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Der Orden Bne Briss · 1929-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 4 - April
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Der Sonderaasschuß für die geistigen Interessen (Großlogenkomitee). Sitzung des Arbeitsausschusses. am 8. März 1929 unter Vorsitz von Br. Schindler, Teilnehmer BBr. Baer (als Qast),v 'Finkei, Ooldschmidt, Leszynsky, Rosenfeld. (Ein ausführliches Protokoll ist den Logen bereits zugegangen und steht außerdem Interessierten Brüdern auf Wunsch zur Verfügung.) Tagesordnung: 1. Erledigung des Preisausschreibens. .2. Aussprache über die Resolution der Oroßlogentagung vom 19. November 1928. 3. Antrag der Markus Horovitz-Loge betr. Gründung von sozialethischen' Arbeitsgemeinschaften. 4. Anregungen der Lögen. 5. a) Stand der Ritualfragen, b) Logenmusik, c) Aphorismen. 6. Verschiedenes. Zu Punkt 1, Preisausschreiben* ist bereits in No. 3 der Großlog.-Mittlg. & 35 ausführlich berichtet. Punkt 2. Resolution der Oroßlogentagung. Die Entwicklung des jüdischen Menschen als Logenaufgabe, der Hauptpunkt der Rede des bochw. Großpräsidenten, wird eingehend erörtert. Br.^ Schindler berichtet über eine Ausspräche, die über dasselbe Thema bereits im Berliner Logenverband stattgefunden und in der Hauptsache die Vieldeutigkeit des Begriffes »jüdischer Mensch« ergeben habe. Br. Expräsident Holländer habe als Beispiele drei grundverschiedene Typen des jüdischen Menschen aufgezeigt: einen traditionsgebundenen Juden wie Samson Raphael Hirsch, einen Eugen Fuchs, der in seiner Person die Verbindung von Deutschtum uiid Judentum dargestellt habe, und einen Sondertyp wie Max Nordau, dessen Judentum in nationaler Bildung bei vollkommener Loslösung von Religion und formaler Tradition bestanden habe. Das diesen Haupttypen und zahllosen Uebergangsformen gemeinsame könne nur etwas ganz allgemeines sein, wie die vom Talmud an den Juden gestellte Forderung der Schamhaftigkeit, Wohltätigkeit und "Barmherzigkeit. Br. Citron führte als Korreferent im Berliner Logenverband aus: Das Judentum hätte sich bei der Befreiung aus dem Ghetto in die verwandte Geistesrichtung der allgemeinen Humanität aufgelöst, wenn nicht dem Zeitgeist angepaßte Strömungen, wie Aufklärung und Liberalismus, (Jebergangsformen von der starren (Jeberlieferung zu moderner Religionsausübung geschaffen, und dadurch dasjudentum erhalten hätten. Humanismus sei depi Judentum grundverwandt, sozusagen verweltlichtes Judentum. Von seinem zionistischen Standpunkt aus sei eine Erhaltung des Judentums nur durch Schaffung einer nationalen Umwelt in Palästina möglich, wo sich die dem Judentum innewohnende Humanität ohne Hemmungen entfalten könne. - , Aus der Diskussion würde noch der Oedanke erwähnt, daß die Sittenlehre im wesentlichen allen Menschen gemeinsam, und daß daher in diesem Sinne die Darstellung des jüdischen Menschen unnötig sei. Hiergegen wurde eingewandt, daß die jüdische Seele Besonderheiten aufweise, welche den Menschen als jüdischen Menschen charakterisieren. Br. Schindler gab im Anschluß an diesen Bericht noch eine Zusammenfassung der Oroßlogenverhandlungen über diesen Punkt. Die Zeitwandlung, die wir alle mfterfeben, sei in der Ordensarbeit durch das hervortretende Selbstbewußtsein des Judentums als Eigenwert bemerkbar. Nach Palliare sei dies das Erlebnis der Einheit der Gottheit als gemeinsamer Urquelle, der Menschheit als Schöpfung aus gleicher Urkraft. Hieraus folge von selbst die Humanität, welche alle Richtungen im Judentum, Orthodoxe, Liberale, C. V. und Zionismus in gleicher \A(eise einige und umfasse. Um durch Judentum zum allgemeinen Menschentum zu gelangen, müssen wir in der'Logenarbeit die jüdischen Eigenwerte pflegen und sie in Beziehung zu allen anderen Oeisteswerten der Menschheit bringen. Br. Goldschmidt faßte Biese Tendenz in die Worte zusammen: Treue zum Judentum, Erkenntnis der jüdischen Werte, Friedenssehnsucht, soziale Verantwortung ergeben zusammen; bewußtes Judentum. Br. Rosenfeld weist darauf hin, daß im Bruderkreise bisher zwei Richtungen bestanden hätten, eine humanistische, die im Logenleben das uns mit allen anderen Menschen gemeinsame betont wissen wolle, und eine mehr judaistische, die verlange, daß die jüdischen Sonderwerte der Ordensarbeit die Färbung geben sollen. Die humanistische Richtung fürchte durch eine besondere Betonung des jüdischen Menschen deklassiert zu werden, £s müsse deshalb eine Auslegung diesesc Begriffes in einem toleranten, weitumfassenden Sinne erfolgen. Einer Anregung, 4en Begriff des jüdischen Menschen in Aufsätzen des Großlogenorgans aus verschiedenen Standpunkten zu klären, wurde beigestimmt Zum Punkt 3, Antrag der w. Markus Horovitz-Loge auf Einrichtung sozial-ethischer Arbeitsgemeinschaft führte Br. Rosenfeld als Referent folgendes aus: Der Grundgedanke dieses Antrages sei nicht, wie ziemlich allgemein angenommen.die utopische Absicht, mittels der Logenarbeit das sozialpolitische Geschehen unmittelbar zu beeinflussen. Nach der Erklärung von Br, Löffler beruhe dieser Antrag auf dem Gefühl der Verpflichtung, dem jüdischen Begriff der Zedakah im Leben zu verwirklichen und damit lebendiges Judentum im Gegensütz zu einem Buchstabenglauben zu betätigen. Nur wenn das Judentum seine Kraft beweise, im heutigen Leben im Sinne sozialer Gerechtigkeit zu wirken, habe es Anspruch, als eine gleichwertige lebendige Kraft anerkannt zu werden. Die Aufgabe des Ordens im Judentum, Auslese der besten Kräfte zu bewirken und Führer heranzubilden, müsse sich auch auf die wichtigsten Arbeitsgebiete des heutigen Lebens erstrecken. Diese seien aber Wirtschaft, Sozialgestaltung. Der Referent führte hierzu aus, daß alle .Logen, nicht nur die des U. O. B. B., geistig im Neuhumanismus zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurzelten, also in einer Oeistesrichtung, die hauptsächlich theologischen, philosophischen und aesthetisehen Fragen zugewandt war. Unsere heutige Zeit habe sich von diesen Fragen mehr abgewandt und sei vorwiegend mit Gestaltung des praktischen Lebens in Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt Es sei also der Grundgedanke des Antrages der w. Markus-Horovitzloge, die Logenarbeit auch in diesen Arbeitsgebieten des heutigen Lebens zu | verwurzeln, durchaus anzuerkennen. Die Durchführung sei schwierig, indem Männer des wirtschaftlichen Lebens meist nicht geneigt seien, theoretisch , zu arbeiten. Indessen sei es nicht unmöglich, in den Logen Brüder mit großer wirtschaftlicher Erfahrung zu Vorträgen über ihr Arbeitsgebiet zu gewinnen. I

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