Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Diener des Arztes, ein n arokkan scher j(ide, sah davon ab, am Sabbath an der Seite seines Chefs auf einem Esel dahei zureiten, wie er es an Werktagen tat: An Sabbath- und Festtagen lief er zu Fuß nach. Der ergiische \rzt sprach spaniolisch, wie jeder Sephardi, utw bediente sich sogar dieses Idioms bej^ Consilien mit dem (griechischen Kollegen, dem Arzt am Krankenhaus Misgab Ladach, weil dies die einzige Verständigungsspiadie für beide war. M]m erlangte die Oenehmigung des Ratbinats, daß Kranke, die in dem Missions-Krankenhaus verstarben, nicht auf dem jüdischen Friec hof beerdigt wurden Diese Maßregel blieb nicht ohne Wjrkung. Die Missionsleiter suchten sich zu helfet, indem sie Kranke vor dem Ableben zu \ erwandt^n schafften. Einmal kam es bei der Bestattung eines im Krankenhaus Verstorbenen zu einem Konflikt mit der Polizei, die die Part;i der Mission nahm und die Beetdigung auf dem jüdischen Friedhof erzwingen wollte. Die »pnilanihropische« Missionstätigkeit führt zwar nicht direkt zur Taufe, ist aber entwürdigend und hät etwas, wie Ludwig August Frankl sagt, von derj Wüste cjder von der Natur der Gletscher, die langsam, aber sicher vorrücken‘und immer neue g: üne Erde bedecken. Sie macht die Mission ponulär. Am verhängnisvollsten ist die Mission stätigkeitj in der Erziehung, besonders, wenn ks sich Um Internate handelt. Da sind die Kinder unweigerlich dem |udentum verloren, einerlei, ob es sich um das Waisenhaus der englische 1 Judenmission oder um die katholischen Anst; Iten der »Soeurs de Sion« u. dgl. handelt. Es gibt natürlich auch in Palästina gewissenlose Väter c)der Mütter, '('die sich der Erziehung ihier Kindedurch ihre Unterbringung in den Missionsanstalten entziehen wollen, in den meisten Fällen sind es aber Verzweiflung und Not, die! die Kincer den Missions-Anstalten ausliefern. JMif der Begründung des jüdischen Mädchenheithes hat (Jas Waisenhaus der Juden-Mission jahrelang kein^ Fortschritte machen können. Die Missionenl haben es von jt her verstanden, ihre Tätigkeit den zeit» weiligen Umständen , ai z jpassen. j Mit jeder neuen Einwanderung wäc ist die Not, und die Missionen machen sich du Notlage! eines Teiles der jüdischen Bevölkerung zu nutze] Sie fühlen heraus, wo es fehlt, wo Lücken auszjufüllen sind, und springen ein. Dem will die Großloge für Palästina entgegentreten Wenn von der Mission heute derl Aermsten de- Armen nicht pur freier Unterricht, sondern auch Mittagskost, Schulbücher und Kleiqung verabreicht werden, so sollte diese Hilfe jüdi^cherseitserfolgen. Ein Fürsorgeamt nach bestem Mpster wird nat( rlich nötig sein^ um Mißbrauch seitens skrupell 5ser Eltern zü Verhüten. Unsere Logen verfügen über Männer und Frauen, die sich aus Idealismus einer solchen Aufgabe gern unterziehen werden. Eine klaffende Lücke zeigt die Tatsache auf, daß bürgerliche Kreise ihre Kinder i^i die Mittelschulen der Missionen schicken,! weil. sie dor; besser für dein Kampf des Lebens gewappnet werden. Der englische Unterrichjt I in den jüdischen Schulen wird als ungenügend empfunden und man hört darüber klagen, dafj} die englisd en Behörden bei größter Vorurteilslosigkeit Beam enstellen jetzt mit Nichtjuden besejtzen, weil sie die jüdische Jugend für solche Stellen nicht qualifiziert haften. Die Groß» löge möchie nun eine Mittelschule-gründen, die ebenfalls hebräisch in ihrem Charakjter, ausgiebigen englischen Unterricht erteilt»: um die Unzufriedenen zufrieden zu stellen, Das.Problem, wie das Niveau der hebräischen- Mittelschule io den fremdsprachlichen und wissenschaftlichen Disziplinen zu heben wire, ist noch nicht gelöst] Vielleicht gelingt die Lösung der in Aussicht genommenen neuen Griipdung. Möglicherweise wird mant in der neuen Mittelschule nicht davoi zurückschtecken, das eint oder das andere-Unterrichtsfach in der englischen Sprache zj wiederholen. Ein ähnlicher Plan hat schon vor 15 Jahren Vorgelegen und dürfte im gegenwär tigen Zeit:unkt mit weniger Leidenschaftlichkei diskutiert werden. Viel eicht wird die geplantt Mittelschtle auch Wegweiser für die bereits bestehenden Mittelschulen, oder wenigstens für dii i drei oberen Klassen. Die Mittel für die Gründung einer solchen Mittel sehr le, die nach jeder Richtung auf c er Höhe der Zeit stehen müßte, werden nicht gering sein,' obwohl zu erwarten ist, dal! selbst di« [Eltern, welcie heute ihre Kinder die Missions-Mittelschulen schicken, esauchihrei seits an Opfern nicht fehlen lassen wördtn. Daß die Bne B riss-Logen sind, die m i solcher li fensität jetzt vieder den Kampf gege 1 die Judenr lission aufneh nen, ist nur zu begrüßei i 87