Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwanzigjahr-Feier des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Vom 15.—17. Märzd. J. beging der Verband der Jüdischen Jugendvereine die Feier seines zwanzigjährigen Bestehens. * Mit aufrichtiger _ Freude haben die an dem Feste des Verbandes teilgenommen, denen es vergönnt war, bei seiner Begründung mitzuwirken. Mit warmem Interesse verfolgten wir unsere jüdische Jugendbewegung im Laufe der 20 Jahre; wir erlebten mit ihr Höhepunkte, die uns freudig und stolz stimmten, aber auch Tiefpunkte, die uns sehr betrübten. Es war dies die Zeit nach dem Weltkriege, wo auch das Gleichgewicht der jüdischen Jugend stark erschüttert war, wo die Jugendbünde stagnierten, da ihnen die seelische Ruhe und J die Führerpersönlichkeiten fehlten. Freilich haben wir das Vertrauen zur'jugend nicht verloren, vielmehr hofften wir, daß sie die Krisis glücklich überstehen und aus sich selbst gesunden werde. Und unser Vertrauen wurde nicht getäuscht. Das bewies uns die stimmungsvolle Zwanzigjahr-Feier, die wieder kl unseren Logenräumen abgehalten wurde, von wo aus der Verband seinen Siegeszug angetreten hat. Eingeleitet wurden die Festtage durch eine Freitag-Abend-Feier im Heim des Berliner Jugendbundes, die vom gegenwärtigen Geschäftsführer Fritz Schwarzschild geleitet und über 120 junge Menschen aus allen Gauen ^unseres Vaterlandes' vereinigte. Ihr folgten dann am Sonnabend Abend Werbeveranstaltungen in verschiedenen Gegenden Berlins, bei denen die gegenwärtigen bekannten Führer der Jugendbewegung über .Unsere Arbeit — Erreichtes und , Erstrebtes« sprachen. Auch ein Veteran, der Vizegroßpräsident Benno Walter, stellte sich für diesen Abend zur Verfügung. Am selben Abend fand noch auf Wunsch der Jugend im Hause des Bruders Vizegroßpräsident Maximilian Stern ein gemütliches Zu- . sammen^ein der gegenwärtigen Führer mit den alten Führern des Verbandes statt. Von den alten bemerkte man außer dem Gastgeber und seiner Gattin die Brüder Walter und E. Finkei sowie Fräulein Cora Berliner. — In zwangloser Unterhaltung sprach man von den alten und neuen Arbeitsmethoden, von solchen, die sich bewährt haben und von solchen, die nur von kurzer Dauer wären. Bei dem eigentlichen F e s t a k t am Sonntag Vormittag im Festsaal der Berliner Logen U.O.B.B. konnte der Vorsitzende Br. Dr. Hahn-Essen eine stattliche Zahl von Freunden und Gästen begrüßen, u. a. auch Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden sowie Abordnungen vieler jüdischer Organisationen. Drüße und Wünsche überbrachten in kürzeren und längeren Ansprachen: Br. Maximilian Stein | im Namen der Großloge, Professor Türk namens des Preußischen Landesverbandes jüdischer! Gemeinden, für die jüdische Gemeinde sprach der erste Vorsitzende, Direktor Kareski, für den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Dr. Oeorg Lubmski. £ierauf wurde in drei Festreden das Thema Jelt: »Der Verband im Leben der deutschen leite, und zwar sprachen über: 1. »Oesamtjüdische Haltung« Assessor Herbert Felsenthal. 2. »Unsere Aufgaben der Gegenwart« Rabbiner Dr. Hahn. 3. »Zukunftsgestaltung« Primanerin Elsbeth’ Capeil-Düren. Musikalische Vorträge von Frau Lilli Dreyfiuß umrahmten die Feier. Ein Festabend mit musikalisch-deklamatorischen Darbietungen und Ball beschloß die eindrucksvollen Veranstaltungen. In der zwanglosen Unterhaltung haben die Führer und Führerinnen das Wohlwollen und )die Förderung der Jugendbünde durch die Logen dankbarst anerkannt, aber auch bedauert, daß an manchen Plätzen die Logen jugend fern steht, -und daß sogar geplant wird, die Logenjugend in besonderen Vereinen zu sammeln. Dabei wird vergessen, daß die neutralen Jugendvereine mit zu den vornehmsten Schöpfungen der Loge gehören. ~ F.—1 * * ->.» * Aus der Ansprache des Vertreters der Groß- , löge, des Br. Vizegroßpräs. Maximilian Stein, bringen wir hier einige Auszüge: Die neutralen jüdischen Jugend vereine. Absprache zur Festsitzung des Verbandes am 17. März 1929 von Br. Maximilian Stein. f I Die jetzige Generation ist durch eine Epoche erschütternder, umwälzender Erlebnisse hindurchgegangen! Es ist | eine neue Jugend, die jetzt vor uns steht; sie {reiht sich würdig der früheren an. Die Verbandsjätigkeit zeigt eine neue Phy- . siognomie, ein neues Oesicht, sie strebt nach Aüsdrucksformen, die aus den Notwendigkeiten, aus den Strömungen, Erkenntnissen und Bedürf- 68