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Der Orden Bne Briss · 1929-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 4 - April
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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gleichzeitig Probeehe wird, auf nicht allzuschwere Art zu lösen. Welchen Zweck hätte es,, eine derartige Lösung zu verhindern? Soll man etwa die Ehegatten — wie*es zum Beispiel nach deutschem Recht geschieht — zwingen, bei einander zu bleiben, oder mindestens daran hindern, in einer anderen Oemeinschaft ein [besseres Los zu finden, soll man es verantworten, daß dann aus derartigen Zwangsgemeinschaften Kinder hervorgehen, die dann zwischen unzufriedenen. Eltern in unglücklichen Ehen weiß Oolt kein angenehmes Dasein haben? i Wir haben doch unglückliche Ehen genug, warum soll man nicht wenigstens da eine erleichterte Auflösungsmöglichkeit geben, wo niemand durch eine Scheidung geschädigt wird? Allerdings, auch hier muß eine Aenderung der herrschenden gesellschaftlichen Anschauungen Platz greifen. Man betrachtet immer noch eine Scheidung als einen gewissen Skandal, als eine Angelegjenheit, die man nach bestem Können vermeidet. Derartige Ansichten und ihre Auswirkung auf die Beteiligten müssen dann natürlich auf das Oebiet der Familienehen beschränkt werden, sofern man sie überhaupt aufrecht hätten will. Und nun frage ich mich: Was hat eine] derartige Einrichtung mit Prostitution zu tun? fm Oegeinteil, die Möglichkeit früher zu heiraten,-« wird der Prostitution manches Objekt entziehen. Wesentlich istdoch, daß man sich nicht mit der oder dem ersten besjten verheiratet, sondern mit einem Menschen, der Gefährte sein Soll fürs ganze Leben. Die Möglichkeit, einen gegangenen Irrtum auf weniger komplizierte Weise gutzjumachen, ändert doch nicht den Charakter dieser Institution. Es wird immer noch eine Menge, von Formalitäten übrig bleiben, es.wird sich sicher eine entsprechende gesellschaftliche Einstellung bilden, die einen Mißbrauch wenig ratsam machen. Die Kreise und Persönlichkeiten aber, :die mit derartigen Voraussetzungen, wie Hert| Dr. Rieger sie allgemein anzunehmen beliebt, in eine Eh3 — und sei es auch »nur« eine Kameradschaftsehe — eintreten, die haben wahrscheinlich unter dem jetzigen Regime noch bedeutend weniger Umstände gemacht, sich sexuell auszuleben. Selbst in diesen Kreisen wird die Kameradschaftsehe eine gewisse Stabilisierung der »Verhältnisse« bringen. Das allerdings muß mit aller Sjchärfe verlangt werden: Wenn das Kind in die Ehe eintj-itt, muß I die Erwerbstätigkeit der Frau auf hören oder! doch wesentlich eingeschränkt werden. (Und zwar für dauernd!) pie Erziehung unserer Kinder durch Dienslboten|ist ein Problem, dessen Wichtigkeit für unsere Kreise gär nicht genug betont werden kann. Sollte wirklich wije geschildert, ein Kind früher als erwünscht kommen, dinn muß Cben die Umbildung der Kameradschaftsehe inj die Fami(ie sofort und vielleicht unter Entbehrungen vorgenqmmen werden. Daß ein Kind aus einer Ehe zwischen Menschen, die sich unter weniger fester Bindung erprobt haben, und. die dann beschlossen haben, eine ejiger gefügte Familie zu gründen, in schlechtere Bedingungen hineinwächst als das Kihd der heutigen Normalehe,i das ist nicht abzusehen. Daß aber einer rein erotischen Beziehung ein Kind entwächst, das soll ja auch schon] heute, ohne Kameradschaftsehe, Vorkommen bzw. nicht vorkommjen. Das war, wesentlich vom Standpunkt: des jungen Mannes aus geschildert, die Kameradschaftsehe, wie wir sie sehen. Was darüber hinaus von den Verfassern vorgeschlagen ist, fällt aus dem Rahmen dieses Aufsatzes, schon deshalb, weil es der Kameradschaftsehe nicht eigentümlich ist. Tatsache ist, dhß die jetzigen Verhältnisse außerordentlich unb‘friedigend sind, daß die heut gen gesellschaftlichen Anschauungen eine irgendwie getuonicht zulassen. Daß eine Kameradschaftsehe außeroidentlich glücklich und positiv raiterlebt. Die beiden Leut« hen ins Büro und füllen ihren Fflatz Sie fühlen sich äußerst en Moment, derbem Manne bringt. Dann wird die Frai. und ihre dann in Erschein ui ohl ein 2U "g ausfallen kann, habe ich gehen täglich zusammen aus, wie vor ihrer Ehe. und freuen sich auf d«ji genügendes Einkommen Hause bleiben können tretenden Kinder erzieheh. Daß herrliche Oedajiken in ihrer Realisierung Mißbräuche zulassen, ist bekannt. Aber gibt das ein Rucht zu einer so schrankenlosen, lediglich aus diesem Gesichtspunkt geborenen Ablehnung? Viel schlimmer, als heute, kann es kaum komn en. Vielleicht kann aber einä vorsichtige, allerdings nicht zu vorsichtige Modernisierung unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung manches zum Guten wenden* , 1 »Kameradschaftseile« — eine Entgegnung» Von Dr. med. M a r g o t Rothenberger. Restlos einverstanden bin ich mit'dem Anfang Aer Ausführungen Br. Dr. Ringers über den Geist der wählen Kameradschaftsehe. Auch ich lehne die Eheform, lie Lindsay Kameradschaftsehe nennt, für unsere deutschen Verhältnisse ab, weil u.i.die wichtigsten Voraussetzung en dieses Buches — Verkaafsverbot der konzeptionsveri ütenden Mittel und Ersch werung der Ehescheidung — r ur für Artierika Geltung haben, während in Deutschland < ie Lage wesentlich freier uid einfacher ist. Außerdem ha te ich eine leicht lösbare Jigendehe für eine neue Belastu lg und Unsicherheit der Fnu. . In verschiedenen Punkten bin ich aber durchaus anderer Meinung, wie Br Dr. Rieger... Es heißt 2. B. in seinem Aufsatz (S. 9, liiks oben). »Die jahrelange V«rhütung der Mutterschaf bedeutet fpr die normale Fr. u körperlichen und seeliscien Verfall. Ein hemmungslos :s Triebleben tührt zwangt läufig zum nervösen Zusaipmeibruch und zu den schwersten organischen Störungen«. Das scheint mir in zwei Punkten an der Sachlage vorb :i zu gehen, 1. Es gibt eine Anzahl von nervösen Störungen urid organischen Leiden, <die durch jahrelange Verhütur g der Mutterschaft ertstehen können, aber nicht ans Hemmungslosigkeit, sondern grade im Gegenteil durch die 1 lußerordeiißich’ starke Spannung, die dazu gehört, de Ausleben drängt, zu Z Br. Rieger verwirft '( :n Urtrieb des Menschen, der aqf 1 hemmen. — durchaus mit. Recht — di jahrelange Verhütung aus obenerwähnten Gründer Für das Nervensystem und-die beanspruchten Organ : von Mann und Frau ist es aber dieselbe Schädigung wenn ein junges Paar die erste Befruchtung verhindert oder ältere Ehepaare. nach 1—2 Kindern aut wirtschaftlichen Gründen diesen Weg jahrelang beschreiten, wie es in gesamten Mittelstand heute üblich isL Diese Geburten Verhütung und -beschcänkunj bedeutet zwar bevölkerungspolitisch ur\d ärztlich ein« große Gefahr, aber doch nicht »körperlichen und see liehen Verfall«, sonst müßten fast alle jüdischer Frauen krank sein. Br.‘ Rieger schreibt feiner über die tatsächlich vorhandene Ehescheu der männlichen Jugend und sucht die 73

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