr. 31 der Schrften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums). Die Medaille, uni die sich heute nur sehr wenige Menschen I Ommern, war seit ihrer Wiedergeburt in der Renaissance j bis zum Beginn des neunzehnten" Jahrhunderts ein ganz sondern senden der Oesai daher kei wichtiges Element dicht mir der Kunstgeschichte, IWisdie rtieltkultur. Es ist für die e Ueberraschuhg, daß Gebiets zu den Durchforschung seifigst:n und überraschendsten Ergebnissen führte, zumal ja Berlin von jeher und besonr ers seit dem Großen brechung eine der Kurfürsten mit kurzer L n terwichtigsten Pflegestätter der Denkmühzen gewesen ist. Friedrich II. stellte sich allerdings zu dieser Sitte der Zeit ein v tnig seltsam. Einerseil s sah er vollkommen den damals aißerorden liehen Propagandawert einer »metallurgischen« Oeschichte ein und wolle sie haben; aber bei seiner-starken Abneigung gegen das Moilellsitzen weigerte er sich beharrl ch, den Künstlern unmittelbar zu helfen. Mochten sie sehen, wie sie fertig wurden. Jacob Abralu m, der Vater, eih fleißiger Autodidakt, trat sein -Amt als königlich-preußischer Stempelschneider i nd Medaillen 1750 an. Wenn ef neben seiier Pf lichtai t eit sich um Privataufträge bemühte, folgte er einer damals üblichen und bei der s :hr geringen Bezahlung übrigens auch wirtscha ftl ch notwendigen Gepflogenheit. Schon zu Beginn dter siebziger Jahre trat .ihm'dann sein damals noch nicht 20-jähriger; Sohn Abraham Abranson zur i Seite, der dann ebenfalls' beamteter StempelKhneider der Berliner Münze wurde und bis zu $efnem Tode 1810 im Dienst blieb. Die Hoffmanrische Arbeit hat zum ersten Mal die weitverzweigte Täügk|it der beiden mit t>tfwundernsjwürdigcr Aknbie durchforscht und es ist ihm gelungen, einen Gesamtkorpus der bieid :n Künstler tron nicht weniger als 318 StüCkejn zusammenzustellen. Natürlich ist nicht die] Za tl, sondern der Inhalt ihres Werks für uns dis Ausschlaggebende, und hier ist [allerdings d i's Gesamtbild, wel:hes wir erhalten,'ein wahrjr Spiegel dieser ganzen Epoche. Ging doejh damals katim ein Ereignis der inneren oder äußeren Politik <j>hne die Prägung einer Denkmünzfe vorüber. Pazu kommen Medaillen auf die) Vorgänge In der Staatsverwaltung, auf staatlich geförderte oaer privilegierte Unternehmen. Ferner Ernennungen, Beförderungen, Jubiläen, Todesfälle, sogar Ereignisse des Tages, die. heute in einer Zeitungsnotiz abgetan werden. Moses Mendelssohn regte einmal an,] das preußische Kupferkura!ltgela mit Darstellungen der Tatei; des Königs) auszugeben: Silber)wandere gar zu leicht in den in jedermanns chmelztiegel, aber Kupfer kämt fände; die Propaganda wäi e alsp ungeheuer. Er, Ramler und Nicolai, wollten di2 Themen* und Inschriften geben,; Meij die (Zeichl- — S9 — 4

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