Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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nissen der Zeil geboren sind. Und doch sind es im Orunde die alten, ewig neuen jüdischen Ideale, die Sie ibernommen haben, die Sie anwenden und foribilden. Vielfach wird uns yorgehalten, die neutrale jüdische Jugendbewegung habe sich überlebt, sie sei eine Illusion, die jüdische Jugend wolle Stellung nehmen und|sici parteilich organisieren. Der Kampf der Part iien um die Jugend hat sich vervielfältigt. Unseren neutralen Jugendbünden fällt die Aufgabe zu, einer einseitigen, vorzeitigen Festlegung d|er Jugend entgegenzuwirken, damit der junge Mensch die Dinge nicht einzig und allein durch! die Parteibrille sehen lernt. Unser Jugendbund ^rill die propagandistisch eingestellte Kampforganisation der Parteivereine paralysieren. Das'bedeutet keine Unterschätzung der parteimäßig organisierten Verbände; wir wissen sehr wohl, daß gerade sie konzentrierte jüdische Arbeit leisten. Je mehr aber die Judend sich religiös und jüdisch-politisch isoliert, qesto mehr müssen wir darauf bedacht sein, daß-sie sich nicht nur in gesonderte Parteilager gruppiert. Parteiprogramme werden von Konjunkturen bestimmt; wo sie unter allen Utnständen konsequent b eiben wollen, erstarren, sie in Dogmen, i Man soll die jungen Leute zu Urteilen, aber {nicht zu Vorurteilen erziehen, nicht zu festgele&ten Ueberzeugungen, die ihnen der Parteiverein gleich bei ihrem Eintritt mit der Mitgliedskarte fix und fertig abgestempelt überreicht. Wie sj>ll sich die Jugend zu freiem, selbständigem Dedken entfalten, wenn ihr die Stellungnahme vorweg genommen wird, ohne Gelegenheit zur unterscheidenden, vergleichenden, wählenden und wägenden Urteilsbildung. Lehrfreiheit bediiigt auchl Lemfreiheit. Die Jugendbewegung darf kein Kampffeld für Gegensätze, Zerklüftungen und Spaltungen bilden. Oewiß kann manl nicht idie gesamte Jugend in Normalbestimmungen zw ängen. Der JugendJ)und soll der individuellen Entwickelung und Betätigung Raum lassen, aber zugleich das Kollektivbewußtsein, das Gemein »chaftsgefühl stärken. Wir stören, ja wir |z e r stC ren vielleicht die Idee der Gemeinschaft — wenn wir sie allzu sehr parteienmäßig zersplittern| |und die Bindungen der Einheit lockern.] Es gibt in Deutschland (etwa 100 000 junge Juden im Alter von 16—25 jjahren: Von ihnen sind kaum mehr als 15% inj Parteiuereinen und etwa die gleiche Anzahl in unseren Jt gendbünden zu finden; außerhalb steht njoch das große Heer der Indifferenten, die sich ^u keiner Richtung bekennen, und die zufti Judentum überhaupt {kein Verhältnis haben. Diese Zehntausende von jutigen Juden können am ehesten von unseren neutralen Jugendbünden erfaßjt und fürs Judentum interessiert werden. I , Wir verstehen unter Neutralität nicht eine passive Parteilosigkeij des Einzelnen, sondern Vereinigung, Zusammenfassung der verschiedenen Ueberzeugungen in friedlicher, toleranter Zusammenarbeit zur Betätigung all jener Jügendzwecke, die allen .Richtungen gemeinsam sind. Auch die jüdische Jugend hat die verantwortungsvolle Pflicht, das Oerpeinsame und nicht das Trennende zu betonejn, vor dem Wandelbaren das Bleibende, 'vor dem Vergänglichen das Ewige festzuhalten, vor dem Einzelnen das Oänze nicht aus dem Auge zu verlieren. * Der neue Typus Jugend ist an sich bestimmter, ernster, sachlicher als früher. Die gewaltige Uebergangsz iit, in.der wir uns befinden, hat ganz neue Kulturbegriffe gezeitigt. Das Ringen nach neuen Forcen in Staat und Kultur, im Zusammenleben der Individuen und der Völker, bedingt auch einen neuen Rhythmus der Jugend. Der Jugendverein hat seinen Mitgliedern vieles zu bieten: wissenschaftlich literarische Belehrung, jüdischpolitjsche Aufklärung, religiöse, weltliche, kulturelle, berufliche Orientierung, soziale Assistenz, ethische OeschmacksbiJdung. künstlerische Anregung, spdrtljche Ertüchtigung, gesellige Kameradschaftlichkeit Vor allem aber naben die Jugendbünde Pflegstätten treujüdischen Bewußtseins zu sein. Hiermit bin ich beim lelzten der Motive angelangt, die ich in bezug auf qie Tendenzen des Jugendbundes in der Auffassung derGroßloge besonders betonen möchte, das ist! die jüdische Note unserer Jugendarbeit. ' Schon als wir den Verband der Jugend* vereine vor 20 Jahren mit begründen halfen, gaben wir ihm als Programm mit auf den Weg: »Den Willen zum Judentum«. Das bedeutet auch für sie keine Absonderung von dei andersgläubigen Jugend; machen es doch unsere jüdischen Jugend vereine ihren Mitgliedern zur Pflicht, sich auch an interkonfessionellen Vereinigungen zu beteili^n und keinesfalls die allgemein menschlichen, beruflichen, kulturellen und vaterländischen Bestrebungen zu vernachlässigen. Redner schließt! seine Ausführungen mit einem warmherzigen Appell an die auslösenden Kräfte der Jugend: Wir.erwarten alles Heil von der für alles Oute und Schöne eiqpfänglichen Jugend, von ihrer Regsamkeit und Strebsamkeit t9 -